KW2018-52 – Ein neues Land, ein neues Abenteuer

Es geht mal wieder in ein neues, unbekanntes Land. Was für ein Abenteuer. Aber die Woche fing ja mit Weihnachten an und nicht mit Reisen. Wir kennen Weihnachten bisher nur aus Europa und dort auch nur aus dem Großraum DACH. Es war für uns bisher ein eher besinnliches Fest mit viel Ruhe und Geborgenheit. Umso überraschter waren wir dann jetzt in Paraguay. Wir haben uns mit Freunden verabredet zum Pizza Essen. An dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Dankeschön an die beiden. Die Pizza war großartig. Und der Kaffee ist umwerfend. Falls Ihr mal in Asunción seid und gerne guten Kaffee trinkt, dann schaut unbedingt beim Café Tucán vorbei.

Nach dem leckeren Abendessen sind wir vier dann wieder nach San Jeronimo gegangen. Es ist ja nur einen Steinwurf entfernt und es wirklich so schön dort.  Die Bar hatte auch an diesem Abend geöffnet, jedoch gab es keine Speisen, sondern nur Getränke. Das war für uns auch ok so. Ich sage Euch, Weihnachten bei 30°C im Schatten, bzw. auch in der Nacht, ist schon etwas anderes als Weihnachten mit Schnee und Minustemperaturen.

Es wird laut

Dass Rituale anders sind, wenn das Land ein anderes ist, dass war uns von vorn herein klar. Wie anders es tatsächlich ist, haben wir diesen Abend erlebt. Bereits in der Bar, bzw. an der Bar wurde den ganzen Abend mit Feuerwerkskörpern gefeiert. Die ganze Familie sitzt beisammen und spät am Abend, also ganz sicher nicht vor 22:00 Uhr, gibt es dann das Abendessen. Die Knallerei wurde immer lauter, so dass wir gegen 23:00 Uhr beschlossen haben langsam wieder zu gehen. Es war ein Fußmarsch von ca. 4km, welchen wir zu absolvieren hatten. Die Straßen waren gespenstisch leer. Keine Autos, keine Taxis, nicht einmal Polizei war auf den Straßen. Alle haben gegessen und gefeiert.

Kurz vor Mitternacht waren wir in unserem Hostel angekommen und dann ging es so richtig los. Es wurden Raketen in die Luft geschossen, Böller auf dem Boden verteilt und ein jeder der noch zwei gesunde Hände hatte, hat auch geknallt. Fast wie in Europa an Silvester, oder in der Schweiz zur 1. August-Feier. Ganze zwei Stunden haben wir uns das Spektakel angeschaut. Denn an Schlafen war bei dem Lärm wirklich nicht zu denken. Und kaum dass wir im Bett lagen, ging ein Böller direkt neben unserem Fenster hoch. Die Druckwelle habe ich am ganzen Körper spüren können. Das war der Moment, wo ich wirklich froh war, dass es ein wirklich sehr robustes Fliegengitter vor den Fenstern gab. Danach haben wir beide nicht mehr viel mitbekommen. Wir müssen wohl tief und fest eingeschlafen sein.

Zum Flughafen und dann nach Peru

Ganz früh am Morgen hat unser Host uns ein Taxi zum Flughafen bestellt. Dieses war verdammt schnell an der Unterkunft. Ja, es ist entgegen der Einbahnstraße gefahren, aber das hat die Polizei auch gemacht, daher haben wir das nicht besonders komisch gefunden. Verkehrsregeln sind dazu da, um gebrochen zu werden. Weiteres findest Du auch hier in unserem Beitrag aus Woche 38. Diese Taxifahrt zum Flughafen hat jedoch alles zuvor erlebte in den Schatten gestellt. Das generelle Tempolimit in Paraguay beträgt innerorts 50 km/h. Für unseren Fahrer war das aber eher 80 km/h. Die 30er Zonen durch die wir fuhren, wurden mit unverminderter Geschwindigkeit befahren. Entsprechend schnell waren wir natürlich auch am Flughafen. Nicht zu erwähnen ist natürlich, dass auch rote Ampeln nur an ganz wenigen Kreuzungen berücksichtigt wurden. Und nur so lange, wie auch Querverkehr gefahren ist. Sobald kein anderes Auto mehr von Quer kam, hieß es wieder Vollgas.

So waren wir also drei Stunden vor dem Abflug am Flughafen und sind in die Abflughalle gegangen. Dort fiel unser erster Blick auf die Abflugliste, auf der unser Flug – natürlich – nicht stand. Am LATAM Schalter war gerade Briefing, wir sind also fix zu den ganzen Mitarbeitern gegangen und haben nachgefragt. Ja, unsere Flugtickets waren gültig und der Flug geht um 07:55 Uhr. Alles ist gut. Warum der Flug nicht angeschrieben steht, wusste auch niemand. In der VIP Lounge war der Flug dann später zu sehen. Das Boarding war in Paraguay dann anders als in Brasilien. Hier gab es nur drei Wartereihen. Eine für Priority/Disabled, eine für die Reihen 15-29 und eine für die Reihen 1-14. Aber das hat irgendwie nicht so gut funktioniert wie das System, was wir in Brasilien erleben durften.

Der Flug verging eigentlich ziemlich schnell, obwohl es auch vier Stunden waren. Und es gab sogar etwas zu essen und zu trinken, was wir bei den vergangenen beiden Inlandsflügen in Brasilien nicht hatten. Oder zumindest nur gegen Aufpreis. Interessant war dann, dass wir bereits 150km vor Lima in den Gleitflug gingen. Das war in fast 11km Höhe. Erst ungefähr 30km vor Lima, bei einer Flughöhe von 2400 Metern wurden die Motoren wieder auf 90% Leistung hochgefahren, so dass wir nicht langsamer wurden. Und dann, ich weiß gar nicht wie ich das sagen soll, waren wir plötzlich 25km am Ziel vorbei geflogen. Vielleicht waren wir noch zu hoch, oder der Wind war aus der für uns falschen Richtung. Auf jeden Fall mussten wir drehen und konnten dann erst landen.

Lima/Peru

Am Flughafen angekommen ging es im Eiltempo durch die Migraciones. Kurz die Frage, von wo wir gekommen sind und ob man unsere Bordkarten sehen könnte und schon durften wir weiter. Gut, das woher steht irgendwie im Reisepass drin, der letzte Stempel ist Paraguay und es ist nur ein einziger Flieger frisch gelandet, so dass auch die Frage nach der Flugnummer echt seltsam war. Aber so ist es wohl in Peru. Wir haben uns nach einem Heißgetränk gesehnt und auch tatsächlich eine Filiale unserer Lieblingsheißgetränkebar gefunden. Kurz nach der Bestellung, noch während wir auf die Getränke warteten, haben wir einen Deutschen Reisenden getroffen. Irgendwie hat man nie seine Ruhe vor denen, oder? Nein, das ist nur ein kleiner Scherz. Wir freuen uns immer, wenn wir andere Reisende treffen. So kommen wir doch viel schneller an die wirklich wichtigen Informationen über das Land.

Danach wollten wir dann schauen, dass wir etwas zu essen bekommen und sind in Richtung der Busse gegangen. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Taxifahrer getroffen, der uns dann gesagt hat, dass er doch viel günstiger sei um nach Miraflores zu kommen. „Dort wollt Ihr doch hin, oder?“ suggerierte er uns. Ja, dort wollten wir tatsächlich hin. Der Schnellbus fährt ungefähr eine Stunde, er braucht nur 40 Minuten und sein Preis ist genau so hoch, wie der Bus für uns beide kosten würde. Also haben wir uns für ihn entschieden. Hey, hier wird alleine am Flughafen viel mehr Englisch gesprochen als in ganz Paraguay. Das ist so klasse, weil wir im Englischen viel sicherer sind als im Spanischen.

Auf geht die wilde Fahrt

So saßen wir dann im Taxi und haben uns halb auf Englisch, halb auf Spanisch mit unserem Rennfahrer unterhalten. Mit aller Gewalt wollte er uns nun auch beweisen, dass die Peruanischen Autofahrer viel verrückter sind, als anderen auf der Welt. Aus Erfahrung können wir jedoch sagen, dass Lima und Asunción sich da wirklich nicht viel nehmen. Es wird gleich oft gehupt, gedrängelt und überhaupt die Verkehrsregeln mißachtet wie in Paraguay. Das wollte er uns nur so überhaupt nicht glauben. Immerhin konnte er uns in der versprochenen Zeit nach Miraflores bringen und hat uns dann an einem Einkaufszentrum abgesetzt, was wir so in der Bauart überhaupt noch nicht gesehen haben.

Das Larcomar ist nach oben hin offen und man kann von der Straße aus hinein schauen. Also hinab schauen trifft es eigentlich eher. Grundsätzlich ist das dann auch schon der gesamte Unterschied zu den bisher gesehenen Einkaufszentren. Und im Gegensatz zu Brasilien und Paraguay haben wir keine Kinderspaßecke gefunden. Nachdem wir etwas zu Essen gefunden haben, sind wir dann noch los und haben nach Telefonkarten Ausschau gehalten. Von unserem Taxifahrer wussten wir bereits, dass wir am besten Claro nehmen sollten. Ungefähr einen Kilometer entfernt gibt es ein Geschäft in dem wir fündig werden sollten. Und es ging ziemlich schnell. Für eine 3GB Karte, die 30 Tage gültig ist haben wir dann 30 Soles bezahlt. ungefähr 4€. Das ist ein brauchbarer Preis. Entgegen vielen Informationen, die wir vorher von Reisenden bekommen haben, waren die Karten direkt freigeschaltet. Das heißt, wir konnten sofort ein Uber rufen und uns zu unserer Unterkunft fahren lassen.

Überhaupt finde ich Uber eine ganz tolle Sache. Die Wagen müssen einen bestimmten Qualitätsstandard erfüllen, dürfen höchstens ein paar Jahre alt sein und meistens ist Uber sogar günstiger als die lokalen Taxi Unternehmen. Side-Story: In Paraguay ist Uber seit dem 20.12.2018 offiziell erlaubt. Dies wird ein Umbruch geben bei den Taxen, denn die haben dort ja einen katastrophalen Zustand.

Santiago de Surco

So heißt der Stadtteil von Lima, in dem wir dieses mal unterkommen. Es ist ein wirklich angenehmes AirBnB mit einer tollen Ausstattung. Unser Host spricht sehr gutes Englisch, lernt aktuell Französisch und selbstverständlich kann er auch Spanisch. Wir haben bereits am ersten Tag so viele tolle Tipps von ihm bekommen, dass wir gar nicht ganz sicher sind, ob wir diese alle umsetzen können. Neben all den Informationen hat er uns natürlich auch noch gesagt, wo wir besser nicht hingehen sollten. Nicht einmal am Tage. Und wenn ein Einheimischer das sagt, dann ist da wohl etwas dran. Also machen wir das besser auch nicht.

Wir sind dann am nächsten Tag einfach losgezogen, haben einige der Orte angeschaut, die uns empfohlen wurden. Und es ist wirklich hübsch hier. Uns fällt auf, dass es hier einiges sauberer ist, als in Recife oder Asunción. Die Bilder an den Wänden sind teilweise von besserer künstlerischer Qualität und erzählen manchmal sogar eine Geschichte. Insgesamt sollten wir fast 20km zu Fuß durch Surco, Barranco und Churrillos gegangen sein. Inklusive einem guten Sonnenbrand für uns beide. Wir sind aber auch jedes mal wieder so dämlich und vergessen den Sonnenschutz in diesen Breitengraden. Dabei scheint die Sonne gar nicht so krass, wie wir es aus manchen Europäischen Sommern kennen. Dennoch ist der UV-Index hier so hoch, dass man eigentlich niemals ohne Sonnenschutz aus dem Haus gehen sollte.

Graffiti und Autos

 

Dazu gibt es einen haufen lustiger Fahrzeuge mit drei Rädern. Ich weiß nicht genau wie sie hier genannt werden, aber sie haben ähnlichkeit mit Tuk Tuk’s. Reine Plastik-Bomber mit Zweitakt-Motoren. Viel Lärm um nichts, wenn die losfahren. Auf der anderen Seite gibt es dann ein recht gut ausgebautes Metrobus-Netz. Und diese Busse haben mal so richtig große Motoren. Zumindest hört es sich so an und wenn man die losfahren sieht, dann kommt es einem Formel-1 Auto gleich.

Ansonsten halt das übliche Südamerika, mit Fahrzeugen, die nur noch von der Farbe zusammen gehalten werden und andererseits so richtig gut restaurierten Oldtimern. Und es muss hier dann auch einmal eine Straßenbahn gegeben haben. Zumindest haben wir einen sehr alten Triebwagen gefunden, der scheinbar auch noch fahren könnte, wenn denn die Schienen frei wären.

 

Fisch schmeckt doch

Irgendwann kam dann der Moment, wo wir hungrig geworden sind. Da wir schon auf dem Rückweg zur Unterkunft waren, liefen wir an so vielen verschiedenen Restaurants vorbei, dass wir uns absolut nicht entscheiden konnten, was wir denn essen wollten. Vorbei an großen Markthallen, die vergleichbar mit dem Mercado 4 in Asunción sind, haben wir dann in der Altstadt von Surco eine kleinere Markthalle gefunden, in der wir etwas essen konnten. Zu meiner Überraschung gab es Ceviche. Eine Peruanische Fisch-Spezialität. Dabei wird der frische Fisch in kleine Stücke geschnitten und in einer Limetten-Würze kalt gegart. Dazu wurde dann Mais und Süßkartoffel serviert. Ich darf feststellen, dass mir das wirklich gut geschmeckt hat. Damit erweitert sich meine Fischvielfalt auf drei Gerichte. Sushi, Suribi (eine Fischart) und eben Ceviche.

Ein paar Tage später haben wir uns dann an weitere traditionelle Gerichte herangewagt. Wir können es nicht genau beschreiben was wir da gegessen haben. Teilweise hat es sogar geschmeckt. Was Street-Food angeht, wird man hier in Peru ähnlich verwöhnt wie in Paraguay auch. Es gibt überall kleine Stände mit Empanadas oder Asados. So war es klar, dass wir diese auch kosten wollten. Und was soll ich schreiben, die Empanadas de Carne, die wir probiert haben, waren in einem süsseren Teig gebacken, wie wir es aus Paraguay kannten. Und dazu kam dann noch, dass sie mit Puderzucker bestäubt waren. Das war einigermaßen verstörend für uns. Wir bleiben aber dran und werden weitere Speisen versuchen. Wobei ich liebend gerne noch mehr Ceviches probieren möchte.

Und wie geht’s weiter?

Nach dieser halben Woche in Lima können wir schon mal sagen, dass es uns deutlich besser gefällt als in Recife. Natürlich soll die Meinung zu Recife keine Meinung zu Brasilien sein. Es kann dort durchaus sehr viele spannende Orte geben, die eben so schön sind wie das, was wir hier jetzt sehen durften. Fakt ist, dass wir uns neben Paraguay eben auch Peru als mögliche dauerhafte Lösung anfreunden könnten. Um aber eine feste Meinung dazu zu bekommen, müssen wir noch mehr Reisen. Und so wird es dann auch noch Ausflüge geben, die etwas aus Lima heraus gehen. Ebenso suchen wir aktuell nach Unterkünften im Norden des Landes. Peru ist ja immerhin mehr als drei mal so groß wie Deutschland, so dass es durchaus auch mal problematisch wird etwas gutes zu finden.

KW2018-51 – Zurück in Paraguay, zu Hause?

Gestern sind wir also mit dem Flugzeug in Foz do Iguaço angekommen. Heute haben wir nach einer kurzen Nacht in einem AirBnB den Weg über den Zoll zu Fuß angetreten. Mit einem Uber sind wir von der Unterkunft bis zum Zoll gefahren und dann ging es zur Brasilianischen Migraciones, wo wir uns den Ausreisestempel geholt haben. Die Mitarbeiterin hatte wohl eigentlich ihren freien Tag, denn sie war an Motivation kaum zu überbieten. Ja, ich weiß, ich soll nicht immer so sarkastisch schreiben. Wir haben jedenfalls keinen freundlichen Kommentar von ihr erhalten, nicht einmal ein Guten Morgen konnte sie erwidern. Aber so ist das manchmal. Wir haben auch nicht jeden Tag Sonnenschein im Kopf. Nachdem wir den Ausreisestempel hatten, konnten wir über die Puente de la Amistad ganz gemütlich durch die Sonne spazieren. Mit dem Auto gefahren geht das ja immer recht zügig, aber zu Fuß zieht sie sich schon ziemlich. Endlich in Ciudad del Este angekommen sind wir direkt zur Migraciones von Paraguay gegangen. In der Erwartung, dass wir erneut Fotos von uns machen lassen müssen haben wir uns dann an erster und zweiter Stelle in die Warteschlange eingereiht. Sanny ist direkt an den Schalter gebeten worden und ich habe freundlich weiter gewartet. Ein zweiter Mitarbeiter hat mich dann warten sehen und mich zu sich gerufen. Den Reisepass auf den Scanner gelegt, eine freie Seite gesucht und Zack, waren Stempel, Unterschrift und Datumsstempel im Pass vermerkt.

Die Suche nach dem Geld

Bevor wir jetzt also mit dem Bus in Richtung Asunción fahren konnten, mussten wir ja erst mal zum Bus kommen. Das geht hier am besten mit dem Taxi oder zu Fuß. Da es ein Sonntag war, sind weniger Taxen gefahren als an anderen Tagen. Und da es ein Sonntag war, haben die Banken natürlich geschlossen. Wir sind also erst mal eine halbe Stunde gegangen, bis wir einen Geldautomaten gefunden haben, der uns dann auch Guarani geben wollte. Alle Automaten vor diesem wollten uns nur US-Dollar geben. Ein paar Millionen Guarani abgehoben und auf direktem Weg zum Taxistand, haben wir auch sofort einen Fahrer erwischt, der uns gerne zum zentralen Omnibusbahnhof fahren wollte.

Hier haben wir dann das übliche Kaufen durchgeführt. Denn mit unseren inzwischen wieder verlernten paar Brocken Spanisch war das alles andere als einfach. Hat aber dann doch geklappt und wir hatten unsere Bus-Tickets für den nächsten Bus in der Hand. Noch etwa 40 Minuten im klimatisierten Wartesaal und dann geht es los. Paraguay, wir sind wieder da. Und wir hätten niemals gedacht, dass es sich so toll anfühlen würde wieder hier her zu kommen.

6 Stunden Busfahrt

Die Abfahrt rückte näher und wir durften schon einsteigen. Dieses mal leider nicht ganz vorn, aber das macht überhaupt nichts. Diese Fernreisebusse haben Sitze, wie wir sie in unserer Wohnung nicht als Sessel hatten. Angenehm breit, fast zu einer Liege umbaubar und mit so viel Beinfreiheit, dass ich lieber Bus fahre als mit dem Flugzeug diese Strecke zu machen. Sind halt auch 6 Stunden für etwas über 300km. Dazu gab es wie gewohnt einen Film, den wir dann mehr als drei mal schauen durften. Etwas mehr Abwechslung bot da der Blick aus dem Fenster. Diese vertraute Landschaft mit der roten Erde, die Häuser, die nicht immer fertig gebaut waren und dazu die freundlichen Menschen, die uns aus der Ferne angelacht haben.

In Asunción angekommen sind wir mit dem Bus ins Micro-Centro gefahren, um Freunde zu besuchen. In den vergangenen vier Monaten haben sie hier ein Café eingerichtet und eröffnet. Zudem hatte einer von Ihnen zwei Tage zuvor Geburtstag, so dass es auf jeden Fall einen Grund gab dorthin zu gehen.

Das Hostel

Bevor es draußen nun dunkel wurde, sollten wir lieber noch zu unserer hiesigen Unterkunft gehen. Und auf dem Weg dorthin haben wir so einige Überraschungen erlebt. Es stehen unglaublich viele, für uns neue, Favelas in den Straßen. Auf einem Parkgelände haben sich dazu noch indigene Stämme versammelt und ein riesen Lager aufgeschlagen. So haben wir Dich nicht zurück gelassen, liebes Asunción. Die zwei Kilometer vom Café zum Hostel haben uns also Kraft und Nerven gekostet. Und als wir dann endlich drinnen waren, überkam uns der Gedanke: Männer-WG. Victor hat uns dann unser Zimmer gezeigt, uns bei unserem WiFi Zugang geholfen und uns den übrigen Mitbewohnern kurz vorgestellt. Und schon wurde uns ein Bier angeboten.

Da wir lieber etwas Schlaf finden wollten, sind wir noch kurz etwas Wasser einkaufen gegangen und haben uns dann ins Bett gelegt. Das Bett war neu, aber mit nur 120cm Breite doch fast etwas schmal für uns. Nun, wir kommen sicherlich zurecht damit. Was für uns aber deutlich anstrengender war, die Temperaturen. Hier sind aktuell zwischen 35 und 40 °C am Tag und in etwa 10°C weniger in der Nacht. Das ist für uns Europäer schon anstrengend, da wir nicht daran gewöhnt sind.

Wir haben also nicht so richtig viel gemacht während der letzten Woche. Ein paar Freunde getroffen, gut Essen gegangen und die Ruhe genossen.

San Jeronimo

Einen neuen Stadtteil von Asunción haben wir kennen gelernt. Also eigentlich ist er nicht neu, sondern eher alt. Es ist wohl die eigentliche Altstadt, dementsprechend gibt es schmale Gassen und tolle Häuser und natürlich auch wieder viele Graffiti. Der Weg dorthin führt an einer Kaserne vorbei, was möglicherweise auch der Grund dafür ist, dass es hier in diesem Viertel wirklich extrem ruhig ist. Wir haben keine bettelnden Kinder gesehen, dafür haben sie auf der Straße gespielt. Autos fuhren so gut wie gar keine und wenn, dann waren sie sehr langsam unterwegs. Hier und dort gibt es kleine Restaurants oder Bars. Eine davon haben wir uns ausgesucht, um noch ein Bier zu trinken und den Abend mit unseren Freunden zu geniessen.

 

Bald ist Weihnachten

Die Weihnachtstage stehen an und wir haben für Heilig Abend eine Verabredung zum Pizza essen. Denn auch unsere Freunde mit dem Café sind weit weg von ihrer Familie und so stand schnell der Plan, dass wir den Abend zusammen verbringen. Am 2. Weihnachtstag erfüllen wir uns einen Wunsch, denn für uns geht es als nächstes weiter in den Westen, wir erkunden ein weiteres Land hier in Lateinamerika. Und Euch wünschen wir ein frohes und friedliches Weihnachtsfest.

KW2018-30 – Was uns sonst noch aufgefallen ist

Was gibt es in Shoppingzentren?

Die Welt der Einkaufszentren ist eine ultimative Vergleichsmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Kontinenten, Ländern, Städten, Kulturen und Lebensweisen. Wenn einmal von einem großen schwedischen Möbelhaus abgesehen wird, dann sind Kaufhäuser alle identisch. Auch hier in Paraguay. Es gibt eine riesige Warenauslage und man kann dort kaufen. Bei besagtem Möbelhaus gibt es jedoch zusätzlich ein Restaurant und eine Kinderbetreuung. Schauen wir uns nun die Einkaufszentren an, dann wird es schon etwas differenzierter. Es gibt in Europa Einkaufszentren mit gratis Parkplätzen, welche mit Restaurants, welche mit einer Spielecke für kleine bis mittlere Kinder, welche mit Kino oder Supermarkt. Aber gibt es all diese Punkte auch in einem Einkaufszentrum? Ja! Nicht nur in einem, sondern in fast jedem. Jedenfalls hier in Paraguay. Und nicht nur das. Die Spielecke für die kleinen bis mittleren Kinder werden hier soweit ausgebaut, dass sogar die großen Kinder, also die Väter, gemeinsam mit den kleinsten spielen können, während die Frauen dem Shopping fröhnen. Wirklich alle oben stehenden Punkte vereint.
Wir verstehen aktuell nur nicht so genau, wofür es hier in Paraguay so viele, so große Einkaufszentren gibt, denn die Preise der feilgebotenen Waren sind doch eher hoch, während das durchschnittliche Einkommen tendenziell nicht so hoch ist. Dementsprechend sieht es auch in den Einkaufszentren aus. Viele sind von Montag bis Freitag nahezu leer gefegt. Selbst am Abend. Am Wochenende hingegen findest Du in den Restaurant-Etagen, ja eine ganze Etage nur mit Restaurants, kaum mehr einen Sitzplatz und die vollbesetzte Kinderlokomotive fährt mitten durch. An Unterhaltungswert sind die Shoppingzentren in Paraguay kaum mehr zu überbieten und so manches europäische könnte von den hier gebotenen Dingen wirklich profitieren, sofern es diese selbst anbietet.

Was ist denn in der Spielecke?

Naja, Spielecke ist vielleicht untertrieben. Es sind mehrere Dutzend Quadratmeter bis hin zu einer halben Etage die dafür eingeplant sind. Neben kindgerechten Spielautomaten, Tischfußball und Malplatz gibt es auch ferngesteuerte und selbstlenkbare Fahrzeuge für die Kids. Also solche, wo die Kinder drin oder drauf sitzen und dann selbst fahren können. Und falls das Kind noch nicht alt genug ist, dann gibt es zu den Fahrzeugen noch eine Funkfernbedienung, so dass der Papa mit dem Kind spazieren fahren kann. Neben den einfachen Autos für ein Kind sind auch Konstruktionen für zwei große Kinder oder sogar Erwachsene mit dabei. Transformer-Fahrzeuge oder seltsam anmutende Fahrzeuge, die aus einem Hollywood Film stammen könnten.

Die Wasserfälle in Paraguay

Ja, nicht nur Paraguay, sondern auch die angrenzenden Länder. Im speziellen rund um Ciudad del Este. Wenn Du eine Tour durch diese Gegend machen möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt erst die Salto Monday und einige weitere kleinere anzuschauen, bevor Du Dich auf die Iguazu Falls stürzt, denn nach denen sieht alles andere wirklich langweilig aus. Wir haben nämlich tatsächlich erst die größten Wasserfälle der Welt angeschaut und sind erst danach zu dem Wasserfall in Paraguay gegangen. Der ist wirklich winzig im Vergleich. Wichtig: Wenn Du den Salto Monday auch von unten sehen möchtest, dann musst Du beim Eingang direkt ein Ticket für den Aufzug mit kaufen. Denn zu Fuß kommt man nicht hinab und ohne Ticket wird man nicht gefahren, denn der Aufzug ist bedient.
Und grundsätzlich musst Du darauf achten, wie die aktuelle Feriensituation hier aussieht, denn wenn Ferien sind, sind die Einheimischen natürlich auch unterwegs zu diesen Orten und dann wird es schnell sehr voll. Der beste Zeitpunkt für die Iguazu-Falls ist angeblich im Januar bis März, also im Hoch- bis Spätsommer. Wenn Du dann hier bist, vergiss nicht die ND-Filter einzupacken. Ein guter Pol-Filter könnte Dir auch noch helfen die gewünschten Bilder noch besser hinzubekommen.

Die Geschichte mit der Hupe

So oft habe ich schon davon erzählt, dass ich zu der Autohupe noch etwas schreiben möchte. Generell gelten hier in Paraguay sehr ähnliche Verkehrsregeln wie in Westeuropa. Für Dich sind also sehr wenige neue Dinge zu beachten. Eine der wichtigeren Anpassungen für Deutsche Autofaher: auf den Schnellstraßen (Rutas) besteht Lichtpflicht, die auch sehr streng kontrolliert wird. In den Städten muss hingegen nicht mit Licht gefahren werden. Und wenn ich schreibe, es muss nicht mit Licht gefahren werden, dann meine ich es auch genau so. Es muss nie mit Licht gefahren werden. Also auch nicht in der Nacht. Immerhin fahren die meisten in der Nacht mit Licht, aber sei darauf gefasst, dass Dir ein Auto ohne eingeschaltetes Licht begegnen wird. Solange der Fahrer noch ausreichend sieht, wird er sein Licht nicht nutzen. Denn gesehen werden scheint nicht so wichtig zu sein.
Sehr viel wichtiger als das Licht ist hier nämlich die Hupe. Schauen wir uns erst einmal an, wie die Situation mit der Hupe in den Ländern aussieht, in denen wir bisher gelebt haben:

§16 StVO

(1) Schall- und Leuchtzeichen darf nur geben,
1. wer außerhalb geschlossener Ortschaften überholt (§ 5 Absatz 5) oder
2. wer sich oder Andere gefährdet sieht.

ART. 29 VRV

1) Der Fahrzeugführer hat sich so zu verhalten, dass akustische Warnsignale oder Lichtsignale möglichst nicht notwendig sind. Er darf solche Signale nur geben, wo die Sicherheit des Verkehrs es erfordert; dies gilt auch für Gefahrenlichter.
2) Der Fahrzeugführer hat akustische Warnsignale zu geben, wenn Kinder im Bereich der Strasse nicht auf den Verkehr achten und vor unübersichtlichen, engen Kurven ausserorts.

In beiden Ländern wird relativ streng darauf geachtet, dass oben stehende Regeln auch eingehalten werden. Dennoch kommt es vereinzelt vor, dass ein Autofahrer sich nicht an diese Regeln hält und dafür auch nicht bestraft wird.
Hier in Paraguay ist es etwas augenscheinlich anders. Gehupt wird, wenn es in das aktuelle Gemütsprofil des Fahrers passt. Also zum Beispiel wenn vor dem Auto noch fünf bis zwanzig weitere Autos stehen, obwohl aus Sicht des hupenden Fahrers die Straße frei ist. Gehupt wird auch, wenn der männliche Fahrer am Straßenrand ein „Objekt der Begierde“, in der Regel eine attraktive Frau, sieht und er deren Aufmerksamkeit erhaschen möchte. Dies wird sogar unabhängig davon gemacht, ob die eigene Ehefrau, oder gar die ganze Familie mit im Auto sitzt. Und je knapper die Bekleidung, je jünger die Frau, desto häufiger und intensiver wird die Hupe verwendet, egal wie alt der Fahrer ist. Selbst 70-zig jährige Fahrer hupen einer Schülerin im Minirock mit bauchfreiem Shirt hinterher.
Fußgängerüberwege oder im Volksmund auch Zebrastreifen genannt haben in den meisten, wenn nicht gar in allen, europäischen Ländern für den Fahrzeuglenker die Verpflichtung, dass er an einem solchen das Fahrzeug zum Stillstand bringen muss, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren möchte. Hier gibt es auch Zebrastreifen. Und die Geschichte könnte hier auch schon zu Ende sein. Gemäß Gesetzgebung sind auch hier die Autofahrer verpflichtet, stehen zu bleiben und den Fußgängern Vorrang zu gewähren. Für Asunción gibt es gar eine Strafe für Fußgänger, wenn diese die Straße nicht an einem Zebrastreifen überqueren. Fakt ist jedoch, dass wir in den vergangenen drei Monaten nur höchstens zehn mal von einem Autofahrer den Vortritt gewährt bekamen. Also Augen auf beim Überqueren der Straße.
Aber kommen wir noch einmal auf die Hupe der Autofahrer zurück. Jetzt aber der berufsmässigen Autofahrer, also Taxifahrer und Busfahrer. Hier gibt es einige weitere Möglichkeiten des Einsatzes der Hupe, mal abgesehen von denen der attraktiven Mädchen und Frauen sowie „es ist doch gar nichts los hier“ Huperei. Wenn so ein Busfahrer seine vorgeschriebene Route fährt und an jeder Gießkanne anhält, weil jemand aussteigen möchte oder durch einen Wink angezeigt bekommt, weil einer einsteigen möchte. So kann es sein, dass sich Personen am Fahrbahnrand befinden, welche ja durchaus potentielle Fahrgäste sein könnten. Die werden angehupt, ganz nach dem Motto: „Willst mit?“ Wenn aber zu viele Personen am Fahrbahnrand stehen und sich bewegen, dann wird auch gehupt, weil man einfach sagen möchte: „Hier komme ich, mach Platz!“ Nicht vorhandene Fahrpläne (zumindest scheint es für uns so) müssen ja auch eingehalten werden, also werden auch die langsamer fahrenden Kollegen überholt, und zum wieder Einscheren, wird gehupt, damit der Kollege Bescheid weiß. Oder aber der Busfahrer ist beim Anhalten, um Fahrgäste einzusammeln, zu dicht auf den Vordermann aufgefahren, dann wird gehupt, weil man wieder los möchte, es gilt ja den Fahrplan einzuhalten.
Und was ist mit den Taxifahrern? – Die haben ja extrem wichtige „Ware“ an Board. Sie hupen gefühlt noch öfter als die Busfahrer, denn der Fahrgast muss schnell zu seinem Ziel. Es geht im Stau nicht vorwärts, also wird gehupt. Es stehen 2 Kollegen im Weg und man könnte evtl. noch dazwischen durch passen, also ab auf die Hupe. Da gehen Ausländer am Fahrbahnrand lang, potentielle Kunden, also hupen. Aber natürlich immer dann, wenn wir beschlossen haben, zu Fuß zu gehen. Du siehst, lieber Leser, Möglichkeiten zum Hupen gibt es mehr als genug.

KW2018-29 – Die Stadt im Osten

Wir sind in Ciudad del Este angekommen. Die Fahrt war zwar nicht besonders spektakulär, fing aber mit einem großen Streit an. Gestritten haben nicht wir, sondern die Fahrkartenverkäufer. Wer von denen darf uns nun sein Ticket verkaufen? Wer hat uns zuerst gesehen? Ob wir überhaupt mit dem Bus fahren möchten, der uns angeboten wird, werden wir nicht gefragt. Und es wird auch nicht über Preise gesprochen. Es wird nur darüber gestritten, wer uns die Tickets verkaufen darf. So geht das hier in Paraguay. Am Ende haben wir uns dann für einen Bus entschieden, der direkt abfahren sollte. Unsere Koffer waren schon weg, noch bevor wir die Reise überhaupt bezahlt hatten. Jetzt mussten wir zwangsläufig mit diesem Bus fahren oder unser Gepäck kommt ohne uns an.

In den Bus eingestiegen, überkam uns bald das pure Grauen. Er war schon sehr voll, und wir haben die Premiumplätze, direkt am WC bekommen. Kaum, dass wir saßen, ging die Reise auch schon los. Mit Vollgas die ersten 500 Meter gefahren und schon der erste Stopp, um noch weitere Fahrgäste aufzunehmen. Es hat sogar Abschnitte gegeben, da konnten wir wahnsinnige 20km am Stück fahren. Aber die Regel war eher, dass alle paar km angehalten wurde. Immer wieder sind Menschen ausgestiegen, immer wieder welche zugestiegen. Teilweise musste im Gang ein zusätzlicher Stehplatz geschaffen werden, damit noch weitere Fahrgäste mit konnten. Ich kann nur hoffen, dass das nicht immer so ist. Glauben mag ich es aber nicht.

Hotel Austria

Mit dem Taxi ging es dann zum Hotel, dies haben wir ja letzte Woche schon angekündigt. Und wie es der Name vermuten lässt, es ist ein Hotel, welches doch sehr an Hotels in Österreich erinnert. Die Einrichtung ist sehr rustikal, genau so auch der Empfang. Im harschen Deutsch wurden wir begrüsst, nachdem festgestellt wurde, dass wir aus Deutschland kommen. Ein wenig mehr Freundlichkeit hätte ich mir schon gewünscht. Man kann scheinbar nicht alles gleichzeitig haben. Der Familie vor uns erging es aber nicht wesentlich besser. Ihr großer Vorteil war, dass sie direkt als erstes gefragt haben, wie sie am besten zu den Wasserfällen kommen könnten. Es wurde direkt eine Taxiempfehlung ausgesprochen, jedoch ohne über den Preis zu sprechen. 

Wir haben also schnell eingecheckt, unser Gepäck auf das kleine Zimmer gebracht und sind dann in Richtung Touristeninformation gegangen. Dort sind wir sehr gut beraten worden, was die örtlichen Sehenswürdigkeiten angeht und wie wir dorthin kommen könnten. Mit Händen und Füßen, ein paar Brocken Spanisch, minimalen Wortfetzen Englisch und sehr viel Phantasie hatten wir nun einen Plan für die nächsten Tage.

Das Mega-Kraftwerk

Unser erster Besuch soll also dem Itaipu-Staudamm gelten. Als dieser und das zugehörende Kraftwerk, gebaut wurden, war es das größte Kraftwerk der Welt. Der Staudamm hat eine Kronenlänge von über 7.5km und ist bis zu 196m hoch. Die Generatoren können technisch bis zu 14.000 MW Energie erzeugen, wobei regelmäßig nur 10.800 MW mit einer Wassermenge von 10.500m³/s erzeugt werden. Das entspricht einer ungefähren Jahresleistung von 95TWh. So viel zu den technischen Details dieses imposanten Bauwerks, nun zu unserem Besuch.

Wir sind, wie von der Touristeninformation empfohlen, zu dem Ort gegangen, der uns als Abfahrtsort genannt wurde. Dort haben wir dann auf den Bus in Richtung Hernandarias gewartet. Nach ca. 15 Minuten ist eine sehr freundliche Paraguayo über die stark befahrene Straße zu uns gekommen und hat uns gefragt, ob wir Hilfe benötigen würden, ob wir zum Itaipu fahren möchten. Dies haben wir dann bejaht und uns wurde gezeigt, wo der Bus wirklich fährt. So ganz falsch standen wir nicht. Die lokalen Busse fahren in der Parallelstraße zu der, wo wir standen. Sie hat dann sogleich einen anderen Paraguayo gefunden, der uns beim Bus behilflich sein wollte. Da wir ja wussten, welches Unternehmen in diese Richtung fährt, haben wir bei jedem Bus dieses Unternehmens geschaut und auf den Bus gezeigt. Jedes mal war die Anwort „Nein, der ist es nicht.“ Aber er musste es sein. Nach ungefähr einer Stunde hatten wir dann die Nase wirklich voll, denn es ist bereits der vierte Bus an uns vorbei gefahren und der freundliche Paraguayo sagte jedes mal, dass dies nicht der richtige Bus wäre. Wir sind dann einfach in den nächsten Bus dieses Unternehmens, mit dem Ziel Hernandarias eingestiegen „worden“. „Worden“ deshalb, weil diese Buslinie mit einem zusätzlichen Mitarbeiter besetzt sind, der so laut das Ziel ausruft, das man kaum eine Chance hat den Bus wirklich zu verpassen.

Im Bus drin, waren wir zuerst verwundert, denn wir mussten kein Beförderungsentgelt bezahlen. Erst, als wir fast am Staudamm waren, stand der zweite Mitarbeiter neben mir und hat die Hand aufgehalten. Günstig wie gewohnt sind wir für 3.500Gs pro Person an unserem Ziel ausgestiegen. So, und nun? Wie geht es weiter? Die Karten-App hat uns da auch nicht weiter gebracht. Gott sei Dank sind hier aber überall so viele freundliche Menschen, die einem so gerne behilflich sind, dass es fast schon anstrengend ist, sie abzuwimmeln. Uns wurde gezeigt, in welche Richtung wir zu gehen haben. Die Karten-App sagte uns, dass der Weg noch ca. 6km lang sein wird. Auf meine Nachfrage hin wurde dies bestätigt. „Puh, 6km zu Fuß? Und zurück müssen wir auch wieder! Das wird ein spannendes Abenteuer.“ Wir haben uns tief in die Augen geschaut, der paraguayischen Großfamilie hinterher geschaut, die scheinbar das gleiche Ziel hatte wie wir, und sind dieser Familie hinterher gegangen.

Nach ca. 1km standen wir vor einem großen Kontrollposten mit mehreren Schranken und zu unserer rechten war ein Informationszentrum. Dort sind wir dann hinein. Zu unserer Erleichterung fuhren ab diesem Informationszentrum dann die Busse für die Besichtigungstouren. Wir mussten also doch nicht so weit laufen wie anfangs gedacht. Die gesamte Bustour hat ca. eine Stunde gedauert und führte uns zu verschiedenen Spots, welche natürlich alle so gestaltet sind, dass alle etwas sehen konnten und zusätzlich noch Durchsagen über eine Lautsprecheranlage getätigt werden konnten.

Bei den Bussen, die dort fahren, kann man Glück haben, oder auch nicht. Es gibt nämlich Busse mit und ohne Fensterscheiben. Wir hatten eine ohne Fensterscheiben, was bei diesen Temperaturen den Vorteil hatte, dass wir nicht in der klimatisierten Zone des Busses sitzen mussten und unsere Fotos entsprechend besser gestalten konnten. Andererseits, wenn es regnet, dann haben genau diese Busse einen recht unangenehmen Nachteil. Nach der kurzen Tour beschlossen wir, dass wir zu einem anderen Zeitpunkt auch noch die technische Führung mitmachen werden. Diese führt dann unter anderem direkt in die Generatorenhalle und an andere spannende Orte des Kraftwerks.

Staudämme und Wasserfälle

Nachdem Staudamm standen dann drei ereignisreiche Tage in drei verschiedenen Ländern auf dem Programm. Unser erster Weg führte uns nach Brasilien, durch Foz do Iguaçu, zu den Cataratas do Iguaçu. Wir sind mit einem privat vermittelten Touristenführer gefahren, mussten an der Paraguayisch-Brasilianischen Grenze nicht aussteigen, um die Pässe stempeln zu lassen. Brasilien nimmt es damit scheinbar nicht so sehr genau. Die Fahrt vom Hotel bis zur Grenze (2km) hat fast eine Stunde gedauert, die weiteren 20km danach nur noch 45 Minuten. So dachten wir dann, dass wir es nach der langen Fahrt ja schon fast geschafft haben und haben unsere Eintrittskarten für das Naturschutzgebiet gekauft. Nicht ohne die obligatorische Warteschlange. Bis zum Ticket brauchten wir ca. 10 Minuten. Die Eintrittskarten haben ca. R$ 63 pro Person gekostet. Mercosur Bürger zahlen weniger und Brasilianer noch weniger. Die Warteschlange im Freien waren dann auch nochmal 10 Minuten. Und in dem Bereich, den wir nicht von außen einsehen konnten standen wir weitere 60 Minuten. Das war sehr zermürbend.

An den Bussen angekommen wurden wir an jedem Halt auf Portugiesisch und Englisch über den Halt und dessen Besonderheiten aufgeklärt. Es gibt einige separat zu bezahlende Attraktionen, die man nutzen kann, aber nicht muss. Wir haben uns dafür entschieden keine Aufpreise zu bezahlen und nur die normalen Punkte abzulaufen. So sind wir am erstbesten Punkt ausgestiegen, wo man die Wasserfälle anschauen kann. Vorher sind wir auf die Verhaltensregeln hingewiesen worden. Es dürfen keine Lebensmittel ausgepackt werden, da es wilde Tiere gibt, die keine Scheu vor dem Menschen haben. „Dann ist ja alles klar“ dachte ich mir, holte die Kamera aus dem Rucksack und habe mich für ein gutes Foto in die Hocke begeben. Dummerweise hatte ich noch eine angebrochene Rolle Kekse in einer Seitentasche vom Rucksack stecken. Hatte, denn der Nasenbär findet solche Kekse genau so lecker wie ich und hat sich sogleich daran bedient. Mit der halben verbleibenden Rolle im Gebiss rannte er in einer wahnwitzig schnellen Geschwindigkeit den Berg hinab und hat versucht keinen Kollegen zu finden, der auch etwas von seiner Beute haben wollte. Die Kekse habe ich vergessen, ich kleiner Dummkopf. Alle anderen Besucher haben daraufhin die eigenen Lebensmittel kontrolliert und, sofern nicht schon zu spät, sicher verpackt. Ja, vor diesen Nasenbären wird zurecht gewarnt. Und sie schrecken nicht davor zurück an den nackten Beinen hinauf zu klettern, um Dir das leckere Eis aus den Händen zu klauen. Komme also ja nicht auf die Idee und verteidige das Eis, oder was auch sonst Du gerade gegessen hast. Du wirst verlieren, nicht nur das Essen, möglicherweise auch die Nasenspitze.

Der Weg hatte nur eine Richtung, so sind wir dieser gefolgt. Immer wieder konnte man die beeindruckende Größe der Wasserfälle beobachten und tolle Panoramabilder schiessen. Nach ungefähr 700m standen wir dann auch in einer Menschenschlage, die scheinbar kein Ende nahm. Also, das Ende der Schlange konnten wir sehen, aber den Weg dorthin nur erahnen. Und es würde noch bestimmt zwei, wenn nicht gar drei Stunden dauern, bis wir ganz vorn angekommen wären. Das wollten wir uns nicht antun. Was haben wir hier nur falsch gemacht? Eigentlich ganz einfach. Es sind momentan Winterferien und tolles Wetter in Brasilien, Argentinien und Paraguay. Und dann sind solche touristische Orte natürlich überlaufen. Also haben wir uns, nachdem uns die ersten 700m eine Stunde beschäftigt haben, einen anderen Weg gesucht und diesen auch gefunden. Es gibt also noch weitere Orte, von denen aus die Wasserfälle sehr gut zu sehen sind. Insgesamt waren wir drei Stunden im Naturpark und haben dort mehrere km Strecke gemacht.

Die Rückreise ging erstaunlich schnell. Wir haben keine 45 Minuten benötigt, um von den Wasserfällen zurück zum Hotel zu gelangen. Für den nächsten Tag haben wir uns dann bereits um 8 Uhr morgens mit dem Fahrer verabredet. Der Verkehr ist wohl deutlich mehr auf diesem Weg.

Argentinien, und ein pissiger Grenzer

Pünktlich wie ein deutscher Soldat war unser Fahrer bereits 10 Minuten früher als verabredet im Hotel und hat schon auf uns gewartet. Auf geht es in Richtung Grenze, heute müssen die Ausweise gestempelt werden. Kurz wurde abgefragt, ob wir alles dabei haben.

  • Reisepässe, da die Argentinier wohl stärker kontrollieren
  • 1500 PA (Pesos Argentinos), da der Eintritt in Bar bezahlt werden muss, alles andere geht mit Karte
  • Ausreichend zu trinken, da es wirklich warm war

Genau so hat es unser Reiseführer gesagt. Nachdem wir alles dabei hatten, sind wir los in Richtung Migraciones Paraguay. Es war nicht viel los, so sind wir sehr schnell dran gekommen. Sandra bei einem, ich bei einem anderen Grenzer. Meiner hat wohl gehofft, ein paar Gs nebenbei zu machen und fing an, Fragen zu stellen. Warum bin ich so lange schon in Paraguay? Die 90 Tage laufen bald aus. Habe ich schon die Residencia Permanente beantragt, und, und, und. Unser Fahrer wusste ja bereits über alles von uns Bescheid und hat den Grenzer ein wenig ausgebremst, was dem so gar nicht gefallen hat. Es folgten ein paar Wortwechsel auf Spanisch/Guarani, die ich absolut nicht verfolgen konnte, ich bekam meinen Stempel in den Pass und wir durften gehen.

Kurz durch Brasilien gefahren und schon stehen wir an der Grenze zu Argentinien. Dort war eine kleine Wartezeit von ca. 30 Minuten, welche recht schnell vergangen sind. Bei der Migraciones Argentina wurden keine Fragen gestellt. Stempel in den Pass und weiter geht die Fahrt. Nach weiteren 30 Minuten sind wir auf dem Parkplatz der Cataratas del Iguazú in Puerto Iguazú und sind zur Kasse gegangen. Hier waren die Warteschlangen an der Kasse schon deutlich länger, als es Tags zuvor in Brasilien war. Bis wir endlich unser Ticket kaufen konnten, ist eine weitere Stunde vergangen.

An der Kasse haben wir dann tolle Neuigkeiten erfahren dürfen. Die Tickets kosten nicht, wie uns mitgeteilt wurde, PA750, sondern nur PA600 und konnten auch mit VISA oder Mastercard bezahlt werden. Nun gut, wir hatten Bargeld dabei und haben daher bar gezahlt. Nachdem wir unser Ticket hatten, konnten wir ohne weitere Wartezeit direkt in den Park gehen. Auch hier können verschiedene Zusatzoptionen gekauft werden, wovon wir erneut Abstand genommen haben, da das „Hauptprogramm“ bereits ungefähr 4-5 Stunden in Anspruch nehmen würde. Ganz gemütlich sind wir also im prallen Sonnenschein, ohne Sonnenschutz und Sonnenschirm in Richtung des ersten Wassers gegangen. Die Wege sind sehr gut ausgeschildert, deutlich breiter als in Brasilien und weniger stark belaufen. Nachdem wir den unteren Teil der Wasserfälle zuerst angeschaut haben, sind wir dann noch zum oberen Teil gegangen. Dieser ist meiner Meinung nach weniger Interessant, wenn man bereits unten war. Denn auf dem unteren Kurs kann man so dicht an einen Wasserfall heran gehen, dass man beinahe die Hand in das fallende Wasser halten kann.

Auch diesen Ort werden wir nochmals besuchen, um noch zwei weitere Dinge abzuhaken. Wir hatten keine Chance zum Teufelsschlund zu kommen. Die Wartezeit auf den Zug dorthin betrug mehrere Stunden und zu Fuß wären es 4km in praller Sonne gewesen. Und wir möchten unbedingt eine Attraktion mit dem Motorboot befahren. Diese kostet dann übrigens 1500PA pro Person extra und kann mit Kreditkarte bezahlt werden.

Einen leckeren Café frappé später sind wir zurück zum Auto, wo unser Fahrer schon (immer noch) auf uns gewartet hat. An der Stelle sei erwähnt, dass er die ganze Zeit über, also fast fünf Stunden, auf uns gewartet hat. Vielen Dank, auch auf diesem Weg. Wenn Du mit dem Auto gefahren bist, dann bereite Dich auf eine kleine Überraschung vor, denn als Tourist musst Du für diesen kurzen Besuch noch eine Tourismusabgabe von PA36 pro Person abgeben. Ohne diese Abgabe kommst Du gar nicht aus dem Naturschutzgebiet raus. Und sie muss bar beglichen werden. USD, R$ oder Gs gehen auch, weshalb wir pro Person 10.000Gs bezahlt haben.

Die Ausreise aus Argentinien verlief ohne weitere Probleme. Durch Brasilien sind wir diesmal nicht so schnell gekommen wie noch am Vortag. Und dann war da die Einreise nach Paraguay. Sandra war wieder einmal vor mir, um einen Stempel zu bekommen. Kurz den Pass gescannt, Zack, ein neuer Stempel. Und bei mir? Tja, ich habe das Glück gepachtet. Ich durfte noch ein neues Foto machen lassen. Das vom Flughafen war wohl nicht gut genug. Oder habe ich mich so sehr verändert? Naja, ein klein wenig Bartwuchs sollte ja nicht so viel ausmachen, oder?

Indios, Schweizer und Tres Fronteras

Der letzte der drei Abenteuertage sollte eine ganz spezielle Erfahrung für uns werden. Aber als erstes haben wir gestern den Fahrer noch gebeten, uns ein paar Chipas zum Frühstück mitzubringen. Denn hier im Hotel ist das Frühstück alles andere als befriedigend. Ein gut würde ich definitiv nicht vergeben dafür. Auch wenn wir hier in Paraguay sind, darf ein Hotelier sich bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages etwas Mühe geben. Mit den noch warmen Chipas im Kofferraum sind wir wieder einmal pünktlich abgefahren. Beinahe endlose Kilometer über Asphaltstrassen führten uns zu einer – wohl recht guten – Erdstraße in ein Urwaldgebiet hinein. Hier in diesem Urwald hat sich um 1887 herum der Schweizer Pflanzenbiologe und Buchautor Mosè Giacomo Bertoni auf einem fast 200HA großen Grund niedergelassen. Das Haus der Familie ist vollständig renoviert als ein Museum eingerichtet, in dem etliche Exponate seiner Forschungsarbeit seit weit über 100 Jahren stehen. Es steht unmittelbar am Rio Paraná mit dem Blick auf Argentinien. Wenn ich dürfte, ich würde an diesem Ort leben wollen. Es ist unglaublich schön in diesem Urwald. Da er als Naturschutzreservat deklariert ist, ist es für uns unmöglich, dort ein neues Leben zu beginnen. 

Dennoch gibt es dort aktuell 22 Familien mit mehr als 150 Mitgliedern, die dort seit Urzeiten leben. Indios haben ein paar Hütten auf diesem Land und leben, leider nicht mehr wirklich im Einklang mit der Natur dort. Überall finden wir Plastikmüll und andere Dinge, die die Moderne so mit sich bringt. Eine recht neue Grundschule wurde errichtet, damit die jungen Indios zumindest ein kleines bisschen Allgemein- und Grundbildung vom Staat bekommen. Ob diese das überhaupt wollen; ich möchte es nach dem gesehenen beinahe bezweifeln. Kurz vor der Schule ist ein kleiner Indio-Friedhof mit sehr einfachen Grabstätten. Auf diesem Friedhof ist eine starke Energie zu spüren. Und wer genau hinfühlt, spürt auch die Richtung, in die diese Energie zieht.

Wir sind noch etwas weiter in den Urwald gegangen, wo wir dann einzelne, sehr einfache Holz- oder Strohhütten vorgefunden haben. Der Clan-Chef und Medicus der Familie hat uns begrüsst. Er war auch die Hauptansprechperson für all unsere Fragen. Da er fast nur Guarani gesprochen hat, waren unsere Fragen doch sehr knapp bis gar nicht vorhanden. Dieser Mann hatte in seinem Leben viele Erfahrungen machen dürfen und dies war für jeden ersichtlich. Mit einem gewissen Argwohn hat er uns sehr genau angeschaut, bevor er uns ein kleines Lächeln entgegen bringen konnte. Wobei angeschaut schon fast etwas wenig ist. Er hat uns quasi innerhalb von wenigen Momenten komplett analysiert und dahingehend eingestuft, ob wir eine Gefahr für den Clan darstellen könnten oder nicht. Da wir keine Gefahr waren, durften wir noch weitere Familienmitglieder besuchen und uns anschauen, wie sie leben.

Nach diesen intensiven Eindrücken bei den Indios sind wir weiter gefahren zu einem Ort, der sich „Hito Tres Fornteras“ nennt. Hier treffen Rio Iguazu und Rio Paraná aufeinander und bilden gleichzeitig die Landesgrenzen von Brasilien, Argentinien und Paraguay. In jedem Land wurde eine Aussichtsplattform errichtet, von welcher aus man die beiden anderen Länder sehen kann. Sonst ist dieser Ort sehr unspektakulär und wir haben Ihn nur angefahren, weil er eh auf dem Weg lag. Hier kostet der Eintritt pro Tourist übrigens 5.000Gs. Es war nur ein kurzer Stopp, da auch das Wetter sich weiter verschlechterte. Dafür hatten wir bis anhin ja reichlich Sonne und haben in wenigen Tagen reichlich gesehen. Fakt ist, dass wir wieder kommen werden und Itaipu und die Wasserfälle noch einmal anschauen werden. Und jetzt verdauen wir erst einmal unseren ganzen Eindrücke.

KW2018-28 – Winter ist doof

Warum sind wir schon wieder krank?

Es ist Winter auf der Südhalbkugel. In Paraguay heißt das, dass es nicht mehr jeden Tag über 25°C sind. Wir haben hier durchaus Tage mit nur 6°C, die sich für uns, durch den eisigen Südwind anfühlen wie -15°C. Hier merken wir einmal mehr, wie wichtig der warme Golfstrom für Europa ist. Die extrem kalte Luft aus Argentinien sorgt dafür, dass wir wieder mal krank im Bett liegen. Denn wir haben nicht dir richtige Bekleidung für dieses Wetter mitgenommen. Daher für jeden, der über den Winter in Südamerika sein möchte, der Tipp: nehmt Eure Winterbekleidung aus Europa mit. Auch wenn das eventuell heißt, dass Ihr einen zusätzlichen Koffer mitnehmen müsst; es lohnt sich, der eigenen Gesundheit zu Liebe.

In unserer zweiten Unterkunft, direkt in Asunción, waren wir sehr verwundert, als die Eigentümer bei 15°C bereits im Haus mit einer Jacke saßen. Dort hatten wir noch keinen Südwind, er hätte aber jederzeit kommen können. Und er ist gekommen. In unserer jetzigen Unterkunft ist es noch einmal extremer, weshalb ich auf die Unterkunft in Asunción nicht weiter eingehe. Hier in Encarnación leben wir, wir schon einmal erwähnt, direkt am Fluss, also ohne andere Häuser auf der Südseite. Und der kalte Wind pfeift nur so durch das Gemäuer.

Dieses Haus ist, wie die meisten Häuser in Paraguay, nur mit einer einfachen Mauer gebaut. Keine Doppelmauer mit Luftkammer, keine Plastikverpackung (Wärmedämmung) vor der Betonschale, keine Glas- oder Steinwolle oder Dampfsperre im Dach. Die Fenster sind einfache Glasscheiben in einer Holz- oder Metallführung, ohne Dichtgummi. Dazu sind es häufig Schiebefenster, so dass die zwei Scheiben, eine feste und eine zum schieben, mit einem Abstand von 5mm zueinander gebaut sind. Durch diesen Abstand weht der Wind ohne wirklichen Widerstand. Die Fenster schließen nach oben zum Dach mit einer Holzleiste ab, jedoch hat diese Holzleiste in diesem Haus einen Abstand von bis zu 2cm zum Dachbalken. Auch hier weht es eisig kalt hindurch.

Eine Heizung mit Radiatoren oder Heizschleifen im Boden suchten wir vergebens. Warum auch, wenn es 10 von 12 Monate im Jahr so warm ist, dass eine Klimaanlage sinnvoller ist als eine Heizung. Aus diesem Grund leben die Paraguayos damit, dass im Winter im Haus eine warme Jacke und Winterstiefel angelegt werden. Für uns ist das total neu und im ersten Moment unverständlich. Nach etwas Reflektion aber absolut nachvollziehbar. Also haben auch wir die Jacke an, manchmal auch zwei. Und statt einem dünnen Shirt dann auch mal zwei oder drei übereinander. Zwiebeltechnik funktioniert hier sehr gut. Bei den Socken in den Schuhen wird es dann schon enger, im wahrsten Sinne des Wortes.

Da unsere Zeit in Encarnación langsam zu Ende geht, wir aber noch ein paar Highlights erkunden wollten, zogen wir los, um uns ein Auto zu mieten, da der Nahverkehr hier wirklich ein Nahverkehr ist. Ich hatte es ja in der letzten Woche schon geschrieben. Es gibt in der ganzen Stadt genau eine Autovermietung, die wir dann auch aufgesucht haben. Zu unserer Freude spricht man dort sogar recht gut Englisch. Mit einem strahlenden Lächeln erzählt uns Cyndia, dass sie überhaupt keine Fahrzeuge vor Ort hat. Ein Kollege aus Asunción bringt aber heute eines, welches reserviert ist. Sie meldet sich via WhatsApp bei uns, wenn wieder ein freies Auto bei Ihnen steht. Bis heute ist dies leider nicht passiert. Also bleiben die Besuche der Jesuiten Ruinen leider aus, sofern wir nicht von der nächsten Stadt aus dort hin fahren.

Hunger!

Dann beschäftigen wir uns lieber damit, was wir oder die Paraguayos am liebsten machen, nämlich Essen. Wer geht nicht gerne Essen? Und immer wieder beobachten wir, wenn wir hier durch die Gegend gehen, dass es so kleine Straßenstände gibt. Eigentlich sieht das eher aus wie ein Vorgarten, wo ein riesiger Grill drin steht und ein paar Tische stehen und Du denkst: „Aha, ist das jetzt ein Vorgarten oder doch eines von diesen kleinen Straßenrestaurants?“ Und Du siehst dann ein kleines Schild, manchmal auch etwas größer, selbst beschrieben, was darauf hinweist, dass Du hier typisch traditionelle paraguayische Speisen bekommst. Fleischspiesse, Würstchen, Rippchen und all die anderen Dinge, die Du auf dem Grill findest. Dann hält plötzlich ein Auto an, während Du immer noch darüber denkst, ob es wirklich ein Restaurant ist oder nicht doch der Garten einer Familie, denn es sitzen schon so viele große und kleine Menschen und essen. Dann ist da noch ein Tisch frei und man denkt sich, warum er nicht auch noch benutzt wird. Aus diesem kleinen Auto steigen dann viel zu viele Menschen aus, was in Europa gar nicht zulässig wäre, hier aber niemanden stört und sie gehen ganz zielstrebig auf das Grundstück zu, setzen sich an den Tisch und wenn noch ein paar Stühle fehlen, dann werden die von den Nachbartischen genommen, sofern sie denn frei sind.

Das Essen beginnt damit, das sich viel unterhalten wird, bis einer oder zwei zu dem riesigen Grill gehen und mit dem Grillmeister sprechen. In Windeseile werden viele verschiedene Dinge vom Grill auf Teller verfrachtet und dann auf dem Tisch verteilt. Alsdann wird das Fleisch im Kreise der Familie gegessen, ja förmlich zelebriert. Dies passiert natürlich auch in regulären Restaurants, sofern der Tisch nicht von den Mitarbeitern zugewiesen wird, werden in Windeseile von den gefühlten drei Autoladungen Menschen, die zu einer Familie gehören, die Tische zusammengeschoben und andere besorgen bereits die ersten Teller mit Essen, wenn es sich denn um Selbstbedienungsrestaurants handelt. In beiden Fällen dauert das Essen gefühlt mehrere Stunden, da immer wieder etwas neues zu Essen und zu Trinken auf den Tischen Platz findet. Dies ist der ganz normale Wahnsinn hier in Paraguay, dass die Familien, durchaus auch mit Zehn bis 14 Personen, sitzen und essen.

In den großen „Patio de Comidas“ in den Einkaufszentren, ein Bereich in den Shoppingcentern mit mehreren 100 Tischen und bis zu 15 verschiedenen Restaurants, wird es ganz genau so gehandhabt. Eine Familie mit 15 Mitgliedern überfällt die Fressmeile, sucht sich einen Bereich aus, wo sie gerne sitzen möchten und verteilt sich dann auf die verschiedenen Bestellbereiche, um sich dort individuell das Essen zu bestellen. Jeder also so, wie es es gerne möchte, der eine mag lieber Empanadas, der andere lieber Pasta und der nächste hat am liebsten ein großes Milanesa. Am Ende sitzen alle gemeinsam beim Essen. Für das Trinken ist meistens einer verantwortlich und besorgt dann Flaschenweise Softdrinks oder Saft in einer großen Karaffe.

In den Restaurants, in denen man einen Tisch zugewiesen bekommst, gibt es dann auch Tische für 20 oder mehr Gäste. Und dort kann es Dir passieren, dass Du an einen Tisch platziert wirst, an dem bereits eine große Familie speist. Das ist aber weder für die Paraguayos, noch für die Bedienungen ein Problem, also lass es nicht zu Deinem Problem werden und geniesse die Situation einfach. Möglicherweise kannst Du dort schon die ersten Kontakte zu den Einheimischen knüpfen, während Ihr vielleicht gemeinsam am Dessertbuffet steht. All dies funktioniert allerdings auch sehr gut, wenn das Essen à la carte bestellt wird. Und versuche nicht es mit Deutschland zu vergleichen, denn Du wirst sicherlich nicht das gleiche Ambiente erleben. Das Zelebrieren des Abendessens, wie es hier in Paraguay stattfindet, gefällt uns persönlich sehr viel besser, als das sterile  Pärchenessen in deutschen Restaurants.

Und dann war da noch…

…diese Reiseplanung. Eigentlich sitzen wir jede Woche erneut zusammen und gucken, wie und wo es für uns weitergeht. Ich glaube, ich freue mich wahnsinnig auf ein eigenes Fahrzeug, da wir dann nicht permanent erneut schauen müssen, wo wir gerne nächtigen möchten und vor allem wie wir dort hin gelangen.

Und so schweben wir dann immer wieder zwischen Unterkunftsuche und „wie kommen wir da hin“, wie weit entfernt ist es vom Busbahnhof, benötigen wir ein Taxi oder können wir laufen und dem „Lass uns mal nach einem eigenen Fahrzeug suchen“ hin und her. Zugegeben, bei schlechtem Wetter und gutem Internetzugang ist dies eine erfreuliche Abwechslung zueinander immer wieder zwischen mobile.de oder ebay.de oder den lokalen Onlinebörsen und airbnb, den Onlinepräsenzen der Buslinien oder sogar den Flugsuchmaschinen  hin und her zu wechseln. Auf die Dauer ist dies jedoch extrem anstrengend.

Wenigstens geht es nächste Woche dann weiter in Richtung Ciudad del Este, der Stadt des Ostens. Dort haben wir ein Hotelzimmer gebucht, da die Airbnb Unterkünfte deutlich teurer waren. Also, lasst Euch überraschen, was wir nächste Woche anschauen werden und Euch berichten wir natürlich darüber.

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