KW2018-50 – Wird Brasilien unser Favorit?

Die erste Woche Brasilien war wirklich nicht sonderlich spannend für uns. Wir waren tatsächlich nur in Shopping-Centren und in der Unterkunft. Während ich also meinen Studienvorlesungen gelauscht habe, hat Sanny weiter an ihrem Business gearbeitet. Und zwischendurch hat sie dann ein paar Sehenswürdigkeiten von Recife ausfinden können.

Überspringen wir doch die Sehenswürdigkeiten

Bereits die erste Sehenswürdigkeit, die wir gesehen haben, war die Hafenumgebung. Dies ist wohl die Altstadt von Recife, welche für unser Empfinden nicht so richtig sehenswert ist, weshalb wir auch keine Fotos geschossen haben. Während unserer Busfahrten ist uns dann eine weitere Sehenswürdigkeit aufgefallen, wie sich später herausgestellt hat. Ein kleines blaues Holzhaus, wovon wir auch keine Bilder gemacht haben. Umgeben von zahlreichen kleinen Verkaufsständen.

Was aber jedesmal ein Abenteuer war, war das Busfahren. Bereits am ersten Tag in Recife waren wir unterwegs und haben uns die für viele Länder notwendige Gelbfieberimpfung abgeholt. Hier in Brasilien ist sie in den Policlinicas für alle gratis. Also sind wir dann diese Woche, so wie uns geheißen, zum Flughafen gefahren und haben die ANVISA besucht. Hierzu haben wir einen der Busse genommen, die direkt von unserer Unterkunft aus gefahren sind. Wir haben den Bus schon an der Ampel stehen sehen, also haben wir uns beeilt zur Bushaltestelle zu kommen. Beim Einsteigen signalisierte der Fahrer uns dann, dass wir nur mit einer Buskarte mitfahren könnten. Diese hatten wir natürlich nicht. Aber es hielt direkt hinter diesem Bus ein weiterer an, dort konnten wir dann mit Barmitteln bezahlen. Nach wenigen Minuten fahrt waren wir auch schon am Flughafen und sind dank guter Ausschilderung auch schnell bei der ANVISA gelandet. 

Wir also dort hinein und zu unserer Überraschung sprach dort niemand auch nur ein Wort Englisch. So wie wir es gewohnt waren, haben wir uns also mit Händen und Füßen verständigt. In der Zwischenzeit ist dann eine Mitarbeiterin vom Flughafen gekommen, die Englisch verstanden hat. An einem bereit stehenden PC müssen wir unsere persönlichen Informationen eingeben und einen Account anlegen. Das muss jeder machen, der von der ANVISA etwas bestätigt haben möchte. Was ist mit dem Datenschutz? Und warum muss das sein? Nun, vorneweg, der Datenschutz ist hier in Lateinamerika etwas anderes, als er es in Europa ist. Und es muss sein, damit die ANVISA jederzeit eine neue Bestätigung ausstellen kann, falls wir den alten Ausweis verloren haben. So ganz schlecht finde ich das also nicht. 

Essen und Bus fahren

Nachdem wir also die wichtigen Dinge erledigt haben, sind wir noch etwas durch den Flughafen gewandert. Einfach, damit wir schon einmal wissen, wohin wir gehen müssen, sobald es für uns weitergehen soll. Und was soll ich euch sagen. So viele Fressgeschäfte wie auf diesem kleinen Provinzflughafen habe ich auf deutlich größeren Flughäfen nicht gesehen. Mich beschleicht das Gefühl, dass es in Lateinamerika wirklich nur ums Essen geht. Und um laute Musik. 

Nachdem wir etwas gegessen haben, wollten wir mit dem Bus zurück zu unserer Unterkunft fahren. Da hier die meisten Busse im Kreis fahren, oder zumindest die gleiche Strecke auch wieder zurück, sind wir an der selben Stelle wo wir ausgestiegen sind auch wieder in einen Bus der gleichen Linie eingestiegen. Der Bus hat uns, wie erhofft, auch in die richtige Richtung gebracht. Bis er auf einmal abgebogen ist und uns weit in die falsche Richtung mitgenommen hat. So haben wir zwar etwas von Recife gesehen, aber glücklich waren wir nicht. Unsere Getränke waren nämlich schon alle und dort, wo wir dann gestrandet sind, gab es keinen Kiosk oder etwas ähnliches.

Keine 5 Minuten später sollte der Bus dann wieder zurück fahren. Also sind wir wieder eingestiegen und wurden vom Fahrer etwas seltsam angeschaut. Mittels Translator-App haben wir mitteilen können, wohin wir wollten. Und einen Daumen Hoch bekommen. Es musste also richtig sein. Und nach einer weiteren halben Stunde Busfahrt waren wir tatsächlich bei unserer Unterkunft. Schnell in den Supermarkt, um etwas trinkbares zu kaufen. Wir hatten beide einen riesigen Durst. 

So ganz schlecht ist der Strand nicht

Damit uns nicht so ganz langweilig wird, sind wir immer wieder mal an den Strand gegangen. Auch mal ins Wasser. Und wir haben tatsächlich eine Stelle gefunden, die vor Haien einigermaßen sicher ist. Jedenfalls bei Ebbe. Und das Wasser muss auch einigermaßen gut sein, denn es schwimmen sogar kleine Fische darin. Die Gezeiten sind hier aber einfach stärker, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Das Wasser zieht schon ziemlich an den Beinen. 

Manchmal hatten wir sogar Hunger und wenn wir schon mal in Brasilien sind, dann sollte doch auch eine echte Churrascaria auf dem Programm stehen. Dank einschlägiger Suchmaschinen kann man in nahezu jeder Stadt die besten Restaurants finden. So fanden wir dann auch ein Grillrestaurant, welches ganz unserem Geschmack entsprach. Zur Mittagszeit war auch nicht so viel los, wie es wahrscheinlich am Abend gewesen wäre. Wir kannten es ja schon aus Asunción und Encarnación, wie es in einer Churrascaria abläuft. Also haben wir unseren Platz zugewiesen bekommen und etwas zu trinken bestellt. Aber hier war dann etwas anders. Wir haben noch kleine Chips bekommen, die auf der einen Seite grün und auf der anderen Seite rot waren. Damit signalisiert man dann, ob man Fleisch möchte, oder auch nicht. Das war sehr gut. Und für die Angestellten ist es auch einfacher, denn die müssen so nicht an jedem Tisch fragen, sondern nur an den grünen Tischen. 

 

Pizza mit was?

Ein anderes mal Essen gehen war auch besonders Interessant. Ich hatte nämlich wirklich Hunger und Sanny wollte nur eine Kleinigkeit. Wir haben uns also entschieden Pizza zu essen. Über den doch recht hohen Preis war ich anfangs verwundert, aber ich habe einfach mal bestellt. Für Sanny gab es einen Räuberteller und für uns beide noch ein Getränk. Soviel zur Bestellung. Was danach kam, war für uns beide dann etwas zu viel. Es kam das Besteck, wie hier üblich in Plastik eingepackt. Und dazu kam ein kleiner Teller mit Ketchup, Mayo und Senf. Darf ich daran erinnern, dass wir eine Pizza mit viel Käse bestellt haben? Aber als dann auch die übrigen Tische bestellt hatten und eben jene Garnitur erhalten haben, haben wir nicht mehr weiter darüber nachgedacht. Anscheinend wird Pizza hier mit Ketchup gegessen. Und so war es dann auch. Der Nachbartisch bekam die Pizza vor uns, und die war wirklich riesig. Jeder nahm ein Stück der Pizza und zack wurde der Ketchup auf den Stückchen verteilt.

Unsere Pizza kam dann auch bald und wir waren sehr erstaunt über die Größe. Beinahe 40cm im Durchmesser und wirklich viel Käse drauf. Puh, wie sollen wir die denn schaffen? Nach der Hälfte war ich wirklich satt. Sanny hat gar nur ein Viertel geschafft. Also haben wir den Rest mitnehmen dürfen. Da wir wussten, dass unser Host sehr gerne und auch sehr viel essen kann, haben wir ihm den verbleibenden Rest angeboten. Am Abend wollte er erst nicht, jedoch war am nächsten Morgen die mitgebrachte Pizza-Box leer.

Was wir sonst noch gesehen haben?

Du, lieber Leser, siehst also, dass Recife jetzt nicht so bei uns gepunktet hat. Unsere Hauptbeschäftigungen waren Essen und Bus fahren. Aber es gibt in Recife, wie scheinbar in vielen Lateinamerikanischen Städten oder Dörfern, verdammt viele Graffiti, von denen wir die Bemerkenswertesten für Euch mitgenommen haben. Andererseits sind hier neben etlichen Wohnungen, Ladenlokalen und Häusern auch seltsamere Dinge zu mieten oder zu kaufen. Schaut doch selbst, wie komisch das aussieht, wenn z.B. ein Baum zu kaufen ist.

Die Weiterreise nach Paraguay

Unser nächstes Reiseland ist wieder einmal Paraguay, dies, weil wir dort ein paar Freunde besuchen möchten, bevor wir das eigentliche nächste Reiseland bereisen. Wir haben uns diesmal dafür entschieden einen kleinen Reise-Hack anzuwenden, der insbesondere hier von Brasilien aus sehr gut funktioniert. Wir haben einen Flug von Recife nach Foz do Iguaçu gebucht. Von dort aus geht es dann mit dem Überlandbus von Ciudad del Este nach Asunción. Unsere Ersparnis auf diesem Weg beträgt weit über €300,00. Das funktioniert nahezu an jedem Grenzübergang, denn es gibt innerhalb von Brasilien zu fast jedem angrenzenden Land auch einen entsprechenden Flughafen.

Also sind wir mit einem Uber-Taxi von der Unterkunft in Richtung Flughafen gefahren. Uber ist hier übrigens deutlich günstiger als die lokalen Taxis. Am Flughafen angekommen sind wir direkt durch die Sicherheitskontrolle und wollten uns, wie wir es gewohnt sind, in die Lounge setzen. Leider wird im nationalen Abflugbereich in der Lounge unser Priority Pass nicht akzeptiert. Und die Lounge, wo er akzeptiert werden würde ist vor der Sicherheitskontrolle. Wieder raus war für uns aber keine Option. Wir haben uns also zum Abfluggate gesetzt und gewartet bis unser Flug so weit ist. Dummerweise wurde er aber gar nicht angezeigt, sondern direkt der nachfolgende Flug. Diese Anzeige hielt sich hartnäckig bis zur Boardingzeit unseres Fluges.

Endlich einsteigen

Das Einsteigen läuft hier extrem strukturiert ab. Es werden vier verschiedene Warteschlangen gebildet. Eine für Menschen mit Gebrechen, Schwangerschaft oder hohem Alter, eine für Priority-Boarding Passagiere, eine für Passagiere mit persönlichem Gepäckstück (zum Beispiel eine Laptop Tasche) und schließlich eine Warteschlange für Passagiere mit Handgepäck (ggf. plus persönlichem Gepäckstück). Und in genau dieser Reihenfolge dürfen dann auch alle Passagiere an Board gehen.

Entgegen unserer Befürchtung, weil wir als letztes an Board dürfen, haben wir tatsächlich noch ausreichend Platz in den Overhead-Compartments für unsere Rucksäcke gefunden. Die persönlichen Gepäckstücke sind wohl von allen übrigen Passagieren wirklich brav unter den Vordersitz gepackt worden. So haben wir es dann auch gemacht. Das hat uns wirklich gut gefallen.

Nachdem dann alle 70396 Passagiere im Flieger waren ging es mit ungefähr einer Stunde Verspätung los in Richtung Sao Paulo. Gut, wir haben vier Stunden Umsteigezeit in Sao Paulo, daher dürfte die eine Stunde überhaupt nicht auffallen.  Etwas mulmig war uns aber schon dabei, als es einfach nicht los ging. Der Flug verlief wie gewohnt ruhig und es wurden für die zahlenden Fluggäste dann Snacks und Getränke verteilt. Wer nichts bezahlen wollte, der hat auch nichts kaufen müssen. Oder einfach nichts bekommen. Selbst ein stilles Wasser ist hier nämlich kostenpflichtig.

Umsteigen in Sao Paulo

Endlich angekommen, haben wir nach etwas zu Essen gesucht. Hier gibt es eine Lounge, in die wir mit dem Priority Pass Einlass erhalten, also haben wir danach gesucht. Gefunden haben wir sie auch. Leider war aber die Mittagszeit bereits vorbei, so dass es nur noch Pasta mit einem Hauch von Nichts als warmes Essen gab. Ansonsten gab es kleine Gebäckstücke und leckere Desserts. Getränke natürlich auch. Kurz um, wir sind nicht verhungert. In der Lounge gab es aber leider nicht: eine aktuelle Fluganzeigetafel. Also haben wir in regelmäßigen Abständen auf dem Mobiltelefon geschaut, wo unser Flug abfliegen soll. Hier war es dann so, dass innerhalb von 30 Minuten das Abfluggate drei mal gewechselt hat. Also lohnt sich ein frühes „zum Gate stürmen“ nicht, denn es könnte sich ja nochmals ändern auf dem Weg dorthin.

Auch hier wurde oben beschriebenes Vier-Schlangen-System verwendet und es hat ebenso gut funktioniert wie in Recife. Wir waren also an Board, haben unsere Sitze gefunden, die Rucksäcke verstaut und haben, wie zuvor auch schon, ungefähr eine Stunde auf den Abflug gewartet. Pünktlichkeit ist eine Zier, doch besser ist es ohne Ihr. Sanny ist während der Wartezeit eingedöst, oder sogar fest eingeschlafen. Ich konnte das nicht so recht ausmachen. Tatsache ist jedoch, als der Flieger zurück gestoßen wurde, schreckte sie auf und ich habe die Chance genutzt und versucht ihr klarzumachen, dass wir schon gelandet sind. Ich glaube, dass hat auch geklappt. Ihr Blick war jedenfalls im ersten Moment sehr verwirrt. Ungefähr zwei Stunden später waren wir auf dem, für mich bisher, schrecklichsten Flughafen der Welt. Keine Finger zum Flieger, keine Busse für den Transfer etc. War auch alles nicht nötig. Wir standen direkt vor dem ziemlich vom Verfall bedrohten Gebäude vom Flughafen in Foz. Aus dem Flieger raus, keine Kontrollen, kein gar nichts. Ein reiner Inlandsflughafen ohne große Infrastruktur. Und Morgen geht es dann mit dem Überlandbus nach Asunción. Freue Dich auf weitere spannende Geschichten unserer Reise, folge uns auf Instagram oder Facebook und schaue wieder rein, wenn es heißt: Lustige Geschichten aus Südamerika.

KW2018-49 – Die Luft ist anders in Brasilien

Wir waren nicht mal ganz von Board der Sovereign, da überkam uns fast die Übelkeit. Die Luft war so extrem anders hier im Hafengebiet von Recife/Brasilien, gegenüber den anderen Häfen, in denen wir lagen. Aber es half alles nichts, da mussten wir dann durch. Aber halt, fangen wir doch von vorn an. Bereits morgens um 07:00 Uhr mussten wir aus unseren Kabinen raus sein. Inklusive sämtlichem Gepäcks, was für uns, die wir nur mit einem kleinen Rucksack unterwegs sind, ja kein Problem war. Andere hatten es nicht so luxuriös. Für unser 10. Deck war dann der Besuch bei der Immigration von Brasilien auch bereits von 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr terminiert. Also durften wir bereits deutlich vor dem Wachwerden aufstehen und uns parat machen. Überpünktlich und ca. 20 Minuten vor dem Wecker lagen wir also wach im Bett und haben angefangen die letzten drei Dinge zu packen, zu duschen und was man sonst noch so am morgen macht.

Warten auf die Beamten

Da wir nun schon so früh wach waren, konnten wir auch schon in die Disko gehen. Dort sollte nämlich der Einreisestempel in die Pässe gedrückt werden. Besonders spannend war, dass die Einreisenden, die bereits ein E-Visa bewilligt hatten, dieses ausgedruckt mitbringen mussten. Für uns war das nicht relevant, aber für andere Nationen durchaus.

Da wir die Termintreue in Paraguay schon kannten, haben wir damit gerechnet, dass wir auch hier warten durften. Und ja, genau so war es dann auch. Pünktlich um 06:40 Uhr kamen die Beamten in die Disko und haben erst einmal ein Frühstück eingenommen. Dann die Laptops aufgebaut, das Netzwerk eingerichtet und ganz gemütlich mit der Arbeit begonnen. Ja, das muß wohl so sein in Lateinamerika. Wir werden uns überraschen lassen, ob es wirklich überall so ist.

Gegen 07:10 Uhr hatten wir beide einen Einreisestempel von Brasilien im Reisepass und wir durften endlich zum Frühstück marschieren. Dieses gab es wenigstens noch an Bord. Wenn auch nur noch im Umfang und zeitlich reduziert. Die Verabschiedung von den neu gemachten Freundschaften dauerte beinahe länger als das Essen der üblichen Verdächtigen. Obst, Eier, Bacon und etwas Kaffee. Oh, wie ich guten Kaffee vermisse.

Es stinkt!

Wir warteten also inzwischen darauf, dass wir in die bereitstehenden Shuttle-Busse einsteigen durften. Das war beinahe militärisch streng organisiert. Die Warteschlange musste als Einzelreihe gebaut werden und es wurde zweifach gezählt wieviele Personen in den Bus einsteigen durften. Nachdem wir dann im Bus saßen, wurde es nicht besser mit dem Geruch. Mir war wirklich schlecht und auch Sanny erging es kaum besser. Naja, vielleicht gewöhnen wir uns ja daran.

Aber weißt Du, so ganz einfach ist das ja dann doch nicht. Denn, auch wenn wir uns von dem schlackigen Hafenwasser entfernt haben, so wurde die Luft nicht besser. Im Empfangsgebäude wurden wir durch einen kleinen Karneval empfangen. Tänzerinnen und tolle Musik sollten uns einstimmen, auf das Land, das immer feiert. Die Koffer standen aufgereiht nach Decks in einem eigenen Bereich der Empfangshalle und warteten auf die rechtmäßigen Besitzer.

Danach kam das übliche Taxiangebot. Jeder hat den anderen unterboten und es standen dazu dann auch noch unzählige Reisebusse für die Gruppenweiterfahrten parat. Wir beschlossen, dass wir es einfach mit den Füßen versuchen wollten und gingen in Richtung des nächsten ATM. Mir war immer noch schlecht und der Weg wurde gefühlt immer länger.

Heute keine Auszahlungen

Wir haben endlich die Bank gefunden, die uns von maps.me angezeigt wurde. Die entsprechenden Offlinekarten habe ich noch an Bord aktualisiert, so dass wir auf dem neuesten Stand sind. Die Bank war da, aber der ATM? Fehlanzeige. Einer der Angestellten signalisierte uns, dass wir weiter gehen müssen. Hier gäbe es heute kein Geld mehr. Wir taten wie uns geheißen und gingen den beschrieben Weg. Aber dort waren nur Wechselstuben, keine ATM. Macht nichts, wir sind noch jung und suchen den nächsten Automaten. Der war dann auch nur ein paar hundert Meter entfernt eingezeichnet. Und er war tatsächlich auch dort, wo er sein sollte. Dummerweise verweigerte der erste Automat die Auszahlung. Nach kurzer Überlegung wussten wir dann auch warum. Der nahm nur heimische Karten entgegen. Für ausländische Kreditkarten gibt es andere Automaten.

Sanny hat schon im voraus die Busroute zu unserer Unterkunft in Recife herausgesucht. Sollte also ein leichtes sein dorthin zu kommen. Wir schnell dahin, wo der Bus fahren sollte und schon begann das große Chaos. Da fahren Busse im zwei Minuten-Takt. Ungefähr 20 verschiedene Linien. Und welche ist jetzt die richtige? Ja, steht ja dran, ganz oben. Wie in Paraguay auch. Und auch in der Frontscheibe, wie in Paraguay auch. So weit, so gut!

Busfahren kennen wir schon

Der richtige Bus stand vor uns. Wir also rein und mit dem frisch gezogenen Geld bezahlt. Das ist hier anders als in Paraguay. Hier gibt es den Fahrer und den Kassierer. Dafür gibt es keinen Fahrschein. Wer am Kassierer vorbei ist, der hat auch bezahlt. Oder so ähnlich. Und jetzt kommt dann unser größtes Problem. Hier spricht man Portugiesisch und kein Spanisch. Daher verstanden wir auch nur Chinesisch, als wir gefragt haben, wann wir aussteigen müssen. Und zack, da waren wir auch schon an der Haltestelle zum Buswechsel vorbei gerauscht.

Eine freundliche Mitfahrerin, die ein paar Brocken Englisch konnte, hat uns dann geholfen und uns gesagt, wo wir den nächsten Bus finden können. Wir sind also ausgestiegen und haben nach der Straße gesucht, die uns genannt wurde. Blind vor Euphorie fanden wir also keine Straßenschilder und liefen hilflos umher. Handynavigation? Ja, hatten wir, aber nicht daran gedacht sie auch zu nutzen. Ein Metrobus rauschte an uns vorbei. Ha, da ist eine bediente Haltestelle! Dort nachgefragt und nur fragende Gesichter gesehen. Kein Englisch, kein Spanisch und sowieso kein Deutsch. Bis auf eine Frau, die wohl irgendwas verstanden hat und zu uns sagte, dass wir nur dort die Straße hinunter müssen und dann wären wir da.

Auf zur Unterkunft

Eine Stunde später waren wir in der Nähe der Unterkunft. Diesmal lief das Handy mit, damit wir den Ausstieg nicht verpassen. Ja, wir sind lernfähig. Hungrig bis unter beide Arme waren wir eine Stunde zu früh angekommen. Woher bekommen wir nun etwas zu essen? Oder wenigstens etwas zu trinken? Also ein paar Meter im Kreis gegangen und ein Geschäft gefunden, welches scheinbar ein echter Delikatessen-Händler ist. Für zwei Flaschen Fruchtsaft á 250ml haben wir stolze €10,00 bezahlt. Wow, haben wir diesen Saft genossen.

Die Stunde verging recht zügig und wir gingen zum Eingang zurück. Gott sei Dank gab es einen Hauswärter, der am Eingang sitzt und jeden Besucher empfängt. Er konnte dann unseren Host anrufen, der uns dann kurz darauf abgeholt hat. Ab in die 12. Etage und eine kurze Einweisung in die Wohnung erhalten, wollten wir uns erstmal etwas Wasser und eine lokale SIM Karte kaufen. Pedro, unser Host, hat uns dabei begleitet und alle notwendigen Übersetzungen gemacht. Der Rest vom Abend verlief unspektakulär. Wir haben sogar etwas Essbares gefunden und mussten nicht hungern.

Eine Tradition?

Was machen wir im Ausland als erstes in einer neuen Stadt? Richtig, die Shopping-Center besuchen. Frag nicht warum, es hat sich so eingebürgert. Wird dies unsere Tradition werden? Neben den Kirchen und alten Gemäuern, die wir uns gerne anschauen? Da wir das Busfahren jetzt verstanden haben, ging es also mit dem Bus in einen der beiden großen Shopping-Center der Stadt. Es ist alles ziemlich ähnlich zu Paraguay. Teilweise einfach nur etwas moderner. Aber was den Aufbau, die Geschäfte, die Fress-Meilen und die Kinderbespaßung betrifft, so ist es sehr ähnlich. Und auch die Preise sind durchaus vergleichbar.

Hier ist übrigens die totale Weihnachtsstimmung ausgebrochen. Zumindest im Shopping Recife. Es läuft Weihnachtsmusik und es ist festlich dekoriert, mit Tannenbäumen und Kugeln als Baumschmuck. Heimat, ich vermisse Dich nicht.

Eine Überraschung am Strand

Wenn wir schon in einer Küstenstadt wohnen, dann darf natürlich der Strandbesuch auch nicht fehlen. Also auf, die Füße in die Hand genommen und zum Strand gegangen. Die Straßen sind ähnlich wie in Encarnación, als überwiegend gut. Dennoch sollte man aufpassen wohin man tritt, denn ganz so sauber ist es nicht. Hundehaufen können schon vorkommen und kleine Löcher im Fußweg sind offenbar auch normal.

Am Strand dann ein entgeisterter Blick aufs Meer. Gruselig grün ist die Brühe, und der Strand hat eine Mauer zum Wasser. Zumindest an der Stelle, wo wir zum ersten mal auf den Strand trafen. Etwas weiter südlich ist dann ein Strand, wie wir ihn als Strand kennen. Flach ins Wasser verlaufend mit viel Sand. Aber die Farbe vom Wasser wird nicht blauer. Genau wie der Geruch, der über der ganzen Stadt liegt.

Dafür sehen wir Warnschilder. Baden strengstens untersagt. Hier gibt es eine starke Strömung und Haie. Ja, die Strömung haben wir gesehen und gespürt. Die ist wirklich nicht mit der Ostsee zu vergleichen. Und auch am Mittelmeer ist deutlich weniger Strömung von den Gezeiten zu spüren. Nur die Haie, die haben wir nicht sehen können.

Ein neues Lieblingsgetränk

Kennst Du Agua de Cocos? Also Kokoswasser? Ja? So aus dem Tetra-Pack, oder? Wenn wir nun schon in einem Land leben, wo diese Pflanzen heimisch sind, dann müssen wir die Kokosnüsse wenigstens probieren. Und hey, die sind viel geiler als das, was wir in Deutschland als Kokoswasser kennenlernen durften. Fruchtig und angenehm süß im Geschmack bei nahezu klarer Färbung schmeckt so eine Kokosnuss wirklich toll. Aber bitte auch nicht jeden Tag.

Mehr Bus, mehr Abenteuer

Es gibt ja noch weitere Einkaufszentren in Recife. Wie wollten also auch diese anschauen. Wo der Bus dorthin abfährt, war einfach herauszufinden. Denn Google Maps weiß hier tatsächlich, welche Buslinie wohin fährt. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Paraguay. Was aber ein Nachteil ist, Google Maps weiß nicht alles. Wir haben also einen Bus gefunden mit dem wir fahren wollten. Linie 70 fährt direkt zum Shopping RioMar. Da kommt schon ein Bus. Vorne dran steht auch RioMar. Also rein dort. Niemand weiß genau, wann der nächste Bus kommt. Auch Google nicht. Leider waren wir in der Linie 62, die nur knapp am RioMar vorbei fährt. Ungefähr 3km später wurde uns dann klar, dass diese Linie erst sehr viel später wieder zurück fahren wird.

„Taxi!“, habe ich zu Sanny gesagt, als der Bus dann angehalten hat, um einen Rollstuhlfahrer hinaus zu lassen. Ein hydraulischer Lift ist in jedem Bus vorhanden, um Kinderwägen und Rollstühle in den Bus zu bekommen. Wobei Kleinkinder hier eher getragen werden, als gefahren. Der Rollstuhlfahrer hat den Bus verlassen und dann versagte die Technik. Immer mehr Fahrgäste sind aufgestanden und wollten den Bus wechseln. Bis der Fahrer das bemerkt hat, verging eine Zeit. Wir waren endlich draußen und haben uns einen Überblick über die Situation verschafft. 14 Fahrspuren galt es zu überqueren. Und einen kleinen Kanal. Ach, der ist auch ein Grund für die schlechte Luft. In diesen Kanälen kriecht eine Brühe; ganz langsam und mit einer klasse Konsistenz, wenn man einen Eintopf kochen möchte.

Dreimal nachgefragt, ob wir ankommen?

Ein Taxi haben wir gefunden. Die Türe wurde uns aufgehalten. Und die Fahrzeuge sind modern und sauber. Das ist beeindruckend, wenn wir es mit Paraguay vergleichen. Dem Taxifahrer konnten wir dann irgendwie klarmachen, dass wir ins RioMar möchten. Nur haben wir es anders ausgesprochen, als er es erwartet hat. Also hat er drei mal nachgefragt. Der Taxameter läuft sofort beim anfahren schon. Also brauchen wir keine Angst vor beschiss haben. Keine 10 Minuten später sind wir dort und werden direkt vor dem Eingang heraus gelassen. Wir gehen durch die unterste Ebene und stellen nüchtern fest, dass es hier wohl nur Arztpraxen gibt.

Groß, größer, RioMar

Im inneren des Einkaufszentrums erwartet uns ein 20 Meter hoher Weihnachtsbaum, den Kinder als Kletterburg benutzen dürfen. Dazu ein paar Weihnachtselfen und der Weihnachtsmann. Selbstverständlich, dass dieses Angebot genutzt wurde. Von den fünf Kindern, die wir im ganzen Einkaufszentrum an diesem Tag gesehen haben, waren alle fünf auch dort.

Apropos fünf, genau so viele Etagen gibt es hier zum Shoppen und Essen. Verglichen mit dem Shopping Recife ist es vom Gebäude her größer. Und zwar fast doppelt so groß. Betrachtet man aber den Charme der Geschäfte, dann ist unser Favorit eindeutig das Shopping Recife. Und das obwohl es im RioMar deutlich mehr à-la-carte Restaurants gibt. Aber für uns ist das Essen dann doch nicht alles. Strand ist mindestens genau so toll. Und die Berge werden wir hier in Latein-Amerika auch noch zu sehen bekommen. Wo? Erfahre es als erstes auf Instagram oder Facebook. Lass uns dort einen Like bzw. ein Abo da und Du siehst jedes Update, wo wir gerade sind und was wir gerade machen.

KW2018-47 – Eine Seefahrt, die ist Lustig

Endlich ist es soweit. Wir haben den 19. November, es ist ungefähr 10 Uhr am Morgen und wir sitzen mit zwei (neu) befreundeten Nomaden in einem Taxi, um von der Unterkunft zum Cruise-Terminal in Barcelona zu fahren. Wie lange haben wir uns darauf gefreut, endlich einmal auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen. Und dann noch eine Transatlantikfahrt mit Äquatorquerung. Es gibt Spirituosen, die bekommen ein besonderes Prädikat, wenn sie den Äquator überqueren. Haben wir das jetzt auch verdient? Ja, mit dem Flugzeug haben wir das ja schon gemacht. Jetzt auch mit dem Schiff. Fehlt also noch zu Fuß oder mit dem Auto. Ha, das muss ich gleich noch auf die Bucket-List schreiben.

Nachdem wir also aus dem Taxi ausgestiegen sind, mussten wir uns ein wenig orientieren. Ein Cruise-Terminal ist halt doch etwas anderes, als ein Flughafen-Terminal. Den Eingang zum Boarding haben wir dann doch recht einfach gefunden. Es war dort, wo weniger Menschen gewartet haben. Die längere Menschenreihe hat nämlich darauf gewartet, dass sie ihr Gepäck abgeben durften. Und so waren nur ca. 150 Personen vor uns und haben darauf gewartet, dass das Handgepäck, wie am Flughafen, durchleuchtet wird.

Einchecken, nicht wie am Flughafen

Als nächstes haben wir einen Fragebogen bekommen, auf dem wir unsere persönlichen Daten nochmals erfassen durften. Dazu dann noch zwei Single-Opt-In Fragen, bei denen um die Erlaubnis für Werbe-Mails und die Datenverwendung zu Analysezwecken gefragt wurde. Diese haben wir dann komplett durchgestrichen, denn so ein kleines Kreuzchen kann ja noch jeder dazu mogeln. Weiter geht’s. Der eigentliche Check-In stand bevor und wir sind dort hin, wo alle anderen auch waren. Zu unserer Überraschung wurden wir nach der Nennung unserer Kabinennummer zu einem anderen Check-In Schalter begleitet und uns wurde mitgeteilt, dass wir Priority Boarding hätten. Was so eine Buchung einer Junior-Suite doch so alles mit sich bringen kann.

Zusätzlich zum Priority Boarding gab es noch gratis WI-FI an Board und eine Lounge, in welcher wir nahezu rund um die Uhr Getränke und Snacks bekommen konnten. Du kannst Dir vorstellen, was das am Ende der Cruise bedeuten kann, oder? Richtig! Plus 30kg Lebendmasse, mindestens.

 

VIP Travellers

Wir haben also direkt vom Priority-Boarding gebrauch gemacht und waren so ziemlich die ersten Menschen an Board, neben dem Schiffspersonal. Kaum an Board hat man uns dann vom Deck 4 auf Deck 11 geschickt, denn die Kabinen waren erst um 16:00 Uhr bereit für uns. Selbstverständlich haben wir die Treppen genommen – nahezu die komplette Cruise über. Oben angekommen, haben wir die Bar gefunden und einen Softdrink genommen, denn das normale Wasser war sehr stark gechlort, was für Sanny natürlich eine Herausforderung ist – auch beim Duschen, dazu aber später noch mehr. In unserer Villa hatten wir leider kein Frühstück mehr, dieses ist uns am Vortag ausgegangen und wir wollten nicht extra noch für eine Mahlzeit etwas einkaufen gehen. Wir waren also entsprechend hungrig an Board gegangen. Dass das nicht immer eine gute Idee ist, liegt nahe. Besonders dann, wenn uns dann ein Selbstbedienungsgrill vorgesetzt wird, an dem wir uns nach Lust und Laune bedienen können. Also hieß es Futter fassen und geniessen. 

Geniessen? Naja, geht so. Burger, Pommes, Hot Dogs und jede Menge frischer Salate fällt nicht unter die Kategorie Genuss, aber es langt zum satt werden. Schon am Boarding-Tag konnten wir ziemlich viele spannende Gespräche führen und entsprechend auch interessante Nomads kennenlernen. Einige davon sind schon seit Jahren ohne festen Wohnsitz unterwegs, andere fangen mit dieser Cruise damit an. Wir sind also irgendwo mitten drin. Nachdem alle 1500 Passagiere an Board waren, ging es dann gegen 18:00 Uhr endlich los in Richtung Alicante. Nachdem wir unsere Rucksäcke ausgepackt und uns in unserer Kabine eingerichtet haben, ging es auch schon zum ersten Dinner der Cruise. 

Essen mit Ansage

Punkt 19:15 Uhr wird per Durchsage darauf aufmerksam gemacht, dass doch bitte jeder seinen Tisch aufsuchen solle. Die Tische waren nämlich, wie Du oben sehen kannst, bereits zugewiesen. Feste Sitzordnung für Nomads? Geht das überhaupt? Wir sind rechtzeitig im Restaurant angekommen und sind an „unseren“ Tisch begleitet worden. Dort saßen schon 5 weitere deutsch sprechende Kreuzfahrer. Ein weiterer sollte noch dazu kommen. Es wurde Chlor-Wasser serviert und wir durften aus drei verschiedenen Weinen, Softdrinks oder Bier auswählen, was wir trinken wollten. Danach wurde die Bestellung für das 3-Gänge-Menü aufgenommen. „So soll das jetzt jeden Abend sein?“ schoß es mir durch den Kopf. Abwarten!

Fertig gegessen ging es für uns dann in die Disco, denn dort war die Eröffnungsveranstaltung für unsere Nomad-Cruise. Die Disco kannten wir schon, denn dort wurden wir mit Namensschildern, T-Shirt und Goodie-Bag versorgt. Eine kleine Ansprache, die Regeln der Nomads erklärt und weiter ging es in Richtung Pool-Bar. Zumindest für die meisten anderen. Wir gingen ins Bett, denn der Schlaf in der Villa war nicht so erholsam.

Eine Nacht später sind wir natürlich viel zu früh wach geworden und haben uns dann in den Wave-Club begeben und dort ein feudales Frühstück zu uns genommen. Instant-Kaffee mit Omelette und Bacon, dazu etwas Müsli und ein paar Früchte. Als es dann ein wenig gerumpelt hat, kam die Durchsage, dass wir im Hafen von Alicante festgemacht haben und wir uns auf den Landgang vorbereiten durften. Wir haben Dir ein paar Impressionen von Alicante mitgebracht, so dass Du selbst entscheiden kannst, ob Du da einmal hinmöchtest, oder nicht.

 

Alicante/Spanien

Um 13:00 Uhr sollte es eine große Landestypische Paella für alle Nomads geben. Immerhin waren wir 493 Nomads, so dass es wirklich eine riesige Pfanne gewesen sein muss. Wer meine Vorliebe für Fisch kennt, der weiß, dass ich die Paella nicht gekostet habe, Sanny sagte jedoch, dass sie ganz gut war. Der Landtag ging insgesamt sehr schnell vorrüber und es war Zack schon 19:15 und wir wurden gebeten ins Restaurant zum Dinner zu erscheinen. Nomads wie wir sind, sind wir dann einfach an neue Tische gegangen, damit wir neue Nomads kennenlernen können. Denn dies ist einer der Gründe, weshalb wir dort waren. Vernetzen und Workshops beiwohnen. Die Mitarbeiter vom Restaurant haben das zwar erst nicht verstanden, sind dann aber recht schnell damit klar gekommen.

Wir setzen Segel in Richtung Teneriffa, wo wir an Tag 5 erst ankommen sollen. Uns standen also 2 Seetage mit reichlich Programm bevor. Nach einem Besuch der Pool-Bar sind wir dann ins Bett und haben einigermaßen gut geschlafen. Ohne Wecker aufstehen klappt immer besser, so dass wir am Morgen ganz entspannt in den Wave-Club zum Frühstück gegangen sind. Instant-Kaffee, Rührei mit Bacon, etwas Müsli und ein paar Früchte (hast Du grad ein Deja-Vu?) wurden vernascht und wir haben bereits jetzt anregende Unterhaltungen geführt. Ja, ich werde jetzt mit diesem Frühstücksprozedere aufhören, denn es zog sich durch die ganzen 13 Tage. Stopp, Sanny hat später noch leckere Bananen-Pancakes entdeckt. Welch eine Abwechslung.

So standen also Key-Note-Speeches am Morgen, ein Mittagessen am Buffet und kleinere Workshops am Nachmittag auf dem Programm. So ging es fast jeden Tag. Außer wir waren in einem Hafen, denn dann haben wir versucht an Land zu essen. 

Teneriffa/Spanien

In Santa Cruz de Tenerife haben wir uns dann eine Apotheke gesucht, denn es gab einen akuten Anfall von Klimaanlagen Husten. Wir waren nicht die einzigen, die davon betroffen waren, so dass wir auch in der Apotheke nicht die einzigen Nomads waren. Noch ein wenig Sight-Seeing und wieder zurück zum Schiff. Wir brauchten Erholung und die Medikamente sollten wirken können. Mit dem gewohnten Programm (19:15 Dinner, Pool-Bar, Schlafen, Frühstück, etc.) setzten wir die Segel in Richtung Kapverdische Inseln, wo wir an Tag 8 festmachen sollten. Bis zu diesem Tag hat sich an der Lebensmittelqualität und der Menüauswahl beim Dinner auch nichts geändert. Es gab immer viel (zu viel) zu essen, ausreichend Alkohol und vor allem gab es alles mit extrem viel Zucker. Wir haben gehört, dass auf der Reise pro Tag ungefähr 800kg Zucker verbraucht werden. Bei insgesamt 3300 Personen an Board ist das echt ziemlich viel.

So viele Menschen

Die Anzahl frischer Kontakte nahm von Tag zu Tag zu, so dass wir bald schon Schwierigkeiten bekommen sollten, uns alle Geschichten zu merken. Dank der Namensschilder war dieser Punkt (Name) ja noch einfach. Selbst nach einem ausufernden Abend an der Bar, in der es jegliche Alkoholika gratis gab. Nein, keine Angst, wir haben nicht jeden Abend einen Reset gemacht. Andere hingegen schon. Hauptsächlich waren dies aber „normale“ Kreuzfahrtgäste. 

Endlich in Mindelo/Cabo Verde angekommen, haben wir die Chance zum Landgang ausgenutzt, sind zum Strand und wollten dort ein wenig Baden gehen. Wie Du im Video sehen kannst, war das gar nicht so einfach. Dafür haben wir Insta-Husbands bei der Arbeit beobachten können. Sehr lustig, wie die ganzen tollen Instagram Bilder entstehen. Da gehen die jungen Damen bis zu 30 mal denselben Weg im Sand und hüpfen ein wenig umher, damit das Foto auch möglichst natürlich aussieht. Ich hätte das ja gerne gefilmt, aber so indiskret wollte ich dann doch nicht sein.

Baden im Meer

Nach diesen lustigen Erlebnissen am Strand, dem für Sanny erholsamen Bad im Meerwasser, gingen wir also wieder zurück an Board der Sovereign und ich beschloss dem Jacuzzi einen Besuch abzustatten. Die Feststellung des Tages dabei war dann, dass es sich bei dem Wasser um nicht gechlortes Meerwasser handelt. In den Pools war das auch so. Hätten wir das nicht schon vorher wissen können? Also war ab dem Moment klar, dass der Pool für Sanny geöffnet war. Und ich wurde umgehend zum Insta-Husband befördert.

Ganz so schlimm ist es jetzt nicht geworden, aber für einen kurzen Moment hatte ich eben dieses Gefühl. 

Auf geht’s nach Brasilien

Es folgten drei weitere Tage und Nächte an Board, wobei die grundlegendste Änderung die war, dass unser Dinner-Menü in der Auswahl stark eingeschränkt worden ist. Statt vorher 6 Vorspeisen, 10 Hauptgängen und bis zu 6 Desserts gab es ab Cabo Verde nur noch 3 Vorspeisen, 4 Hauptgänge und 3 Desserts zur Auswahl. Wir wollen nicht jammern, das ist immer noch wahnsinnig viel, verglichen mit den Menschen, die wirklich nur drei Löffel Reis pro Mahlzeit bekommen. Dazu gab es ja auch noch das Abendbuffet im anderen Restaurant, so dass wirklich noch ausreichend Auswahl gegeben war. 

Außerdem wollten wir uns auf dieser Südamerika Reise ja im Minimalismus üben, warum nicht auch beim Essen. Aus diesem Grund haben wir während der Reise so richtig zugeschlagen und werden später dann eher so Essen, wie es die Einheimische Bevölkerung macht.

Minimalismus?

Ebenso minimalistisch ist auch unser Reisegepäck. Waren wir im April noch jeder mit einem großen Koffer plus Rucksack unterwegs, so haben wir dieses mal den Koffer weggelassen und sind nur noch mit dem Rucksack unterwegs. 25 Liter für mich und 40 Liter für Sanny. Darin sind alle elektronischen Geräte untergebracht, der Badezimmer-Bedarf und unsere Wäsche. Klar, wer in den Sommer fährt, der braucht keine warme Jacke und keine lange Hose mitschleppen. Aber was ist bei unserer Rückreise? Wie warm/kalt wird es dann sein? Geplant ist, dass wir im Februar nach Deutschland zurück kommen, damit ein paar Termine abgearbeitet werden können, die wir gerne wahrnehmen wollen. Februar? Da liegt meistens Schnee in Europa und die Temperaturen sind so zwischen +5°C und -15°C. Ideales Wetter für unsere kurzen Hosen und die T-Shirts. Alle übereinander!

Doch jetzt haben wir die Nomad Cruise abgesehen vom Husten ohne Seekrankheit überlebt und haben es in den 13 Tage nicht geschafft mit allen Nomds in Kontakt zu kommen, dafür waren es einfach zu viele. Und auch hier in Brasilien könnten wir, wenn wir wollten, uns auf den Weg machen und weitere Nomads kennenlernen. Nun erkunden wir Recife und freut Euch auf neue Busfahrgeschichten in der nächsten Woche.

KW2018-29 – Die Stadt im Osten

Wir sind in Ciudad del Este angekommen. Die Fahrt war zwar nicht besonders spektakulär, fing aber mit einem großen Streit an. Gestritten haben nicht wir, sondern die Fahrkartenverkäufer. Wer von denen darf uns nun sein Ticket verkaufen? Wer hat uns zuerst gesehen? Ob wir überhaupt mit dem Bus fahren möchten, der uns angeboten wird, werden wir nicht gefragt. Und es wird auch nicht über Preise gesprochen. Es wird nur darüber gestritten, wer uns die Tickets verkaufen darf. So geht das hier in Paraguay. Am Ende haben wir uns dann für einen Bus entschieden, der direkt abfahren sollte. Unsere Koffer waren schon weg, noch bevor wir die Reise überhaupt bezahlt hatten. Jetzt mussten wir zwangsläufig mit diesem Bus fahren oder unser Gepäck kommt ohne uns an.

In den Bus eingestiegen, überkam uns bald das pure Grauen. Er war schon sehr voll, und wir haben die Premiumplätze, direkt am WC bekommen. Kaum, dass wir saßen, ging die Reise auch schon los. Mit Vollgas die ersten 500 Meter gefahren und schon der erste Stopp, um noch weitere Fahrgäste aufzunehmen. Es hat sogar Abschnitte gegeben, da konnten wir wahnsinnige 20km am Stück fahren. Aber die Regel war eher, dass alle paar km angehalten wurde. Immer wieder sind Menschen ausgestiegen, immer wieder welche zugestiegen. Teilweise musste im Gang ein zusätzlicher Stehplatz geschaffen werden, damit noch weitere Fahrgäste mit konnten. Ich kann nur hoffen, dass das nicht immer so ist. Glauben mag ich es aber nicht.

Hotel Austria

Mit dem Taxi ging es dann zum Hotel, dies haben wir ja letzte Woche schon angekündigt. Und wie es der Name vermuten lässt, es ist ein Hotel, welches doch sehr an Hotels in Österreich erinnert. Die Einrichtung ist sehr rustikal, genau so auch der Empfang. Im harschen Deutsch wurden wir begrüsst, nachdem festgestellt wurde, dass wir aus Deutschland kommen. Ein wenig mehr Freundlichkeit hätte ich mir schon gewünscht. Man kann scheinbar nicht alles gleichzeitig haben. Der Familie vor uns erging es aber nicht wesentlich besser. Ihr großer Vorteil war, dass sie direkt als erstes gefragt haben, wie sie am besten zu den Wasserfällen kommen könnten. Es wurde direkt eine Taxiempfehlung ausgesprochen, jedoch ohne über den Preis zu sprechen. 

Wir haben also schnell eingecheckt, unser Gepäck auf das kleine Zimmer gebracht und sind dann in Richtung Touristeninformation gegangen. Dort sind wir sehr gut beraten worden, was die örtlichen Sehenswürdigkeiten angeht und wie wir dorthin kommen könnten. Mit Händen und Füßen, ein paar Brocken Spanisch, minimalen Wortfetzen Englisch und sehr viel Phantasie hatten wir nun einen Plan für die nächsten Tage.

Das Mega-Kraftwerk

Unser erster Besuch soll also dem Itaipu-Staudamm gelten. Als dieser und das zugehörende Kraftwerk, gebaut wurden, war es das größte Kraftwerk der Welt. Der Staudamm hat eine Kronenlänge von über 7.5km und ist bis zu 196m hoch. Die Generatoren können technisch bis zu 14.000 MW Energie erzeugen, wobei regelmäßig nur 10.800 MW mit einer Wassermenge von 10.500m³/s erzeugt werden. Das entspricht einer ungefähren Jahresleistung von 95TWh. So viel zu den technischen Details dieses imposanten Bauwerks, nun zu unserem Besuch.

Wir sind, wie von der Touristeninformation empfohlen, zu dem Ort gegangen, der uns als Abfahrtsort genannt wurde. Dort haben wir dann auf den Bus in Richtung Hernandarias gewartet. Nach ca. 15 Minuten ist eine sehr freundliche Paraguayo über die stark befahrene Straße zu uns gekommen und hat uns gefragt, ob wir Hilfe benötigen würden, ob wir zum Itaipu fahren möchten. Dies haben wir dann bejaht und uns wurde gezeigt, wo der Bus wirklich fährt. So ganz falsch standen wir nicht. Die lokalen Busse fahren in der Parallelstraße zu der, wo wir standen. Sie hat dann sogleich einen anderen Paraguayo gefunden, der uns beim Bus behilflich sein wollte. Da wir ja wussten, welches Unternehmen in diese Richtung fährt, haben wir bei jedem Bus dieses Unternehmens geschaut und auf den Bus gezeigt. Jedes mal war die Anwort „Nein, der ist es nicht.“ Aber er musste es sein. Nach ungefähr einer Stunde hatten wir dann die Nase wirklich voll, denn es ist bereits der vierte Bus an uns vorbei gefahren und der freundliche Paraguayo sagte jedes mal, dass dies nicht der richtige Bus wäre. Wir sind dann einfach in den nächsten Bus dieses Unternehmens, mit dem Ziel Hernandarias eingestiegen „worden“. „Worden“ deshalb, weil diese Buslinie mit einem zusätzlichen Mitarbeiter besetzt sind, der so laut das Ziel ausruft, das man kaum eine Chance hat den Bus wirklich zu verpassen.

Im Bus drin, waren wir zuerst verwundert, denn wir mussten kein Beförderungsentgelt bezahlen. Erst, als wir fast am Staudamm waren, stand der zweite Mitarbeiter neben mir und hat die Hand aufgehalten. Günstig wie gewohnt sind wir für 3.500Gs pro Person an unserem Ziel ausgestiegen. So, und nun? Wie geht es weiter? Die Karten-App hat uns da auch nicht weiter gebracht. Gott sei Dank sind hier aber überall so viele freundliche Menschen, die einem so gerne behilflich sind, dass es fast schon anstrengend ist, sie abzuwimmeln. Uns wurde gezeigt, in welche Richtung wir zu gehen haben. Die Karten-App sagte uns, dass der Weg noch ca. 6km lang sein wird. Auf meine Nachfrage hin wurde dies bestätigt. „Puh, 6km zu Fuß? Und zurück müssen wir auch wieder! Das wird ein spannendes Abenteuer.“ Wir haben uns tief in die Augen geschaut, der paraguayischen Großfamilie hinterher geschaut, die scheinbar das gleiche Ziel hatte wie wir, und sind dieser Familie hinterher gegangen.

Nach ca. 1km standen wir vor einem großen Kontrollposten mit mehreren Schranken und zu unserer rechten war ein Informationszentrum. Dort sind wir dann hinein. Zu unserer Erleichterung fuhren ab diesem Informationszentrum dann die Busse für die Besichtigungstouren. Wir mussten also doch nicht so weit laufen wie anfangs gedacht. Die gesamte Bustour hat ca. eine Stunde gedauert und führte uns zu verschiedenen Spots, welche natürlich alle so gestaltet sind, dass alle etwas sehen konnten und zusätzlich noch Durchsagen über eine Lautsprecheranlage getätigt werden konnten.

Bei den Bussen, die dort fahren, kann man Glück haben, oder auch nicht. Es gibt nämlich Busse mit und ohne Fensterscheiben. Wir hatten eine ohne Fensterscheiben, was bei diesen Temperaturen den Vorteil hatte, dass wir nicht in der klimatisierten Zone des Busses sitzen mussten und unsere Fotos entsprechend besser gestalten konnten. Andererseits, wenn es regnet, dann haben genau diese Busse einen recht unangenehmen Nachteil. Nach der kurzen Tour beschlossen wir, dass wir zu einem anderen Zeitpunkt auch noch die technische Führung mitmachen werden. Diese führt dann unter anderem direkt in die Generatorenhalle und an andere spannende Orte des Kraftwerks.

Staudämme und Wasserfälle

Nachdem Staudamm standen dann drei ereignisreiche Tage in drei verschiedenen Ländern auf dem Programm. Unser erster Weg führte uns nach Brasilien, durch Foz do Iguaçu, zu den Cataratas do Iguaçu. Wir sind mit einem privat vermittelten Touristenführer gefahren, mussten an der Paraguayisch-Brasilianischen Grenze nicht aussteigen, um die Pässe stempeln zu lassen. Brasilien nimmt es damit scheinbar nicht so sehr genau. Die Fahrt vom Hotel bis zur Grenze (2km) hat fast eine Stunde gedauert, die weiteren 20km danach nur noch 45 Minuten. So dachten wir dann, dass wir es nach der langen Fahrt ja schon fast geschafft haben und haben unsere Eintrittskarten für das Naturschutzgebiet gekauft. Nicht ohne die obligatorische Warteschlange. Bis zum Ticket brauchten wir ca. 10 Minuten. Die Eintrittskarten haben ca. R$ 63 pro Person gekostet. Mercosur Bürger zahlen weniger und Brasilianer noch weniger. Die Warteschlange im Freien waren dann auch nochmal 10 Minuten. Und in dem Bereich, den wir nicht von außen einsehen konnten standen wir weitere 60 Minuten. Das war sehr zermürbend.

An den Bussen angekommen wurden wir an jedem Halt auf Portugiesisch und Englisch über den Halt und dessen Besonderheiten aufgeklärt. Es gibt einige separat zu bezahlende Attraktionen, die man nutzen kann, aber nicht muss. Wir haben uns dafür entschieden keine Aufpreise zu bezahlen und nur die normalen Punkte abzulaufen. So sind wir am erstbesten Punkt ausgestiegen, wo man die Wasserfälle anschauen kann. Vorher sind wir auf die Verhaltensregeln hingewiesen worden. Es dürfen keine Lebensmittel ausgepackt werden, da es wilde Tiere gibt, die keine Scheu vor dem Menschen haben. „Dann ist ja alles klar“ dachte ich mir, holte die Kamera aus dem Rucksack und habe mich für ein gutes Foto in die Hocke begeben. Dummerweise hatte ich noch eine angebrochene Rolle Kekse in einer Seitentasche vom Rucksack stecken. Hatte, denn der Nasenbär findet solche Kekse genau so lecker wie ich und hat sich sogleich daran bedient. Mit der halben verbleibenden Rolle im Gebiss rannte er in einer wahnwitzig schnellen Geschwindigkeit den Berg hinab und hat versucht keinen Kollegen zu finden, der auch etwas von seiner Beute haben wollte. Die Kekse habe ich vergessen, ich kleiner Dummkopf. Alle anderen Besucher haben daraufhin die eigenen Lebensmittel kontrolliert und, sofern nicht schon zu spät, sicher verpackt. Ja, vor diesen Nasenbären wird zurecht gewarnt. Und sie schrecken nicht davor zurück an den nackten Beinen hinauf zu klettern, um Dir das leckere Eis aus den Händen zu klauen. Komme also ja nicht auf die Idee und verteidige das Eis, oder was auch sonst Du gerade gegessen hast. Du wirst verlieren, nicht nur das Essen, möglicherweise auch die Nasenspitze.

Der Weg hatte nur eine Richtung, so sind wir dieser gefolgt. Immer wieder konnte man die beeindruckende Größe der Wasserfälle beobachten und tolle Panoramabilder schiessen. Nach ungefähr 700m standen wir dann auch in einer Menschenschlage, die scheinbar kein Ende nahm. Also, das Ende der Schlange konnten wir sehen, aber den Weg dorthin nur erahnen. Und es würde noch bestimmt zwei, wenn nicht gar drei Stunden dauern, bis wir ganz vorn angekommen wären. Das wollten wir uns nicht antun. Was haben wir hier nur falsch gemacht? Eigentlich ganz einfach. Es sind momentan Winterferien und tolles Wetter in Brasilien, Argentinien und Paraguay. Und dann sind solche touristische Orte natürlich überlaufen. Also haben wir uns, nachdem uns die ersten 700m eine Stunde beschäftigt haben, einen anderen Weg gesucht und diesen auch gefunden. Es gibt also noch weitere Orte, von denen aus die Wasserfälle sehr gut zu sehen sind. Insgesamt waren wir drei Stunden im Naturpark und haben dort mehrere km Strecke gemacht.

Die Rückreise ging erstaunlich schnell. Wir haben keine 45 Minuten benötigt, um von den Wasserfällen zurück zum Hotel zu gelangen. Für den nächsten Tag haben wir uns dann bereits um 8 Uhr morgens mit dem Fahrer verabredet. Der Verkehr ist wohl deutlich mehr auf diesem Weg.

Argentinien, und ein pissiger Grenzer

Pünktlich wie ein deutscher Soldat war unser Fahrer bereits 10 Minuten früher als verabredet im Hotel und hat schon auf uns gewartet. Auf geht es in Richtung Grenze, heute müssen die Ausweise gestempelt werden. Kurz wurde abgefragt, ob wir alles dabei haben.

  • Reisepässe, da die Argentinier wohl stärker kontrollieren
  • 1500 PA (Pesos Argentinos), da der Eintritt in Bar bezahlt werden muss, alles andere geht mit Karte
  • Ausreichend zu trinken, da es wirklich warm war

Genau so hat es unser Reiseführer gesagt. Nachdem wir alles dabei hatten, sind wir los in Richtung Migraciones Paraguay. Es war nicht viel los, so sind wir sehr schnell dran gekommen. Sandra bei einem, ich bei einem anderen Grenzer. Meiner hat wohl gehofft, ein paar Gs nebenbei zu machen und fing an, Fragen zu stellen. Warum bin ich so lange schon in Paraguay? Die 90 Tage laufen bald aus. Habe ich schon die Residencia Permanente beantragt, und, und, und. Unser Fahrer wusste ja bereits über alles von uns Bescheid und hat den Grenzer ein wenig ausgebremst, was dem so gar nicht gefallen hat. Es folgten ein paar Wortwechsel auf Spanisch/Guarani, die ich absolut nicht verfolgen konnte, ich bekam meinen Stempel in den Pass und wir durften gehen.

Kurz durch Brasilien gefahren und schon stehen wir an der Grenze zu Argentinien. Dort war eine kleine Wartezeit von ca. 30 Minuten, welche recht schnell vergangen sind. Bei der Migraciones Argentina wurden keine Fragen gestellt. Stempel in den Pass und weiter geht die Fahrt. Nach weiteren 30 Minuten sind wir auf dem Parkplatz der Cataratas del Iguazú in Puerto Iguazú und sind zur Kasse gegangen. Hier waren die Warteschlangen an der Kasse schon deutlich länger, als es Tags zuvor in Brasilien war. Bis wir endlich unser Ticket kaufen konnten, ist eine weitere Stunde vergangen.

An der Kasse haben wir dann tolle Neuigkeiten erfahren dürfen. Die Tickets kosten nicht, wie uns mitgeteilt wurde, PA750, sondern nur PA600 und konnten auch mit VISA oder Mastercard bezahlt werden. Nun gut, wir hatten Bargeld dabei und haben daher bar gezahlt. Nachdem wir unser Ticket hatten, konnten wir ohne weitere Wartezeit direkt in den Park gehen. Auch hier können verschiedene Zusatzoptionen gekauft werden, wovon wir erneut Abstand genommen haben, da das „Hauptprogramm“ bereits ungefähr 4-5 Stunden in Anspruch nehmen würde. Ganz gemütlich sind wir also im prallen Sonnenschein, ohne Sonnenschutz und Sonnenschirm in Richtung des ersten Wassers gegangen. Die Wege sind sehr gut ausgeschildert, deutlich breiter als in Brasilien und weniger stark belaufen. Nachdem wir den unteren Teil der Wasserfälle zuerst angeschaut haben, sind wir dann noch zum oberen Teil gegangen. Dieser ist meiner Meinung nach weniger Interessant, wenn man bereits unten war. Denn auf dem unteren Kurs kann man so dicht an einen Wasserfall heran gehen, dass man beinahe die Hand in das fallende Wasser halten kann.

Auch diesen Ort werden wir nochmals besuchen, um noch zwei weitere Dinge abzuhaken. Wir hatten keine Chance zum Teufelsschlund zu kommen. Die Wartezeit auf den Zug dorthin betrug mehrere Stunden und zu Fuß wären es 4km in praller Sonne gewesen. Und wir möchten unbedingt eine Attraktion mit dem Motorboot befahren. Diese kostet dann übrigens 1500PA pro Person extra und kann mit Kreditkarte bezahlt werden.

Einen leckeren Café frappé später sind wir zurück zum Auto, wo unser Fahrer schon (immer noch) auf uns gewartet hat. An der Stelle sei erwähnt, dass er die ganze Zeit über, also fast fünf Stunden, auf uns gewartet hat. Vielen Dank, auch auf diesem Weg. Wenn Du mit dem Auto gefahren bist, dann bereite Dich auf eine kleine Überraschung vor, denn als Tourist musst Du für diesen kurzen Besuch noch eine Tourismusabgabe von PA36 pro Person abgeben. Ohne diese Abgabe kommst Du gar nicht aus dem Naturschutzgebiet raus. Und sie muss bar beglichen werden. USD, R$ oder Gs gehen auch, weshalb wir pro Person 10.000Gs bezahlt haben.

Die Ausreise aus Argentinien verlief ohne weitere Probleme. Durch Brasilien sind wir diesmal nicht so schnell gekommen wie noch am Vortag. Und dann war da die Einreise nach Paraguay. Sandra war wieder einmal vor mir, um einen Stempel zu bekommen. Kurz den Pass gescannt, Zack, ein neuer Stempel. Und bei mir? Tja, ich habe das Glück gepachtet. Ich durfte noch ein neues Foto machen lassen. Das vom Flughafen war wohl nicht gut genug. Oder habe ich mich so sehr verändert? Naja, ein klein wenig Bartwuchs sollte ja nicht so viel ausmachen, oder?

Indios, Schweizer und Tres Fronteras

Der letzte der drei Abenteuertage sollte eine ganz spezielle Erfahrung für uns werden. Aber als erstes haben wir gestern den Fahrer noch gebeten, uns ein paar Chipas zum Frühstück mitzubringen. Denn hier im Hotel ist das Frühstück alles andere als befriedigend. Ein gut würde ich definitiv nicht vergeben dafür. Auch wenn wir hier in Paraguay sind, darf ein Hotelier sich bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages etwas Mühe geben. Mit den noch warmen Chipas im Kofferraum sind wir wieder einmal pünktlich abgefahren. Beinahe endlose Kilometer über Asphaltstrassen führten uns zu einer – wohl recht guten – Erdstraße in ein Urwaldgebiet hinein. Hier in diesem Urwald hat sich um 1887 herum der Schweizer Pflanzenbiologe und Buchautor Mosè Giacomo Bertoni auf einem fast 200HA großen Grund niedergelassen. Das Haus der Familie ist vollständig renoviert als ein Museum eingerichtet, in dem etliche Exponate seiner Forschungsarbeit seit weit über 100 Jahren stehen. Es steht unmittelbar am Rio Paraná mit dem Blick auf Argentinien. Wenn ich dürfte, ich würde an diesem Ort leben wollen. Es ist unglaublich schön in diesem Urwald. Da er als Naturschutzreservat deklariert ist, ist es für uns unmöglich, dort ein neues Leben zu beginnen. 

Dennoch gibt es dort aktuell 22 Familien mit mehr als 150 Mitgliedern, die dort seit Urzeiten leben. Indios haben ein paar Hütten auf diesem Land und leben, leider nicht mehr wirklich im Einklang mit der Natur dort. Überall finden wir Plastikmüll und andere Dinge, die die Moderne so mit sich bringt. Eine recht neue Grundschule wurde errichtet, damit die jungen Indios zumindest ein kleines bisschen Allgemein- und Grundbildung vom Staat bekommen. Ob diese das überhaupt wollen; ich möchte es nach dem gesehenen beinahe bezweifeln. Kurz vor der Schule ist ein kleiner Indio-Friedhof mit sehr einfachen Grabstätten. Auf diesem Friedhof ist eine starke Energie zu spüren. Und wer genau hinfühlt, spürt auch die Richtung, in die diese Energie zieht.

Wir sind noch etwas weiter in den Urwald gegangen, wo wir dann einzelne, sehr einfache Holz- oder Strohhütten vorgefunden haben. Der Clan-Chef und Medicus der Familie hat uns begrüsst. Er war auch die Hauptansprechperson für all unsere Fragen. Da er fast nur Guarani gesprochen hat, waren unsere Fragen doch sehr knapp bis gar nicht vorhanden. Dieser Mann hatte in seinem Leben viele Erfahrungen machen dürfen und dies war für jeden ersichtlich. Mit einem gewissen Argwohn hat er uns sehr genau angeschaut, bevor er uns ein kleines Lächeln entgegen bringen konnte. Wobei angeschaut schon fast etwas wenig ist. Er hat uns quasi innerhalb von wenigen Momenten komplett analysiert und dahingehend eingestuft, ob wir eine Gefahr für den Clan darstellen könnten oder nicht. Da wir keine Gefahr waren, durften wir noch weitere Familienmitglieder besuchen und uns anschauen, wie sie leben.

Nach diesen intensiven Eindrücken bei den Indios sind wir weiter gefahren zu einem Ort, der sich „Hito Tres Fornteras“ nennt. Hier treffen Rio Iguazu und Rio Paraná aufeinander und bilden gleichzeitig die Landesgrenzen von Brasilien, Argentinien und Paraguay. In jedem Land wurde eine Aussichtsplattform errichtet, von welcher aus man die beiden anderen Länder sehen kann. Sonst ist dieser Ort sehr unspektakulär und wir haben Ihn nur angefahren, weil er eh auf dem Weg lag. Hier kostet der Eintritt pro Tourist übrigens 5.000Gs. Es war nur ein kurzer Stopp, da auch das Wetter sich weiter verschlechterte. Dafür hatten wir bis anhin ja reichlich Sonne und haben in wenigen Tagen reichlich gesehen. Fakt ist, dass wir wieder kommen werden und Itaipu und die Wasserfälle noch einmal anschauen werden. Und jetzt verdauen wir erst einmal unseren ganzen Eindrücke.

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