Die letzten Aktivitäten

Aufräumen

Die letzten Wochen haben wir nun also damit verbracht die Wohnung aufzulösen. Alles zu verkaufen, zu verschenken, zu spenden oder weg zu werfen war ziemlich Nerven raubend für uns beide. Auch wenn Sandra das meiste davon im Alleingang erledigt hat, war es für mich auch einigermaßen anstrengend.

Alles was wir vorerst noch behalten möchten haben wir in einem gemieteten Lagerraum frostfrei und trocken untergebracht. Unsere Wohnung haben wir am 27. März verlassen und der Reinigungsfirma übergeben. Diese wird die Reinigung inkl. Abnahmegarantie für uns durchführen und die Wohnung auch dem Vermieter übergeben. Während dieser Zeit leben wir dann in einem Hotel, da wir beide noch ein paar Tage arbeiten müssen bevor die Reise beginnt.

Verträge kündigen

Jetzt, wo wir etwas mehr Ruhe finden, müssen wir uns noch um die letzten Dinge kümmern. Die Abmeldung war erfolgreich und wir halten die Abmeldebestätigung in den Händen. Diese ist Voraussetzung dafür, dass wir alle weiteren Verträge außerordentlich kündigen dürfen. Zum Beispiel unsere Krankenpflegeversicherung, welche in der Schweiz obligatorisch ist. Ebenso müssen die Krankenzusatzversicherungen – Zusatzleistungen wie TCM oder Massagen – oder möglicherweise vorhandene Rechtsschutz- oder Privathaftpflichtversicherungen berücksichtigt werden. Alles selbstverständlich per eingeschriebenem Brief und dem Hinweis, dass die Kündigungsbestätigung nur per Mail an uns geschickt werden kann. Wir haben die Hoffnung, dass die Unternehmen dies auch so berücksichtigen. Das große Problem ist ja, dass wir zu unserem Briefkasten keinen Zugang mehr haben. 

Bei den Abmeldungen, die Du nun alle durchführst, darfst du selbstverständlich Themen wie Billag (GEZ) oder Deine Fahrzeuge, sofern notwendig, nicht vergessen. Mein Tipp an dieser Stelle lautet: mache Dir so früh wie möglich eine Liste mit allen Verträgen die Du aktiv führst. Ebenso eine Übersicht über alle wiederkehrenden Zahlungen, denn daraus lassen sich auch Vertragsähnliche Konstrukte ableiten.

Koffer sortieren

Abmeldungen haben auch etwas mit Reduktion zu tun. Und Reduktion hat etwas mit dem Volumen des Koffers zu tun. Kannst du mir soweit folgen? Beim Packen unserer Koffer haben wir festgestellt, dass es sehr mühsam ist den Koffer richtig zu befüllen. Daher haben wir in den nächsten Tagen noch die Aufgabe unsere Koffer so zu packen, dass wir möglichst effizient an unsere Kleidung kommen und ebenfalls die Dinge sicher verpacken, die wir für z.B. den Haushalt mitnehmen möchten. Dabei sollte klar sein, dass ein Messer nichts im Handgepäck zu suchen hat, genauso wie ein Parfum-Flakon nichts im aufgegeben Fluggepäck.

Chaos mit den neuen Dokumenten

Wann immer Du Dein Heimatland verlassen möchtest, bist Du darauf angewiesen gewisse Dokumente bei Dir zu führen. In Abhängigkeit vom Zielland sind es mal mehr, mal weniger. Als wir das erste mal Deutschland verlassen haben, sind wir nach Österreich beziehungsweise in die Schweiz ausgewandert. Dort war es sehr einfach, da es innerhalb Europas mit den Schengener Abkommen eine relativ große Freizügigkeit im Inner­europäischen Personen­verkehr gibt.

Unser aktuelles Vorhaben ist jedoch weit außerhalb der EU. Wir beschäftigen uns also mit der Botschaft von Paraguay in Berlin, mit der Botschaft von Paraguay in Bern, mit der deutschen Botschaft in Bern, mit unseren Geburtsstandes­ämtern in Deutschland und dem Standesamt in welchem wir geheiratet haben, auch in Deutschland.

Für unser Vorhaben mehr als drei Monate in Paraguay leben zu wollen, beziehungsweise dort eine Dauer­aufenthalts­genehmigung zu erlangen, benötigen wir folgende Unterlagen, die jeweils überbeglaubigt und teilweise von der Botschaft von Paraguay legalisiert sein müssen.

  • Internationale Geburtsurkunde, nicht älter als von 2010 Du bekommst diese in dem Standesamt, in welchem Deine Geburt erstmals beurkundet wurde
  • Polizeiliches Führungszeugnis, nicht älter als drei Monate Wobei folgende Punkte zu berücksichtigen sind:
  • Wohnsitz im Ausland weniger als 5 Jahre: Das Bundesministerium für Justiz ist für Dich zuständig, möglicherweise musst Du auch noch ein entsprechendes Dokument aus Deinem Wohnland nachweisen
  • Mehr als 5 Jahre im Ausland wohnhaft: Du benötigst nur ein entsprechendes Dokument aus dem Wohnsitzland zuzüglich einem Wohnsitznachweis

Die Beschaffung dieser Dokumente erfordert eine gewisse logistische Flexibilität, insbesondere dann, wenn man, wie wir, nicht mehr in Deutschland wohnhaft ist. Denn die Standesämter arbeiten nicht immer mit den entsprechenden Behörden für die Überbeglaubigung zusammen. Es ist daher reichlich Postlaufzeit einzuplanen. Die Botschaft von Paraguay benötigt ebenfalls noch etwas Zeit um die Dokumente zu legalisieren. Die legalisierten Dokumente haben gemäß der Botschaft von Paraguay in Berlin eine Gültigkeit von sechs Monaten.

Wir haben also die Geburtsurkunden und die Heiratsurkunde in internationaler Ausführung bestellt. Diese waren von zwei verschiedenen Behörden zu beschaffen. Die Geburtsurkunden sind per Post versandt worden und mussten dann überbeglaubigt werden. Dies kann man nur machen, wenn man persönlich vor Ort ist, oder einen guten Freund hat, der das dann macht. Wir hatten diese Unterstützung und konnten daher entspannt auf die Urkunden warten. Bei der Heiratsurkunde ist die Standesbeamtin direkt „über die Strasse“ gelaufen und hat die Überbeglaubigung selbst eingeholt. Diese Urkunde kam also direkt von der Behörde zu uns.

Alle unsere Urkunden aus Deutschland haben wir dann eingeschrieben an die Botschaft von Paraguay in Berlin gesendet. Ungefähr zwei Wochen lang haben wir nichts gehört, dann endlich kam ein E-Mail von der Botschaft mit der Kostenaufstellung. Diese muss dann vorab beglichen werden, damit die Botschaft unsere Dokumente überhaupt weiter begutachtet. 

Mache Dir also einen Zeitplan, wann Du welches Dokument anfordern musst, damit Du es innerhalb der vorgegebenen Fristen und Gültigkeiten erhalten kannst.

Stand der Recherche:
Januar 2018

Abmelden aus der Schweiz

Die endgültige Abmeldung aus der Schweiz ist (k)eine einfache Angelegenheit. Je nach Wohngemeinde/-kanton sind unterschiedliche Voraussetzungen zu erfüllen. Ebenfalls spielt es eine große Rolle welche Aufenthaltsbewilligung bzw. Lohnbesteuerung Du besitzt (Ausländerausweis L, B oder C, CH-Pass). Ich berichte daher nur über unsere Wohngemeinde Winterthur im Wohnkanton Zürich bzw. über generell gültige Punkte, sofern ich diese entsprechend Recherchieren konnte. Sandra und ich hatten die Schweizer Niederlassungsbewilligung (Ausländerausweis C). Wir waren also regulär besteuert und lebten in der Stadt Winterthur.

Bei einer Abmeldung ins Ausland ist es grundsätzlich in jeder Gemeinde in der Schweiz notwendig, dass man sich persönlich abmeldet. Eine elektronische Abmeldung ist, anders als bei einem Zügeln innerhalb der Schweiz (Innerkantonal oder Kantonsübergreifend), nicht möglich. Der Grund dafür ist sehr einfach: Du musst bestimmte Unterlagen persönlich vorlegen und bekommst direkt Änderungen in vorzulegenden Unterlagen eingetragen.

Erst die Steuern, dann der Rest

Für Winterthur ist es so, dass wir mit unseren Lohnausweisen (so etwas ähnliches wie die Lohnsteuerkarte in Deutschland), Bankbelegen (Kontoauszüge), Ausländerausweisen, vorläufiger Steuererklärung für das laufende Jahr und Nachweisen über die Verwendung der Vorsorgeleistungen der Pensionskasse einen Termin beim Steueramt wahrnehmen mussten. Dieser Termin sollte mindestens einen Monat vor dem eigentlichen Abmeldedatum stattfinden. Warum? Man bekommt vor der Abreise noch den endgültigen Steuerbescheid für das komplette Steuerjahr, welcher unbedingt zu begleichen ist. Anderenfalls wird die steuerliche Abmeldung aus der Schweiz verweigert. Ausreisen kann man dann natürlich trotzdem, jedoch bleibt die Steuerpflicht in der Schweiz aufrecht erhalten, was zur Folge hat, dass sämtliche Einkommen, auch die, die nicht in der Schweiz erwirtschaftet werden, in der Schweiz versteuert werden müssen. Bei uns ist es so gewesen, dass wir die definitive Abmeldung aus der Schweiz zwingend benötigt haben, da wir unsere Altersvorsorge zu 100% ausbezahlen lassen wollten.

Es gibt jedoch noch einen zweiten Weg um die gewünschte Genehmigung zu erhalten. Wenn Du einen Kollegen hast, der Dir vertraut und dem Du vertraust, dann kannst Du eine Steuervollmacht für den Kollegen ausstellen. Diese Vollmacht bevollmächtigt den Kollegen dann, die Dokumente für Dich zu empfangen, welche er dann an Dich weiterleiten muss. Dies ist dafür gedacht, dass Du dann die Steuererklärung erstellen kannst und ebenfalls auch Deinen Steuerbescheid erhältst. Der Bevollmächtigte ist nicht dafür Verantwortlich, dass Du die Steuer auch bezahlst. Dies musst Du also selbst machen. Er wird jedoch alle Briefe erhalten die vom Steueramt an Dich gesendet werden. Und damit wird er dann auch erfahren, dass Du ein Steuerschuldner bist und dann wird sich zeigen wie sehr Ihr euch gegenseitig vertraut. In Winterthur wird es aktuell so gehandhabt, daß Du eine Art Kaution hinterlegen musst, damit die Steuerschuld auch garantiert beglichen wird. Die Kaution ist in der Höhe der zu erwartenden Steuerrechnung für das laufende Jahr. Es können also durchaus mehrere Tausend Franken werden.

Steuern bezahlt? Dann weiter!

Hast Du nun diesen Termin hinter Dich gebracht, Deine Steuern beglichen oder einen Bevollmächtigen gefunden? Super, denn dann erteilt Dir das Steueramt die Genehmigung, dass Du Dich bei der Einwohnerkontrolle abmelden kannst. Hierzu ist ein weiterer Termin notwendig. Wir haben nicht sehr lange warten müssen, da Winterthur eine sehr gut organisierte Einwohnerkontrolle hat. Die Abmeldung bei der Einwohnerkontrolle war nicht sehr aufregend. Ein paar Fragen beantworten, ein paar Dokumente unterschreiben, ein paar Franken auf den Schalter legen und schon waren wir fertig. Freundlicherweise haben wir für die Abmeldebescheinigungen noch weitere Kopien erhalten. Diese benötigst Du nämlich für die Abmeldung bei der Krankenkasse, sowie bei Versicherungen und anderen Verträgen, die eine außerordentliche Kündigung aufgrund Wegzugs zulassen.

Nach der Abmeldung bei der Einwohnerkontrolle sind wir nun also „Staatenlos“ und haben in unserem Ausländerausweis einen Stempel mit dem Abmeldedatum (siehe oben). Der Führerschein ist weiterhin gültig, zumindest sofern man keinen weiteren Wohnsitz hat oder bis man an einem anderen Wohnort wieder angemeldet ist. Innerhalb der EU muss der Führerschein am neuen Wohnort auf das entsprechende Land umgeschrieben werden. Hier gelten je nach Land unterschiedliche Fristen. Bei einem Wegzug nach Deutschland sind es 6 Monate. In unserem Fall wird der Schweizer Führerschein nicht eingezogen oder entwertet.

Alles muss weg

Irgendwann kommt dann der Moment an dem alles verkauft werden muss was nicht mit auf die Reise geht. Gemäß unserer Planung sind wir als erstes für einen längeren Zeitraum in Südamerika. Wir haben also die Möglichkeit alles an Möbeln, Elektrokleingeräten und weiterem Hausrat in einem Container auf dem Seeweg mitzunehmen. Oder wir verkaufen alles was wir für nicht Notwendig erachten und gehen nur mit ein paar Elektrokleingeräten (Laptop, Tablet, Fotokamera) und unserer Bekleidung auf diese Reise. Und genau dafür haben wir uns nun entschieden. Insbesondere auch im Hinblick auf die weitere Planung sollte dies eine gute Entscheidung werden.

Wir haben also vor Monaten bereits begonnen uns von unterschiedlichem Hausrat und Möbeln zu trennen. Und was soll ich sagen: es war sehr befreiend. Über gängige Internetportale haben wir unsere Möbel, Geschirr, Töpfe, TV, Kleinstartikel inseriert und konnten diese sogar an den Mann (natürlich auch an die Frau) bringen. Wobei wir einiges auch gratis abgegeben haben. Voller Dankbarkeit sind unsere Waren in den weiteren Wirtschaftskreislauf eingeflossen und konnten so ein erfülltes Leben bei neuen Besitzern genießen.

Mein Auto cry

Ein emotional sehr intensiver Moment war, als wir unser Auto verkauft haben. Immerhin waren wir es gewohnt jederzeit ins Auto einsteigen zu können und es zu nutzen. Zähe Verhandlungen waren es, bevor wir zu einer Einigung gekommen sind, wollte der Käufer doch selbst noch einen Gewinn aus seinem Kauf schlagen. Schlussendlich haben wir uns auf einen guten Preis geeinigt bei dem keiner von beiden Draufzahlen musste.

Nun waren wir also ohne Auto, ohne Möbel und ohne Töpfe in unserer Wohnung. Und doch hatten wir alles was wir brauchen bei uns. Denn unser Bett, Schreibtisch, Sofa und Tisch hatten wir noch. Ebenso noch einen Fernseher (YouTube Präsentator), Laptop, Tablet und andere Kleingeräte. Auch das Kochen war weniger ein Problem, denn dafür haben wir unseren Dampfgarer und einen Backofen, welcher vom Vermieter gestellt wurde.

Fehlt uns nun unser Auto? Ja natürlich – und auch – Nein, überhaupt nicht. Denn im Rahmen dieser Minimalisierung unseres Hausstandes ist uns aufgefallen, dass man sehr gut mit sehr wenig auskommen kann. Sollten wir wirklich mal ein Auto benötigen, so konnten wir es günstig anmieten; sogar auf Stundenbasis wenn es sein musste.

Etwas später musste dann auch noch das Motorrad dran glauben und sollte einen neuen Besitzer finden. Also wieder ein Inserat geschaltet, diesmal mit allen Details und dem Hinweis, dass es ein Fixpreis ist. Genutzt hat es leider wenig. Innerhalb weniger Minuten haben wir Anfragen erhalten mit Preisvorschlägen die eher Witzig als Ernst gemeint sein konnten. Selbst der Käufer wollte bei Abholung noch nach verhandeln, wobei wir mehrfach geschrieben haben, dass es keine Nachverhandlung gibt.

Für Dich heißt das, sofern Du ebenfalls eine lange Reise planst: sammle zusammen, was Du unbedingt benötigst. Und sortiere davon die Hälfte aus. Denn dies benötigst Du garantiert auch nicht. Vor allem aber heißt es: nehme Dir Zeit um alle Dinge zu verkaufen. Wir haben einen Zeitraum von sechs Monaten geplant um alles zu verkaufen und stellen jetzt fest, dass es gar nicht mehr so lange hin ist, bis alles weg sein muss.

Ende März war es dann soweit, dass wir unsere Wohnung komplett aufgelöst haben mussten. Die letzten paar Habseligkeiten, die nicht mit auf die Reise gehen sollten und auch nicht eingelagert werden sollten wurden verschenkt oder gar ganz entsorgt. Denn, auch wenn wir zwar einen Lagerraum angemietet haben, so ist dieser auch nicht unbegrenzt groß.

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