KW2018-49 – Die Luft ist anders in Brasilien

Wir waren nicht mal ganz von Board der Sovereign, da überkam uns fast die Übelkeit. Die Luft war so extrem anders hier im Hafengebiet von Recife/Brasilien, gegenüber den anderen Häfen, in denen wir lagen. Aber es half alles nichts, da mussten wir dann durch. Aber halt, fangen wir doch von vorn an. Bereits morgens um 07:00 Uhr mussten wir aus unseren Kabinen raus sein. Inklusive sämtlichem Gepäcks, was für uns, die wir nur mit einem kleinen Rucksack unterwegs sind, ja kein Problem war. Andere hatten es nicht so luxuriös. Für unser 10. Deck war dann der Besuch bei der Immigration von Brasilien auch bereits von 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr terminiert. Also durften wir bereits deutlich vor dem Wachwerden aufstehen und uns parat machen. Überpünktlich und ca. 20 Minuten vor dem Wecker lagen wir also wach im Bett und haben angefangen die letzten drei Dinge zu packen, zu duschen und was man sonst noch so am morgen macht.

Warten auf die Beamten

Da wir nun schon so früh wach waren, konnten wir auch schon in die Disko gehen. Dort sollte nämlich der Einreisestempel in die Pässe gedrückt werden. Besonders spannend war, dass die Einreisenden, die bereits ein E-Visa bewilligt hatten, dieses ausgedruckt mitbringen mussten. Für uns war das nicht relevant, aber für andere Nationen durchaus.

Da wir die Termintreue in Paraguay schon kannten, haben wir damit gerechnet, dass wir auch hier warten durften. Und ja, genau so war es dann auch. Pünktlich um 06:40 Uhr kamen die Beamten in die Disko und haben erst einmal ein Frühstück eingenommen. Dann die Laptops aufgebaut, das Netzwerk eingerichtet und ganz gemütlich mit der Arbeit begonnen. Ja, das muß wohl so sein in Lateinamerika. Wir werden uns überraschen lassen, ob es wirklich überall so ist.

Gegen 07:10 Uhr hatten wir beide einen Einreisestempel von Brasilien im Reisepass und wir durften endlich zum Frühstück marschieren. Dieses gab es wenigstens noch an Bord. Wenn auch nur noch im Umfang und zeitlich reduziert. Die Verabschiedung von den neu gemachten Freundschaften dauerte beinahe länger als das Essen der üblichen Verdächtigen. Obst, Eier, Bacon und etwas Kaffee. Oh, wie ich guten Kaffee vermisse.

Es stinkt!

Wir warteten also inzwischen darauf, dass wir in die bereitstehenden Shuttle-Busse einsteigen durften. Das war beinahe militärisch streng organisiert. Die Warteschlange musste als Einzelreihe gebaut werden und es wurde zweifach gezählt wieviele Personen in den Bus einsteigen durften. Nachdem wir dann im Bus saßen, wurde es nicht besser mit dem Geruch. Mir war wirklich schlecht und auch Sanny erging es kaum besser. Naja, vielleicht gewöhnen wir uns ja daran.

Aber weißt Du, so ganz einfach ist das ja dann doch nicht. Denn, auch wenn wir uns von dem schlackigen Hafenwasser entfernt haben, so wurde die Luft nicht besser. Im Empfangsgebäude wurden wir durch einen kleinen Karneval empfangen. Tänzerinnen und tolle Musik sollten uns einstimmen, auf das Land, das immer feiert. Die Koffer standen aufgereiht nach Decks in einem eigenen Bereich der Empfangshalle und warteten auf die rechtmäßigen Besitzer.

Danach kam das übliche Taxiangebot. Jeder hat den anderen unterboten und es standen dazu dann auch noch unzählige Reisebusse für die Gruppenweiterfahrten parat. Wir beschlossen, dass wir es einfach mit den Füßen versuchen wollten und gingen in Richtung des nächsten ATM. Mir war immer noch schlecht und der Weg wurde gefühlt immer länger.

Heute keine Auszahlungen

Wir haben endlich die Bank gefunden, die uns von maps.me angezeigt wurde. Die entsprechenden Offlinekarten habe ich noch an Bord aktualisiert, so dass wir auf dem neuesten Stand sind. Die Bank war da, aber der ATM? Fehlanzeige. Einer der Angestellten signalisierte uns, dass wir weiter gehen müssen. Hier gäbe es heute kein Geld mehr. Wir taten wie uns geheißen und gingen den beschrieben Weg. Aber dort waren nur Wechselstuben, keine ATM. Macht nichts, wir sind noch jung und suchen den nächsten Automaten. Der war dann auch nur ein paar hundert Meter entfernt eingezeichnet. Und er war tatsächlich auch dort, wo er sein sollte. Dummerweise verweigerte der erste Automat die Auszahlung. Nach kurzer Überlegung wussten wir dann auch warum. Der nahm nur heimische Karten entgegen. Für ausländische Kreditkarten gibt es andere Automaten.

Sanny hat schon im voraus die Busroute zu unserer Unterkunft in Recife herausgesucht. Sollte also ein leichtes sein dorthin zu kommen. Wir schnell dahin, wo der Bus fahren sollte und schon begann das große Chaos. Da fahren Busse im zwei Minuten-Takt. Ungefähr 20 verschiedene Linien. Und welche ist jetzt die richtige? Ja, steht ja dran, ganz oben. Wie in Paraguay auch. Und auch in der Frontscheibe, wie in Paraguay auch. So weit, so gut!

Busfahren kennen wir schon

Der richtige Bus stand vor uns. Wir also rein und mit dem frisch gezogenen Geld bezahlt. Das ist hier anders als in Paraguay. Hier gibt es den Fahrer und den Kassierer. Dafür gibt es keinen Fahrschein. Wer am Kassierer vorbei ist, der hat auch bezahlt. Oder so ähnlich. Und jetzt kommt dann unser größtes Problem. Hier spricht man Portugiesisch und kein Spanisch. Daher verstanden wir auch nur Chinesisch, als wir gefragt haben, wann wir aussteigen müssen. Und zack, da waren wir auch schon an der Haltestelle zum Buswechsel vorbei gerauscht.

Eine freundliche Mitfahrerin, die ein paar Brocken Englisch konnte, hat uns dann geholfen und uns gesagt, wo wir den nächsten Bus finden können. Wir sind also ausgestiegen und haben nach der Straße gesucht, die uns genannt wurde. Blind vor Euphorie fanden wir also keine Straßenschilder und liefen hilflos umher. Handynavigation? Ja, hatten wir, aber nicht daran gedacht sie auch zu nutzen. Ein Metrobus rauschte an uns vorbei. Ha, da ist eine bediente Haltestelle! Dort nachgefragt und nur fragende Gesichter gesehen. Kein Englisch, kein Spanisch und sowieso kein Deutsch. Bis auf eine Frau, die wohl irgendwas verstanden hat und zu uns sagte, dass wir nur dort die Straße hinunter müssen und dann wären wir da.

Auf zur Unterkunft

Eine Stunde später waren wir in der Nähe der Unterkunft. Diesmal lief das Handy mit, damit wir den Ausstieg nicht verpassen. Ja, wir sind lernfähig. Hungrig bis unter beide Arme waren wir eine Stunde zu früh angekommen. Woher bekommen wir nun etwas zu essen? Oder wenigstens etwas zu trinken? Also ein paar Meter im Kreis gegangen und ein Geschäft gefunden, welches scheinbar ein echter Delikatessen-Händler ist. Für zwei Flaschen Fruchtsaft á 250ml haben wir stolze €10,00 bezahlt. Wow, haben wir diesen Saft genossen.

Die Stunde verging recht zügig und wir gingen zum Eingang zurück. Gott sei Dank gab es einen Hauswärter, der am Eingang sitzt und jeden Besucher empfängt. Er konnte dann unseren Host anrufen, der uns dann kurz darauf abgeholt hat. Ab in die 12. Etage und eine kurze Einweisung in die Wohnung erhalten, wollten wir uns erstmal etwas Wasser und eine lokale SIM Karte kaufen. Pedro, unser Host, hat uns dabei begleitet und alle notwendigen Übersetzungen gemacht. Der Rest vom Abend verlief unspektakulär. Wir haben sogar etwas Essbares gefunden und mussten nicht hungern.

Eine Tradition?

Was machen wir im Ausland als erstes in einer neuen Stadt? Richtig, die Shopping-Center besuchen. Frag nicht warum, es hat sich so eingebürgert. Wird dies unsere Tradition werden? Neben den Kirchen und alten Gemäuern, die wir uns gerne anschauen? Da wir das Busfahren jetzt verstanden haben, ging es also mit dem Bus in einen der beiden großen Shopping-Center der Stadt. Es ist alles ziemlich ähnlich zu Paraguay. Teilweise einfach nur etwas moderner. Aber was den Aufbau, die Geschäfte, die Fress-Meilen und die Kinderbespaßung betrifft, so ist es sehr ähnlich. Und auch die Preise sind durchaus vergleichbar.

Hier ist übrigens die totale Weihnachtsstimmung ausgebrochen. Zumindest im Shopping Recife. Es läuft Weihnachtsmusik und es ist festlich dekoriert, mit Tannenbäumen und Kugeln als Baumschmuck. Heimat, ich vermisse Dich nicht.

Eine Überraschung am Strand

Wenn wir schon in einer Küstenstadt wohnen, dann darf natürlich der Strandbesuch auch nicht fehlen. Also auf, die Füße in die Hand genommen und zum Strand gegangen. Die Straßen sind ähnlich wie in Encarnación, als überwiegend gut. Dennoch sollte man aufpassen wohin man tritt, denn ganz so sauber ist es nicht. Hundehaufen können schon vorkommen und kleine Löcher im Fußweg sind offenbar auch normal.

Am Strand dann ein entgeisterter Blick aufs Meer. Gruselig grün ist die Brühe, und der Strand hat eine Mauer zum Wasser. Zumindest an der Stelle, wo wir zum ersten mal auf den Strand trafen. Etwas weiter südlich ist dann ein Strand, wie wir ihn als Strand kennen. Flach ins Wasser verlaufend mit viel Sand. Aber die Farbe vom Wasser wird nicht blauer. Genau wie der Geruch, der über der ganzen Stadt liegt.

Dafür sehen wir Warnschilder. Baden strengstens untersagt. Hier gibt es eine starke Strömung und Haie. Ja, die Strömung haben wir gesehen und gespürt. Die ist wirklich nicht mit der Ostsee zu vergleichen. Und auch am Mittelmeer ist deutlich weniger Strömung von den Gezeiten zu spüren. Nur die Haie, die haben wir nicht sehen können.

Ein neues Lieblingsgetränk

Kennst Du Agua de Cocos? Also Kokoswasser? Ja? So aus dem Tetra-Pack, oder? Wenn wir nun schon in einem Land leben, wo diese Pflanzen heimisch sind, dann müssen wir die Kokosnüsse wenigstens probieren. Und hey, die sind viel geiler als das, was wir in Deutschland als Kokoswasser kennenlernen durften. Fruchtig und angenehm süß im Geschmack bei nahezu klarer Färbung schmeckt so eine Kokosnuss wirklich toll. Aber bitte auch nicht jeden Tag.

Mehr Bus, mehr Abenteuer

Es gibt ja noch weitere Einkaufszentren in Recife. Wie wollten also auch diese anschauen. Wo der Bus dorthin abfährt, war einfach herauszufinden. Denn Google Maps weiß hier tatsächlich, welche Buslinie wohin fährt. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Paraguay. Was aber ein Nachteil ist, Google Maps weiß nicht alles. Wir haben also einen Bus gefunden mit dem wir fahren wollten. Linie 70 fährt direkt zum Shopping RioMar. Da kommt schon ein Bus. Vorne dran steht auch RioMar. Also rein dort. Niemand weiß genau, wann der nächste Bus kommt. Auch Google nicht. Leider waren wir in der Linie 62, die nur knapp am RioMar vorbei fährt. Ungefähr 3km später wurde uns dann klar, dass diese Linie erst sehr viel später wieder zurück fahren wird.

„Taxi!“, habe ich zu Sanny gesagt, als der Bus dann angehalten hat, um einen Rollstuhlfahrer hinaus zu lassen. Ein hydraulischer Lift ist in jedem Bus vorhanden, um Kinderwägen und Rollstühle in den Bus zu bekommen. Wobei Kleinkinder hier eher getragen werden, als gefahren. Der Rollstuhlfahrer hat den Bus verlassen und dann versagte die Technik. Immer mehr Fahrgäste sind aufgestanden und wollten den Bus wechseln. Bis der Fahrer das bemerkt hat, verging eine Zeit. Wir waren endlich draußen und haben uns einen Überblick über die Situation verschafft. 14 Fahrspuren galt es zu überqueren. Und einen kleinen Kanal. Ach, der ist auch ein Grund für die schlechte Luft. In diesen Kanälen kriecht eine Brühe; ganz langsam und mit einer klasse Konsistenz, wenn man einen Eintopf kochen möchte.

Dreimal nachgefragt, ob wir ankommen?

Ein Taxi haben wir gefunden. Die Türe wurde uns aufgehalten. Und die Fahrzeuge sind modern und sauber. Das ist beeindruckend, wenn wir es mit Paraguay vergleichen. Dem Taxifahrer konnten wir dann irgendwie klarmachen, dass wir ins RioMar möchten. Nur haben wir es anders ausgesprochen, als er es erwartet hat. Also hat er drei mal nachgefragt. Der Taxameter läuft sofort beim anfahren schon. Also brauchen wir keine Angst vor beschiss haben. Keine 10 Minuten später sind wir dort und werden direkt vor dem Eingang heraus gelassen. Wir gehen durch die unterste Ebene und stellen nüchtern fest, dass es hier wohl nur Arztpraxen gibt.

Groß, größer, RioMar

Im inneren des Einkaufszentrums erwartet uns ein 20 Meter hoher Weihnachtsbaum, den Kinder als Kletterburg benutzen dürfen. Dazu ein paar Weihnachtselfen und der Weihnachtsmann. Selbstverständlich, dass dieses Angebot genutzt wurde. Von den fünf Kindern, die wir im ganzen Einkaufszentrum an diesem Tag gesehen haben, waren alle fünf auch dort.

Apropos fünf, genau so viele Etagen gibt es hier zum Shoppen und Essen. Verglichen mit dem Shopping Recife ist es vom Gebäude her größer. Und zwar fast doppelt so groß. Betrachtet man aber den Charme der Geschäfte, dann ist unser Favorit eindeutig das Shopping Recife. Und das obwohl es im RioMar deutlich mehr à-la-carte Restaurants gibt. Aber für uns ist das Essen dann doch nicht alles. Strand ist mindestens genau so toll. Und die Berge werden wir hier in Latein-Amerika auch noch zu sehen bekommen. Wo? Erfahre es als erstes auf Instagram oder Facebook. Lass uns dort einen Like bzw. ein Abo da und Du siehst jedes Update, wo wir gerade sind und was wir gerade machen.

KW2018-47 – Eine Seefahrt, die ist Lustig

Endlich ist es soweit. Wir haben den 19. November, es ist ungefähr 10 Uhr am Morgen und wir sitzen mit zwei (neu) befreundeten Nomaden in einem Taxi, um von der Unterkunft zum Cruise-Terminal in Barcelona zu fahren. Wie lange haben wir uns darauf gefreut, endlich einmal auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen. Und dann noch eine Transatlantikfahrt mit Äquatorquerung. Es gibt Spirituosen, die bekommen ein besonderes Prädikat, wenn sie den Äquator überqueren. Haben wir das jetzt auch verdient? Ja, mit dem Flugzeug haben wir das ja schon gemacht. Jetzt auch mit dem Schiff. Fehlt also noch zu Fuß oder mit dem Auto. Ha, das muss ich gleich noch auf die Bucket-List schreiben.

Nachdem wir also aus dem Taxi ausgestiegen sind, mussten wir uns ein wenig orientieren. Ein Cruise-Terminal ist halt doch etwas anderes, als ein Flughafen-Terminal. Den Eingang zum Boarding haben wir dann doch recht einfach gefunden. Es war dort, wo weniger Menschen gewartet haben. Die längere Menschenreihe hat nämlich darauf gewartet, dass sie ihr Gepäck abgeben durften. Und so waren nur ca. 150 Personen vor uns und haben darauf gewartet, dass das Handgepäck, wie am Flughafen, durchleuchtet wird.

Einchecken, nicht wie am Flughafen

Als nächstes haben wir einen Fragebogen bekommen, auf dem wir unsere persönlichen Daten nochmals erfassen durften. Dazu dann noch zwei Single-Opt-In Fragen, bei denen um die Erlaubnis für Werbe-Mails und die Datenverwendung zu Analysezwecken gefragt wurde. Diese haben wir dann komplett durchgestrichen, denn so ein kleines Kreuzchen kann ja noch jeder dazu mogeln. Weiter geht’s. Der eigentliche Check-In stand bevor und wir sind dort hin, wo alle anderen auch waren. Zu unserer Überraschung wurden wir nach der Nennung unserer Kabinennummer zu einem anderen Check-In Schalter begleitet und uns wurde mitgeteilt, dass wir Priority Boarding hätten. Was so eine Buchung einer Junior-Suite doch so alles mit sich bringen kann.

Zusätzlich zum Priority Boarding gab es noch gratis WI-FI an Board und eine Lounge, in welcher wir nahezu rund um die Uhr Getränke und Snacks bekommen konnten. Du kannst Dir vorstellen, was das am Ende der Cruise bedeuten kann, oder? Richtig! Plus 30kg Lebendmasse, mindestens.

 

VIP Travellers

Wir haben also direkt vom Priority-Boarding gebrauch gemacht und waren so ziemlich die ersten Menschen an Board, neben dem Schiffspersonal. Kaum an Board hat man uns dann vom Deck 4 auf Deck 11 geschickt, denn die Kabinen waren erst um 16:00 Uhr bereit für uns. Selbstverständlich haben wir die Treppen genommen – nahezu die komplette Cruise über. Oben angekommen, haben wir die Bar gefunden und einen Softdrink genommen, denn das normale Wasser war sehr stark gechlort, was für Sanny natürlich eine Herausforderung ist – auch beim Duschen, dazu aber später noch mehr. In unserer Villa hatten wir leider kein Frühstück mehr, dieses ist uns am Vortag ausgegangen und wir wollten nicht extra noch für eine Mahlzeit etwas einkaufen gehen. Wir waren also entsprechend hungrig an Board gegangen. Dass das nicht immer eine gute Idee ist, liegt nahe. Besonders dann, wenn uns dann ein Selbstbedienungsgrill vorgesetzt wird, an dem wir uns nach Lust und Laune bedienen können. Also hieß es Futter fassen und geniessen. 

Geniessen? Naja, geht so. Burger, Pommes, Hot Dogs und jede Menge frischer Salate fällt nicht unter die Kategorie Genuss, aber es langt zum satt werden. Schon am Boarding-Tag konnten wir ziemlich viele spannende Gespräche führen und entsprechend auch interessante Nomads kennenlernen. Einige davon sind schon seit Jahren ohne festen Wohnsitz unterwegs, andere fangen mit dieser Cruise damit an. Wir sind also irgendwo mitten drin. Nachdem alle 1500 Passagiere an Board waren, ging es dann gegen 18:00 Uhr endlich los in Richtung Alicante. Nachdem wir unsere Rucksäcke ausgepackt und uns in unserer Kabine eingerichtet haben, ging es auch schon zum ersten Dinner der Cruise. 

Essen mit Ansage

Punkt 19:15 Uhr wird per Durchsage darauf aufmerksam gemacht, dass doch bitte jeder seinen Tisch aufsuchen solle. Die Tische waren nämlich, wie Du oben sehen kannst, bereits zugewiesen. Feste Sitzordnung für Nomads? Geht das überhaupt? Wir sind rechtzeitig im Restaurant angekommen und sind an „unseren“ Tisch begleitet worden. Dort saßen schon 5 weitere deutsch sprechende Kreuzfahrer. Ein weiterer sollte noch dazu kommen. Es wurde Chlor-Wasser serviert und wir durften aus drei verschiedenen Weinen, Softdrinks oder Bier auswählen, was wir trinken wollten. Danach wurde die Bestellung für das 3-Gänge-Menü aufgenommen. „So soll das jetzt jeden Abend sein?“ schoß es mir durch den Kopf. Abwarten!

Fertig gegessen ging es für uns dann in die Disco, denn dort war die Eröffnungsveranstaltung für unsere Nomad-Cruise. Die Disco kannten wir schon, denn dort wurden wir mit Namensschildern, T-Shirt und Goodie-Bag versorgt. Eine kleine Ansprache, die Regeln der Nomads erklärt und weiter ging es in Richtung Pool-Bar. Zumindest für die meisten anderen. Wir gingen ins Bett, denn der Schlaf in der Villa war nicht so erholsam.

Eine Nacht später sind wir natürlich viel zu früh wach geworden und haben uns dann in den Wave-Club begeben und dort ein feudales Frühstück zu uns genommen. Instant-Kaffee mit Omelette und Bacon, dazu etwas Müsli und ein paar Früchte. Als es dann ein wenig gerumpelt hat, kam die Durchsage, dass wir im Hafen von Alicante festgemacht haben und wir uns auf den Landgang vorbereiten durften. Wir haben Dir ein paar Impressionen von Alicante mitgebracht, so dass Du selbst entscheiden kannst, ob Du da einmal hinmöchtest, oder nicht.

 

Alicante/Spanien

Um 13:00 Uhr sollte es eine große Landestypische Paella für alle Nomads geben. Immerhin waren wir 493 Nomads, so dass es wirklich eine riesige Pfanne gewesen sein muss. Wer meine Vorliebe für Fisch kennt, der weiß, dass ich die Paella nicht gekostet habe, Sanny sagte jedoch, dass sie ganz gut war. Der Landtag ging insgesamt sehr schnell vorrüber und es war Zack schon 19:15 und wir wurden gebeten ins Restaurant zum Dinner zu erscheinen. Nomads wie wir sind, sind wir dann einfach an neue Tische gegangen, damit wir neue Nomads kennenlernen können. Denn dies ist einer der Gründe, weshalb wir dort waren. Vernetzen und Workshops beiwohnen. Die Mitarbeiter vom Restaurant haben das zwar erst nicht verstanden, sind dann aber recht schnell damit klar gekommen.

Wir setzen Segel in Richtung Teneriffa, wo wir an Tag 5 erst ankommen sollen. Uns standen also 2 Seetage mit reichlich Programm bevor. Nach einem Besuch der Pool-Bar sind wir dann ins Bett und haben einigermaßen gut geschlafen. Ohne Wecker aufstehen klappt immer besser, so dass wir am Morgen ganz entspannt in den Wave-Club zum Frühstück gegangen sind. Instant-Kaffee, Rührei mit Bacon, etwas Müsli und ein paar Früchte (hast Du grad ein Deja-Vu?) wurden vernascht und wir haben bereits jetzt anregende Unterhaltungen geführt. Ja, ich werde jetzt mit diesem Frühstücksprozedere aufhören, denn es zog sich durch die ganzen 13 Tage. Stopp, Sanny hat später noch leckere Bananen-Pancakes entdeckt. Welch eine Abwechslung.

So standen also Key-Note-Speeches am Morgen, ein Mittagessen am Buffet und kleinere Workshops am Nachmittag auf dem Programm. So ging es fast jeden Tag. Außer wir waren in einem Hafen, denn dann haben wir versucht an Land zu essen. 

Teneriffa/Spanien

In Santa Cruz de Tenerife haben wir uns dann eine Apotheke gesucht, denn es gab einen akuten Anfall von Klimaanlagen Husten. Wir waren nicht die einzigen, die davon betroffen waren, so dass wir auch in der Apotheke nicht die einzigen Nomads waren. Noch ein wenig Sight-Seeing und wieder zurück zum Schiff. Wir brauchten Erholung und die Medikamente sollten wirken können. Mit dem gewohnten Programm (19:15 Dinner, Pool-Bar, Schlafen, Frühstück, etc.) setzten wir die Segel in Richtung Kapverdische Inseln, wo wir an Tag 8 festmachen sollten. Bis zu diesem Tag hat sich an der Lebensmittelqualität und der Menüauswahl beim Dinner auch nichts geändert. Es gab immer viel (zu viel) zu essen, ausreichend Alkohol und vor allem gab es alles mit extrem viel Zucker. Wir haben gehört, dass auf der Reise pro Tag ungefähr 800kg Zucker verbraucht werden. Bei insgesamt 3300 Personen an Board ist das echt ziemlich viel.

So viele Menschen

Die Anzahl frischer Kontakte nahm von Tag zu Tag zu, so dass wir bald schon Schwierigkeiten bekommen sollten, uns alle Geschichten zu merken. Dank der Namensschilder war dieser Punkt (Name) ja noch einfach. Selbst nach einem ausufernden Abend an der Bar, in der es jegliche Alkoholika gratis gab. Nein, keine Angst, wir haben nicht jeden Abend einen Reset gemacht. Andere hingegen schon. Hauptsächlich waren dies aber „normale“ Kreuzfahrtgäste. 

Endlich in Mindelo/Cabo Verde angekommen, haben wir die Chance zum Landgang ausgenutzt, sind zum Strand und wollten dort ein wenig Baden gehen. Wie Du im Video sehen kannst, war das gar nicht so einfach. Dafür haben wir Insta-Husbands bei der Arbeit beobachten können. Sehr lustig, wie die ganzen tollen Instagram Bilder entstehen. Da gehen die jungen Damen bis zu 30 mal denselben Weg im Sand und hüpfen ein wenig umher, damit das Foto auch möglichst natürlich aussieht. Ich hätte das ja gerne gefilmt, aber so indiskret wollte ich dann doch nicht sein.

Baden im Meer

Nach diesen lustigen Erlebnissen am Strand, dem für Sanny erholsamen Bad im Meerwasser, gingen wir also wieder zurück an Board der Sovereign und ich beschloss dem Jacuzzi einen Besuch abzustatten. Die Feststellung des Tages dabei war dann, dass es sich bei dem Wasser um nicht gechlortes Meerwasser handelt. In den Pools war das auch so. Hätten wir das nicht schon vorher wissen können? Also war ab dem Moment klar, dass der Pool für Sanny geöffnet war. Und ich wurde umgehend zum Insta-Husband befördert.

Ganz so schlimm ist es jetzt nicht geworden, aber für einen kurzen Moment hatte ich eben dieses Gefühl. 

Auf geht’s nach Brasilien

Es folgten drei weitere Tage und Nächte an Board, wobei die grundlegendste Änderung die war, dass unser Dinner-Menü in der Auswahl stark eingeschränkt worden ist. Statt vorher 6 Vorspeisen, 10 Hauptgängen und bis zu 6 Desserts gab es ab Cabo Verde nur noch 3 Vorspeisen, 4 Hauptgänge und 3 Desserts zur Auswahl. Wir wollen nicht jammern, das ist immer noch wahnsinnig viel, verglichen mit den Menschen, die wirklich nur drei Löffel Reis pro Mahlzeit bekommen. Dazu gab es ja auch noch das Abendbuffet im anderen Restaurant, so dass wirklich noch ausreichend Auswahl gegeben war. 

Außerdem wollten wir uns auf dieser Südamerika Reise ja im Minimalismus üben, warum nicht auch beim Essen. Aus diesem Grund haben wir während der Reise so richtig zugeschlagen und werden später dann eher so Essen, wie es die Einheimische Bevölkerung macht.

Minimalismus?

Ebenso minimalistisch ist auch unser Reisegepäck. Waren wir im April noch jeder mit einem großen Koffer plus Rucksack unterwegs, so haben wir dieses mal den Koffer weggelassen und sind nur noch mit dem Rucksack unterwegs. 25 Liter für mich und 40 Liter für Sanny. Darin sind alle elektronischen Geräte untergebracht, der Badezimmer-Bedarf und unsere Wäsche. Klar, wer in den Sommer fährt, der braucht keine warme Jacke und keine lange Hose mitschleppen. Aber was ist bei unserer Rückreise? Wie warm/kalt wird es dann sein? Geplant ist, dass wir im Februar nach Deutschland zurück kommen, damit ein paar Termine abgearbeitet werden können, die wir gerne wahrnehmen wollen. Februar? Da liegt meistens Schnee in Europa und die Temperaturen sind so zwischen +5°C und -15°C. Ideales Wetter für unsere kurzen Hosen und die T-Shirts. Alle übereinander!

Doch jetzt haben wir die Nomad Cruise abgesehen vom Husten ohne Seekrankheit überlebt und haben es in den 13 Tage nicht geschafft mit allen Nomds in Kontakt zu kommen, dafür waren es einfach zu viele. Und auch hier in Brasilien könnten wir, wenn wir wollten, uns auf den Weg machen und weitere Nomads kennenlernen. Nun erkunden wir Recife und freut Euch auf neue Busfahrgeschichten in der nächsten Woche.

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