KW2018-50 – Wird Brasilien unser Favorit?

Die erste Woche Brasilien war wirklich nicht sonderlich spannend für uns. Wir waren tatsächlich nur in Shopping-Centren und in der Unterkunft. Während ich also meinen Studienvorlesungen gelauscht habe, hat Sanny weiter an ihrem Business gearbeitet. Und zwischendurch hat sie dann ein paar Sehenswürdigkeiten von Recife ausfinden können.

Überspringen wir doch die Sehenswürdigkeiten

Bereits die erste Sehenswürdigkeit, die wir gesehen haben, war die Hafenumgebung. Dies ist wohl die Altstadt von Recife, welche für unser Empfinden nicht so richtig sehenswert ist, weshalb wir auch keine Fotos geschossen haben. Während unserer Busfahrten ist uns dann eine weitere Sehenswürdigkeit aufgefallen, wie sich später herausgestellt hat. Ein kleines blaues Holzhaus, wovon wir auch keine Bilder gemacht haben. Umgeben von zahlreichen kleinen Verkaufsständen.

Was aber jedesmal ein Abenteuer war, war das Busfahren. Bereits am ersten Tag in Recife waren wir unterwegs und haben uns die für viele Länder notwendige Gelbfieberimpfung abgeholt. Hier in Brasilien ist sie in den Policlinicas für alle gratis. Also sind wir dann diese Woche, so wie uns geheißen, zum Flughafen gefahren und haben die ANVISA besucht. Hierzu haben wir einen der Busse genommen, die direkt von unserer Unterkunft aus gefahren sind. Wir haben den Bus schon an der Ampel stehen sehen, also haben wir uns beeilt zur Bushaltestelle zu kommen. Beim Einsteigen signalisierte der Fahrer uns dann, dass wir nur mit einer Buskarte mitfahren könnten. Diese hatten wir natürlich nicht. Aber es hielt direkt hinter diesem Bus ein weiterer an, dort konnten wir dann mit Barmitteln bezahlen. Nach wenigen Minuten fahrt waren wir auch schon am Flughafen und sind dank guter Ausschilderung auch schnell bei der ANVISA gelandet. 

Wir also dort hinein und zu unserer Überraschung sprach dort niemand auch nur ein Wort Englisch. So wie wir es gewohnt waren, haben wir uns also mit Händen und Füßen verständigt. In der Zwischenzeit ist dann eine Mitarbeiterin vom Flughafen gekommen, die Englisch verstanden hat. An einem bereit stehenden PC müssen wir unsere persönlichen Informationen eingeben und einen Account anlegen. Das muss jeder machen, der von der ANVISA etwas bestätigt haben möchte. Was ist mit dem Datenschutz? Und warum muss das sein? Nun, vorneweg, der Datenschutz ist hier in Lateinamerika etwas anderes, als er es in Europa ist. Und es muss sein, damit die ANVISA jederzeit eine neue Bestätigung ausstellen kann, falls wir den alten Ausweis verloren haben. So ganz schlecht finde ich das also nicht. 

Essen und Bus fahren

Nachdem wir also die wichtigen Dinge erledigt haben, sind wir noch etwas durch den Flughafen gewandert. Einfach, damit wir schon einmal wissen, wohin wir gehen müssen, sobald es für uns weitergehen soll. Und was soll ich euch sagen. So viele Fressgeschäfte wie auf diesem kleinen Provinzflughafen habe ich auf deutlich größeren Flughäfen nicht gesehen. Mich beschleicht das Gefühl, dass es in Lateinamerika wirklich nur ums Essen geht. Und um laute Musik. 

Nachdem wir etwas gegessen haben, wollten wir mit dem Bus zurück zu unserer Unterkunft fahren. Da hier die meisten Busse im Kreis fahren, oder zumindest die gleiche Strecke auch wieder zurück, sind wir an der selben Stelle wo wir ausgestiegen sind auch wieder in einen Bus der gleichen Linie eingestiegen. Der Bus hat uns, wie erhofft, auch in die richtige Richtung gebracht. Bis er auf einmal abgebogen ist und uns weit in die falsche Richtung mitgenommen hat. So haben wir zwar etwas von Recife gesehen, aber glücklich waren wir nicht. Unsere Getränke waren nämlich schon alle und dort, wo wir dann gestrandet sind, gab es keinen Kiosk oder etwas ähnliches.

Keine 5 Minuten später sollte der Bus dann wieder zurück fahren. Also sind wir wieder eingestiegen und wurden vom Fahrer etwas seltsam angeschaut. Mittels Translator-App haben wir mitteilen können, wohin wir wollten. Und einen Daumen Hoch bekommen. Es musste also richtig sein. Und nach einer weiteren halben Stunde Busfahrt waren wir tatsächlich bei unserer Unterkunft. Schnell in den Supermarkt, um etwas trinkbares zu kaufen. Wir hatten beide einen riesigen Durst. 

So ganz schlecht ist der Strand nicht

Damit uns nicht so ganz langweilig wird, sind wir immer wieder mal an den Strand gegangen. Auch mal ins Wasser. Und wir haben tatsächlich eine Stelle gefunden, die vor Haien einigermaßen sicher ist. Jedenfalls bei Ebbe. Und das Wasser muss auch einigermaßen gut sein, denn es schwimmen sogar kleine Fische darin. Die Gezeiten sind hier aber einfach stärker, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Das Wasser zieht schon ziemlich an den Beinen. 

Manchmal hatten wir sogar Hunger und wenn wir schon mal in Brasilien sind, dann sollte doch auch eine echte Churrascaria auf dem Programm stehen. Dank einschlägiger Suchmaschinen kann man in nahezu jeder Stadt die besten Restaurants finden. So fanden wir dann auch ein Grillrestaurant, welches ganz unserem Geschmack entsprach. Zur Mittagszeit war auch nicht so viel los, wie es wahrscheinlich am Abend gewesen wäre. Wir kannten es ja schon aus Asunción und Encarnación, wie es in einer Churrascaria abläuft. Also haben wir unseren Platz zugewiesen bekommen und etwas zu trinken bestellt. Aber hier war dann etwas anders. Wir haben noch kleine Chips bekommen, die auf der einen Seite grün und auf der anderen Seite rot waren. Damit signalisiert man dann, ob man Fleisch möchte, oder auch nicht. Das war sehr gut. Und für die Angestellten ist es auch einfacher, denn die müssen so nicht an jedem Tisch fragen, sondern nur an den grünen Tischen. 

 

Pizza mit was?

Ein anderes mal Essen gehen war auch besonders Interessant. Ich hatte nämlich wirklich Hunger und Sanny wollte nur eine Kleinigkeit. Wir haben uns also entschieden Pizza zu essen. Über den doch recht hohen Preis war ich anfangs verwundert, aber ich habe einfach mal bestellt. Für Sanny gab es einen Räuberteller und für uns beide noch ein Getränk. Soviel zur Bestellung. Was danach kam, war für uns beide dann etwas zu viel. Es kam das Besteck, wie hier üblich in Plastik eingepackt. Und dazu kam ein kleiner Teller mit Ketchup, Mayo und Senf. Darf ich daran erinnern, dass wir eine Pizza mit viel Käse bestellt haben? Aber als dann auch die übrigen Tische bestellt hatten und eben jene Garnitur erhalten haben, haben wir nicht mehr weiter darüber nachgedacht. Anscheinend wird Pizza hier mit Ketchup gegessen. Und so war es dann auch. Der Nachbartisch bekam die Pizza vor uns, und die war wirklich riesig. Jeder nahm ein Stück der Pizza und zack wurde der Ketchup auf den Stückchen verteilt.

Unsere Pizza kam dann auch bald und wir waren sehr erstaunt über die Größe. Beinahe 40cm im Durchmesser und wirklich viel Käse drauf. Puh, wie sollen wir die denn schaffen? Nach der Hälfte war ich wirklich satt. Sanny hat gar nur ein Viertel geschafft. Also haben wir den Rest mitnehmen dürfen. Da wir wussten, dass unser Host sehr gerne und auch sehr viel essen kann, haben wir ihm den verbleibenden Rest angeboten. Am Abend wollte er erst nicht, jedoch war am nächsten Morgen die mitgebrachte Pizza-Box leer.

Was wir sonst noch gesehen haben?

Du, lieber Leser, siehst also, dass Recife jetzt nicht so bei uns gepunktet hat. Unsere Hauptbeschäftigungen waren Essen und Bus fahren. Aber es gibt in Recife, wie scheinbar in vielen Lateinamerikanischen Städten oder Dörfern, verdammt viele Graffiti, von denen wir die Bemerkenswertesten für Euch mitgenommen haben. Andererseits sind hier neben etlichen Wohnungen, Ladenlokalen und Häusern auch seltsamere Dinge zu mieten oder zu kaufen. Schaut doch selbst, wie komisch das aussieht, wenn z.B. ein Baum zu kaufen ist.

Die Weiterreise nach Paraguay

Unser nächstes Reiseland ist wieder einmal Paraguay, dies, weil wir dort ein paar Freunde besuchen möchten, bevor wir das eigentliche nächste Reiseland bereisen. Wir haben uns diesmal dafür entschieden einen kleinen Reise-Hack anzuwenden, der insbesondere hier von Brasilien aus sehr gut funktioniert. Wir haben einen Flug von Recife nach Foz do Iguaçu gebucht. Von dort aus geht es dann mit dem Überlandbus von Ciudad del Este nach Asunción. Unsere Ersparnis auf diesem Weg beträgt weit über €300,00. Das funktioniert nahezu an jedem Grenzübergang, denn es gibt innerhalb von Brasilien zu fast jedem angrenzenden Land auch einen entsprechenden Flughafen.

Also sind wir mit einem Uber-Taxi von der Unterkunft in Richtung Flughafen gefahren. Uber ist hier übrigens deutlich günstiger als die lokalen Taxis. Am Flughafen angekommen sind wir direkt durch die Sicherheitskontrolle und wollten uns, wie wir es gewohnt sind, in die Lounge setzen. Leider wird im nationalen Abflugbereich in der Lounge unser Priority Pass nicht akzeptiert. Und die Lounge, wo er akzeptiert werden würde ist vor der Sicherheitskontrolle. Wieder raus war für uns aber keine Option. Wir haben uns also zum Abfluggate gesetzt und gewartet bis unser Flug so weit ist. Dummerweise wurde er aber gar nicht angezeigt, sondern direkt der nachfolgende Flug. Diese Anzeige hielt sich hartnäckig bis zur Boardingzeit unseres Fluges.

Endlich einsteigen

Das Einsteigen läuft hier extrem strukturiert ab. Es werden vier verschiedene Warteschlangen gebildet. Eine für Menschen mit Gebrechen, Schwangerschaft oder hohem Alter, eine für Priority-Boarding Passagiere, eine für Passagiere mit persönlichem Gepäckstück (zum Beispiel eine Laptop Tasche) und schließlich eine Warteschlange für Passagiere mit Handgepäck (ggf. plus persönlichem Gepäckstück). Und in genau dieser Reihenfolge dürfen dann auch alle Passagiere an Board gehen.

Entgegen unserer Befürchtung, weil wir als letztes an Board dürfen, haben wir tatsächlich noch ausreichend Platz in den Overhead-Compartments für unsere Rucksäcke gefunden. Die persönlichen Gepäckstücke sind wohl von allen übrigen Passagieren wirklich brav unter den Vordersitz gepackt worden. So haben wir es dann auch gemacht. Das hat uns wirklich gut gefallen.

Nachdem dann alle 70396 Passagiere im Flieger waren ging es mit ungefähr einer Stunde Verspätung los in Richtung Sao Paulo. Gut, wir haben vier Stunden Umsteigezeit in Sao Paulo, daher dürfte die eine Stunde überhaupt nicht auffallen.  Etwas mulmig war uns aber schon dabei, als es einfach nicht los ging. Der Flug verlief wie gewohnt ruhig und es wurden für die zahlenden Fluggäste dann Snacks und Getränke verteilt. Wer nichts bezahlen wollte, der hat auch nichts kaufen müssen. Oder einfach nichts bekommen. Selbst ein stilles Wasser ist hier nämlich kostenpflichtig.

Umsteigen in Sao Paulo

Endlich angekommen, haben wir nach etwas zu Essen gesucht. Hier gibt es eine Lounge, in die wir mit dem Priority Pass Einlass erhalten, also haben wir danach gesucht. Gefunden haben wir sie auch. Leider war aber die Mittagszeit bereits vorbei, so dass es nur noch Pasta mit einem Hauch von Nichts als warmes Essen gab. Ansonsten gab es kleine Gebäckstücke und leckere Desserts. Getränke natürlich auch. Kurz um, wir sind nicht verhungert. In der Lounge gab es aber leider nicht: eine aktuelle Fluganzeigetafel. Also haben wir in regelmäßigen Abständen auf dem Mobiltelefon geschaut, wo unser Flug abfliegen soll. Hier war es dann so, dass innerhalb von 30 Minuten das Abfluggate drei mal gewechselt hat. Also lohnt sich ein frühes „zum Gate stürmen“ nicht, denn es könnte sich ja nochmals ändern auf dem Weg dorthin.

Auch hier wurde oben beschriebenes Vier-Schlangen-System verwendet und es hat ebenso gut funktioniert wie in Recife. Wir waren also an Board, haben unsere Sitze gefunden, die Rucksäcke verstaut und haben, wie zuvor auch schon, ungefähr eine Stunde auf den Abflug gewartet. Pünktlichkeit ist eine Zier, doch besser ist es ohne Ihr. Sanny ist während der Wartezeit eingedöst, oder sogar fest eingeschlafen. Ich konnte das nicht so recht ausmachen. Tatsache ist jedoch, als der Flieger zurück gestoßen wurde, schreckte sie auf und ich habe die Chance genutzt und versucht ihr klarzumachen, dass wir schon gelandet sind. Ich glaube, dass hat auch geklappt. Ihr Blick war jedenfalls im ersten Moment sehr verwirrt. Ungefähr zwei Stunden später waren wir auf dem, für mich bisher, schrecklichsten Flughafen der Welt. Keine Finger zum Flieger, keine Busse für den Transfer etc. War auch alles nicht nötig. Wir standen direkt vor dem ziemlich vom Verfall bedrohten Gebäude vom Flughafen in Foz. Aus dem Flieger raus, keine Kontrollen, kein gar nichts. Ein reiner Inlandsflughafen ohne große Infrastruktur. Und Morgen geht es dann mit dem Überlandbus nach Asunción. Freue Dich auf weitere spannende Geschichten unserer Reise, folge uns auf Instagram oder Facebook und schaue wieder rein, wenn es heißt: Lustige Geschichten aus Südamerika.

KW2018-27 – Als Vegetarier in Paraguay?

Selbst kochen oder Essen gehen?

Da wir in den letzten Wochen feststellen durften, dass es kaum einen Unterschied macht, ob wir selbst kochen oder essen gehen, gehen wir öfters auch mal zum Essen aus. Hier in Encarnación ist es sogar noch häufiger, als noch in Asunción. Woran das liegt? Wenn ich ganz ehrlich bin, ich kann es nicht begründen. Wir lernen dadurch aber auch einiges über die Ernährung der Paraguayer. Sehr gerne essen die Paraguayer Pizza, Hamburger, Milanesa (eine Art paniertes Fleisch, meistens mit einer Scheibe Käse und Tomate drauf), Empanadas oder Pasta. Oder sie essen gegrilltes Fleisch. Von einem Stand an der Strasse, oder in einer Churrascaria. Ein Grill Restaurant, in dem Fleisch an Spiessen gegrillt wird und dann in vielen Restaurants direkt am Tisch für den Kunden abgeschnitten wird.

In einer solchen Churrascaria waren wir nun auch am Dienstag. Mit dem Unterschied, dass das Fleisch dort nicht am Tisch abgeschnitten wird, sondern vor dem Grill. Wir waren mit der ersten Runde beschäftigt, als vor der Tür des Restaurants einige Fahrzeuge mit Blaulicht vorfuhren. Spontan sind einige Angestellte zur Tür gelaufen und alle Gäste haben sich zur Tür umgedreht. Herein kamen Polizisten und Militärs aus Paraguay und Argentinien, welche sich zu einem gemeinsamen Mittagessen getroffen haben. Nachdem diese Gruppe, beziehungsweise die „Chefs“, mit dem Essen fertig waren, wurde noch eine kleine Fotosession gemacht und so schnell wie sie kamen, sind sie wieder weg gewesen.

Warum schreibe ich nun von schlechtem Essen? Nun, in Europa haben wir in jeder Woche mindestens drei bis vier fleischlose Tage gehabt. Dies fällt uns nun hier verdammt schwer, da wir auf den Wochenmärkten oder in den Supermärkten bis auf Mais, Paprika, Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln wirklich keine anderen Gemüse finden können. Und wenn Du jetzt zufällig Vegetarier bist, dann würden wir uns freuen, wenn Du uns aus diesen Gemüsen ein paar tolle Rezeptvorschläge machen kannst. Aber in der Summe ist dies keine wirklich ausgewogene Ernährung.

Am Sonntag sind wir in einem Pastarestaurant gewesen. Zu Fuß dort hin, Pasta gegessen und danach für fast zwei Stunden am Strand im Sand gelegen, weil wir aufgrund dieser enormen Menge Weissmehl gar nichts mehr konnten. Wenn man das nicht gewohnt ist, dann schlägt das absolut auf den Magen, beziehungsweise das Verdauungssystem. Schön war das nicht.

Endlich wieder Regen und Wind

Total fasziniert sind wir von diesem Wind. Als Nordlichter, die wir nun einmal unbestritten sind, sind wir schon einiges in Sachen Wind gewohnt. Aber, dass der Wind durch die Häuser pfeifft, eisig kalt, ohne Heizung und ohne Widerstand, dass ist für uns echt ungewohnt. Und so schön unsere aktuelle Unterkunft auch ist, mit dem Blick auf den Fluss und die tolle Abendbeleuchtung, so hatten wir auch schon Wasser in der Unterkunft durch den starken Regen. 

Und was macht man bei Regen? Richtig, man arbeitet. Der Blog will geschrieben werden, die Fotos wollen sortiert werden, die Videos wollen gesichtet werden und wenn das erledigt ist, dann soll daraus auch noch ein neues Video entstehen. Und wer keine Lust auf Arbeiten hat, der bildet sich weiter. Entweder lernen wir also Spanisch, oder wir lernen wie man mit den Schnittprogrammen, oder den Bildbearbeitungsprogrammen besser umgehen kann. Oder wir bereiten weitere, noch geheime Projekte vor. Denn auch das sind Aufgaben, die einfach erledigt werden müssen.

Mit dem Colectivo durch die Stadt

Wir haben uns diese Woche dafür entschieden, dass wir uns die Stadt ein wenig genauer anschauen wollen.  So sind wir einfach in einen Bus eingestiegen und haben uns mitnehmen lassen, bis er nicht mehr weiter fährt. In Encarnación kostet die einfache Fahrt übrigens nur 2500Gs. Das sind umgerechnet ca. €0.36. Und auch hier spielt es dann keine Rolle, ob Du nur ein paar Meter fährst, oder aber von der Startstation bis zu Endstation. Unsere Unterkunft ist ziemlich in der Mitte einer Linie, also sind wir einfach mal los in Richtung argentinischer Grenze. In diesem Bereich von Encarnación sind sehr viele kleine Geschäfte, die allesamt ihre Waren anpreisen. Die Preise sind mehrheitlich in Peso angeschrieben, so dass wir nicht wirklich sagen konnten wie günstig oder teuer es ist. Aus der Schweiz kennen wir ja nun den extremen Einkaufstourismus, weil eine Zeit lang der Wechselkurs von CHF zu EUR extrem günstig für die Schweizer stand. Hier in Paraguay setzen die Grenzregionen anscheinend sehr auf die reicheren Argentinier, jedoch haben wir auch an den Wochenenden sehr wenige Autos mit argentinischem Kennzeichen gesehen. Es scheint fast so, als wäre der grenzübergreifende Einkauf hier nicht so weit verbreitet wie in Europa.

Als offensichtliche Touristen wurden wir folglich auch an jeder Ecke von Einheimischen angesprochen und uns wurden kleine Zettelchen vor die Nase gehalten. Werbende – in Hamburg auf dem Kiez sagt man Koberer – die ihre Provision erhalten, sofern wir mit dem Zettel in der Hand in das Geschäft gehen, für das geworben wird. Dabei wollten und wollen wir doch gar nichts kaufen. Wir haben alles bei uns was wir gerade benötigen. Eigentlich sogar noch immer etwas zu viel. Daran arbeiten wir aber bei jedem Koffer packen und unglücklicherweise auch bei jeder Wäsche. Das Phänomen der fehlenden Socken ergreift uns hier regelmässig. Dabei schauen wir immer sehr genau in der Waschmaschine nach, ob auch wirklich alles raus ist. 

Das Tereré-Experiment

Es heißt, man ist nicht in Paraguay gewesen, wenn man nicht wenigstens ein mal Tereré oder Mate aus einer typischen Guampa mit dem dazu passenden Trinkrohr, der Bombilla, getrunken hat. Wir wollten uns also diese Prozedur nicht nehmen lassen, haben verschiedene Anleitungen gesichtet, den Einheimischen dabei zugeschaut und es dann im Geheimen, in unserer Unterkunft, auf einen Versuch ankommen lassen.

Eine Tatsache ist, dass die Paraguayos sehr wenig bis gar nicht Rauchen, obwohl Zigaretten hier vergleichsweise günstig sind. Nachdem wir also alles vorbereitet hatten, den Tee nach Anleitung mit Wasser übergossen haben, kam der Moment der Wahrheit. Vorsichtig am Trinkrohr gesaugt und den ersten Schluck auf der Zunge verlaufen lassen. Die einstimmige Reaktion von uns beiden war: „Dann kann ich auch Rauchen. Wäh, schmeckt das nach Zigarette.“

Ich habe dann, mutig wie ich bin, noch ein paar mal nachgefüllt. Besser wurde es nicht, aber auch nicht schlimmer. Für uns steht jedenfalls fest, dass dieser paraguayische Trinkgenuss nicht in unser Repertoire der Rituale aufgenommen wird. Und wo wir schon bei Tee sind, so sind die verschiedenen Tee Sorten hier in Paraguay eher nicht mit denen vergleichbar, die wir aus Europa kennen. Ein, in großer Not, gekaufter Earl-Grey-Tee schmeckte mit einem Schuss Kuhmilch ungefähr genau so wie pure Hafermilch. Für die eingangs erwähnten Vegetarier ist das möglicherweise eine willkommene Abwechslung. Wenn aber sonst auch immer nur das gleiche Gemüse auf dem Teller liegt, dann ist es auch damit schnell wieder vorbei.

 

Die weitere Planung

Was wir wirklich unterschätzt haben: die Reiseplanung. Natürlich wussten wir vorher schon sehr genau, dass wir eine Weltreise machen möchten und nicht eine Paraguay Reise. Aber selbst hier in Paraguay Unterkünfte zu finden, die einen nicht das halbe Vermögen kosten, dazu noch so liegen, dass man auch mal etwas unternehmen kann, ist schon kompliziert genug. Hinzu kommt der, hier in Paraguay, beinahe übermäßig strapazierte Ausspruch: Hüte Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen, die im Ausland sind. Geht es nur nach diesem Ausspruch, darf man keinem Deutschen trauen, der im Ausland sein Geschäft machen möchte. Möglicherweise gibt es hier in Paraguay jedoch einen Schlag Menschen, die sich so gut vernetzt haben, dass immer die gleichen Empfehlungen ausgesprochen werden, damit ein paar kleine Provisionen fliessen können. Beweisen können wir das nicht.

Wir haben also ganze zwei Tage damit verbracht, um zu schauen, wohin wir als nächstes reisen möchten. Denn ein paar feste Termine haben wir in Europa; was dazwischen kommt, wissen wir immer noch nicht genau. Bestimmt finden wir noch heraus, wohin es gehen soll. Es ist wirklich auch Arbeit, die da zu erledigen ist, für die wir nicht bezahlt werden.

Neben den ganzen mittel- und langfristigen Planungen haben wir uns dann auch noch um die kurzfristigen Dinge gekümmert. In der nächsten Woche werden wir definitiv mit einem Auto umher fahren und ein paar touristische Orte ansteuern. Lass Dich überraschen, was es alles zu sehen gibt in Paraguay.

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