Es geht mal wieder in ein neues, unbekanntes Land. Was für ein Abenteuer. Aber die Woche fing ja mit Weihnachten an und nicht mit Reisen. Wir kennen Weihnachten bisher nur aus Europa und dort auch nur aus dem Großraum DACH. Es war für uns bisher ein eher besinnliches Fest mit viel Ruhe und Geborgenheit. Umso überraschter waren wir dann jetzt in Paraguay. Wir haben uns mit Freunden verabredet zum Pizza Essen. An dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Dankeschön an die beiden. Die Pizza war großartig. Und der Kaffee ist umwerfend. Falls Ihr mal in Asunción seid und gerne guten Kaffee trinkt, dann schaut unbedingt beim Café Tucán vorbei.

Nach dem leckeren Abendessen sind wir vier dann wieder nach San Jeronimo gegangen. Es ist ja nur einen Steinwurf entfernt und es wirklich so schön dort.  Die Bar hatte auch an diesem Abend geöffnet, jedoch gab es keine Speisen, sondern nur Getränke. Das war für uns auch ok so. Ich sage Euch, Weihnachten bei 30°C im Schatten, bzw. auch in der Nacht, ist schon etwas anderes als Weihnachten mit Schnee und Minustemperaturen.

Es wird laut

Dass Rituale anders sind, wenn das Land ein anderes ist, dass war uns von vorn herein klar. Wie anders es tatsächlich ist, haben wir diesen Abend erlebt. Bereits in der Bar, bzw. an der Bar wurde den ganzen Abend mit Feuerwerkskörpern gefeiert. Die ganze Familie sitzt beisammen und spät am Abend, also ganz sicher nicht vor 22:00 Uhr, gibt es dann das Abendessen. Die Knallerei wurde immer lauter, so dass wir gegen 23:00 Uhr beschlossen haben langsam wieder zu gehen. Es war ein Fußmarsch von ca. 4km, welchen wir zu absolvieren hatten. Die Straßen waren gespenstisch leer. Keine Autos, keine Taxis, nicht einmal Polizei war auf den Straßen. Alle haben gegessen und gefeiert.

Kurz vor Mitternacht waren wir in unserem Hostel angekommen und dann ging es so richtig los. Es wurden Raketen in die Luft geschossen, Böller auf dem Boden verteilt und ein jeder der noch zwei gesunde Hände hatte, hat auch geknallt. Fast wie in Europa an Silvester, oder in der Schweiz zur 1. August-Feier. Ganze zwei Stunden haben wir uns das Spektakel angeschaut. Denn an Schlafen war bei dem Lärm wirklich nicht zu denken. Und kaum dass wir im Bett lagen, ging ein Böller direkt neben unserem Fenster hoch. Die Druckwelle habe ich am ganzen Körper spüren können. Das war der Moment, wo ich wirklich froh war, dass es ein wirklich sehr robustes Fliegengitter vor den Fenstern gab. Danach haben wir beide nicht mehr viel mitbekommen. Wir müssen wohl tief und fest eingeschlafen sein.

Zum Flughafen und dann nach Peru

Ganz früh am Morgen hat unser Host uns ein Taxi zum Flughafen bestellt. Dieses war verdammt schnell an der Unterkunft. Ja, es ist entgegen der Einbahnstraße gefahren, aber das hat die Polizei auch gemacht, daher haben wir das nicht besonders komisch gefunden. Verkehrsregeln sind dazu da, um gebrochen zu werden. Weiteres findest Du auch hier in unserem Beitrag aus Woche 38. Diese Taxifahrt zum Flughafen hat jedoch alles zuvor erlebte in den Schatten gestellt. Das generelle Tempolimit in Paraguay beträgt innerorts 50 km/h. Für unseren Fahrer war das aber eher 80 km/h. Die 30er Zonen durch die wir fuhren, wurden mit unverminderter Geschwindigkeit befahren. Entsprechend schnell waren wir natürlich auch am Flughafen. Nicht zu erwähnen ist natürlich, dass auch rote Ampeln nur an ganz wenigen Kreuzungen berücksichtigt wurden. Und nur so lange, wie auch Querverkehr gefahren ist. Sobald kein anderes Auto mehr von Quer kam, hieß es wieder Vollgas.

So waren wir also drei Stunden vor dem Abflug am Flughafen und sind in die Abflughalle gegangen. Dort fiel unser erster Blick auf die Abflugliste, auf der unser Flug – natürlich – nicht stand. Am LATAM Schalter war gerade Briefing, wir sind also fix zu den ganzen Mitarbeitern gegangen und haben nachgefragt. Ja, unsere Flugtickets waren gültig und der Flug geht um 07:55 Uhr. Alles ist gut. Warum der Flug nicht angeschrieben steht, wusste auch niemand. In der VIP Lounge war der Flug dann später zu sehen. Das Boarding war in Paraguay dann anders als in Brasilien. Hier gab es nur drei Wartereihen. Eine für Priority/Disabled, eine für die Reihen 15-29 und eine für die Reihen 1-14. Aber das hat irgendwie nicht so gut funktioniert wie das System, was wir in Brasilien erleben durften.

Der Flug verging eigentlich ziemlich schnell, obwohl es auch vier Stunden waren. Und es gab sogar etwas zu essen und zu trinken, was wir bei den vergangenen beiden Inlandsflügen in Brasilien nicht hatten. Oder zumindest nur gegen Aufpreis. Interessant war dann, dass wir bereits 150km vor Lima in den Gleitflug gingen. Das war in fast 11km Höhe. Erst ungefähr 30km vor Lima, bei einer Flughöhe von 2400 Metern wurden die Motoren wieder auf 90% Leistung hochgefahren, so dass wir nicht langsamer wurden. Und dann, ich weiß gar nicht wie ich das sagen soll, waren wir plötzlich 25km am Ziel vorbei geflogen. Vielleicht waren wir noch zu hoch, oder der Wind war aus der für uns falschen Richtung. Auf jeden Fall mussten wir drehen und konnten dann erst landen.

Lima/Peru

Am Flughafen angekommen ging es im Eiltempo durch die Migraciones. Kurz die Frage, von wo wir gekommen sind und ob man unsere Bordkarten sehen könnte und schon durften wir weiter. Gut, das woher steht irgendwie im Reisepass drin, der letzte Stempel ist Paraguay und es ist nur ein einziger Flieger frisch gelandet, so dass auch die Frage nach der Flugnummer echt seltsam war. Aber so ist es wohl in Peru. Wir haben uns nach einem Heißgetränk gesehnt und auch tatsächlich eine Filiale unserer Lieblingsheißgetränkebar gefunden. Kurz nach der Bestellung, noch während wir auf die Getränke warteten, haben wir einen Deutschen Reisenden getroffen. Irgendwie hat man nie seine Ruhe vor denen, oder? Nein, das ist nur ein kleiner Scherz. Wir freuen uns immer, wenn wir andere Reisende treffen. So kommen wir doch viel schneller an die wirklich wichtigen Informationen über das Land.

Danach wollten wir dann schauen, dass wir etwas zu essen bekommen und sind in Richtung der Busse gegangen. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Taxifahrer getroffen, der uns dann gesagt hat, dass er doch viel günstiger sei um nach Miraflores zu kommen. „Dort wollt Ihr doch hin, oder?“ suggerierte er uns. Ja, dort wollten wir tatsächlich hin. Der Schnellbus fährt ungefähr eine Stunde, er braucht nur 40 Minuten und sein Preis ist genau so hoch, wie der Bus für uns beide kosten würde. Also haben wir uns für ihn entschieden. Hey, hier wird alleine am Flughafen viel mehr Englisch gesprochen als in ganz Paraguay. Das ist so klasse, weil wir im Englischen viel sicherer sind als im Spanischen.

Auf geht die wilde Fahrt

So saßen wir dann im Taxi und haben uns halb auf Englisch, halb auf Spanisch mit unserem Rennfahrer unterhalten. Mit aller Gewalt wollte er uns nun auch beweisen, dass die Peruanischen Autofahrer viel verrückter sind, als anderen auf der Welt. Aus Erfahrung können wir jedoch sagen, dass Lima und Asunción sich da wirklich nicht viel nehmen. Es wird gleich oft gehupt, gedrängelt und überhaupt die Verkehrsregeln mißachtet wie in Paraguay. Das wollte er uns nur so überhaupt nicht glauben. Immerhin konnte er uns in der versprochenen Zeit nach Miraflores bringen und hat uns dann an einem Einkaufszentrum abgesetzt, was wir so in der Bauart überhaupt noch nicht gesehen haben.

Das Larcomar ist nach oben hin offen und man kann von der Straße aus hinein schauen. Also hinab schauen trifft es eigentlich eher. Grundsätzlich ist das dann auch schon der gesamte Unterschied zu den bisher gesehenen Einkaufszentren. Und im Gegensatz zu Brasilien und Paraguay haben wir keine Kinderspaßecke gefunden. Nachdem wir etwas zu Essen gefunden haben, sind wir dann noch los und haben nach Telefonkarten Ausschau gehalten. Von unserem Taxifahrer wussten wir bereits, dass wir am besten Claro nehmen sollten. Ungefähr einen Kilometer entfernt gibt es ein Geschäft in dem wir fündig werden sollten. Und es ging ziemlich schnell. Für eine 3GB Karte, die 30 Tage gültig ist haben wir dann 30 Soles bezahlt. ungefähr 4€. Das ist ein brauchbarer Preis. Entgegen vielen Informationen, die wir vorher von Reisenden bekommen haben, waren die Karten direkt freigeschaltet. Das heißt, wir konnten sofort ein Uber rufen und uns zu unserer Unterkunft fahren lassen.

Überhaupt finde ich Uber eine ganz tolle Sache. Die Wagen müssen einen bestimmten Qualitätsstandard erfüllen, dürfen höchstens ein paar Jahre alt sein und meistens ist Uber sogar günstiger als die lokalen Taxi Unternehmen. Side-Story: In Paraguay ist Uber seit dem 20.12.2018 offiziell erlaubt. Dies wird ein Umbruch geben bei den Taxen, denn die haben dort ja einen katastrophalen Zustand.

Santiago de Surco

So heißt der Stadtteil von Lima, in dem wir dieses mal unterkommen. Es ist ein wirklich angenehmes AirBnB mit einer tollen Ausstattung. Unser Host spricht sehr gutes Englisch, lernt aktuell Französisch und selbstverständlich kann er auch Spanisch. Wir haben bereits am ersten Tag so viele tolle Tipps von ihm bekommen, dass wir gar nicht ganz sicher sind, ob wir diese alle umsetzen können. Neben all den Informationen hat er uns natürlich auch noch gesagt, wo wir besser nicht hingehen sollten. Nicht einmal am Tage. Und wenn ein Einheimischer das sagt, dann ist da wohl etwas dran. Also machen wir das besser auch nicht.

Wir sind dann am nächsten Tag einfach losgezogen, haben einige der Orte angeschaut, die uns empfohlen wurden. Und es ist wirklich hübsch hier. Uns fällt auf, dass es hier einiges sauberer ist, als in Recife oder Asunción. Die Bilder an den Wänden sind teilweise von besserer künstlerischer Qualität und erzählen manchmal sogar eine Geschichte. Insgesamt sollten wir fast 20km zu Fuß durch Surco, Barranco und Churrillos gegangen sein. Inklusive einem guten Sonnenbrand für uns beide. Wir sind aber auch jedes mal wieder so dämlich und vergessen den Sonnenschutz in diesen Breitengraden. Dabei scheint die Sonne gar nicht so krass, wie wir es aus manchen Europäischen Sommern kennen. Dennoch ist der UV-Index hier so hoch, dass man eigentlich niemals ohne Sonnenschutz aus dem Haus gehen sollte.

Graffiti und Autos

 

Dazu gibt es einen haufen lustiger Fahrzeuge mit drei Rädern. Ich weiß nicht genau wie sie hier genannt werden, aber sie haben ähnlichkeit mit Tuk Tuk’s. Reine Plastik-Bomber mit Zweitakt-Motoren. Viel Lärm um nichts, wenn die losfahren. Auf der anderen Seite gibt es dann ein recht gut ausgebautes Metrobus-Netz. Und diese Busse haben mal so richtig große Motoren. Zumindest hört es sich so an und wenn man die losfahren sieht, dann kommt es einem Formel-1 Auto gleich.

Ansonsten halt das übliche Südamerika, mit Fahrzeugen, die nur noch von der Farbe zusammen gehalten werden und andererseits so richtig gut restaurierten Oldtimern. Und es muss hier dann auch einmal eine Straßenbahn gegeben haben. Zumindest haben wir einen sehr alten Triebwagen gefunden, der scheinbar auch noch fahren könnte, wenn denn die Schienen frei wären.

 

Fisch schmeckt doch

Irgendwann kam dann der Moment, wo wir hungrig geworden sind. Da wir schon auf dem Rückweg zur Unterkunft waren, liefen wir an so vielen verschiedenen Restaurants vorbei, dass wir uns absolut nicht entscheiden konnten, was wir denn essen wollten. Vorbei an großen Markthallen, die vergleichbar mit dem Mercado 4 in Asunción sind, haben wir dann in der Altstadt von Surco eine kleinere Markthalle gefunden, in der wir etwas essen konnten. Zu meiner Überraschung gab es Ceviche. Eine Peruanische Fisch-Spezialität. Dabei wird der frische Fisch in kleine Stücke geschnitten und in einer Limetten-Würze kalt gegart. Dazu wurde dann Mais und Süßkartoffel serviert. Ich darf feststellen, dass mir das wirklich gut geschmeckt hat. Damit erweitert sich meine Fischvielfalt auf drei Gerichte. Sushi, Suribi (eine Fischart) und eben Ceviche.

Ein paar Tage später haben wir uns dann an weitere traditionelle Gerichte herangewagt. Wir können es nicht genau beschreiben was wir da gegessen haben. Teilweise hat es sogar geschmeckt. Was Street-Food angeht, wird man hier in Peru ähnlich verwöhnt wie in Paraguay auch. Es gibt überall kleine Stände mit Empanadas oder Asados. So war es klar, dass wir diese auch kosten wollten. Und was soll ich schreiben, die Empanadas de Carne, die wir probiert haben, waren in einem süsseren Teig gebacken, wie wir es aus Paraguay kannten. Und dazu kam dann noch, dass sie mit Puderzucker bestäubt waren. Das war einigermaßen verstörend für uns. Wir bleiben aber dran und werden weitere Speisen versuchen. Wobei ich liebend gerne noch mehr Ceviches probieren möchte.

Und wie geht’s weiter?

Nach dieser halben Woche in Lima können wir schon mal sagen, dass es uns deutlich besser gefällt als in Recife. Natürlich soll die Meinung zu Recife keine Meinung zu Brasilien sein. Es kann dort durchaus sehr viele spannende Orte geben, die eben so schön sind wie das, was wir hier jetzt sehen durften. Fakt ist, dass wir uns neben Paraguay eben auch Peru als mögliche dauerhafte Lösung anfreunden könnten. Um aber eine feste Meinung dazu zu bekommen, müssen wir noch mehr Reisen. Und so wird es dann auch noch Ausflüge geben, die etwas aus Lima heraus gehen. Ebenso suchen wir aktuell nach Unterkünften im Norden des Landes. Peru ist ja immerhin mehr als drei mal so groß wie Deutschland, so dass es durchaus auch mal problematisch wird etwas gutes zu finden.

Anmeldung zum Newsletter

Anmeldung zum Newsletter

Sollen wir Dich immer auf dem Laufenden halten?

Ja, das ist ganz einfach, trage unten Deinen Namen und Deine E-Mail-Adresse ein und drücke auf "Anmelden".

Du meldest Dich damit an unserem Newsletter an. Selbstverständlich kannst Du Dich auch jederzeit wieder abmelden.

Datenverarbeitung erlaubt?

Die Anmeldung war erfolgreich.