Endlich ist es soweit. Wir haben den 19. November, es ist ungefähr 10 Uhr am Morgen und wir sitzen mit zwei (neu) befreundeten Nomaden in einem Taxi, um von der Unterkunft zum Cruise-Terminal in Barcelona zu fahren. Wie lange haben wir uns darauf gefreut, endlich einmal auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen. Und dann noch eine Transatlantikfahrt mit Äquatorquerung. Es gibt Spirituosen, die bekommen ein besonderes Prädikat, wenn sie den Äquator überqueren. Haben wir das jetzt auch verdient? Ja, mit dem Flugzeug haben wir das ja schon gemacht. Jetzt auch mit dem Schiff. Fehlt also noch zu Fuß oder mit dem Auto. Ha, das muss ich gleich noch auf die Bucket-List schreiben.

Nachdem wir also aus dem Taxi ausgestiegen sind, mussten wir uns ein wenig orientieren. Ein Cruise-Terminal ist halt doch etwas anderes, als ein Flughafen-Terminal. Den Eingang zum Boarding haben wir dann doch recht einfach gefunden. Es war dort, wo weniger Menschen gewartet haben. Die längere Menschenreihe hat nämlich darauf gewartet, dass sie ihr Gepäck abgeben durften. Und so waren nur ca. 150 Personen vor uns und haben darauf gewartet, dass das Handgepäck, wie am Flughafen, durchleuchtet wird.

Einchecken, nicht wie am Flughafen

Als nächstes haben wir einen Fragebogen bekommen, auf dem wir unsere persönlichen Daten nochmals erfassen durften. Dazu dann noch zwei Single-Opt-In Fragen, bei denen um die Erlaubnis für Werbe-Mails und die Datenverwendung zu Analysezwecken gefragt wurde. Diese haben wir dann komplett durchgestrichen, denn so ein kleines Kreuzchen kann ja noch jeder dazu mogeln. Weiter geht’s. Der eigentliche Check-In stand bevor und wir sind dort hin, wo alle anderen auch waren. Zu unserer Überraschung wurden wir nach der Nennung unserer Kabinennummer zu einem anderen Check-In Schalter begleitet und uns wurde mitgeteilt, dass wir Priority Boarding hätten. Was so eine Buchung einer Junior-Suite doch so alles mit sich bringen kann.

Zusätzlich zum Priority Boarding gab es noch gratis WI-FI an Board und eine Lounge, in welcher wir nahezu rund um die Uhr Getränke und Snacks bekommen konnten. Du kannst Dir vorstellen, was das am Ende der Cruise bedeuten kann, oder? Richtig! Plus 30kg Lebendmasse, mindestens.

 

VIP Travellers

Wir haben also direkt vom Priority-Boarding gebrauch gemacht und waren so ziemlich die ersten Menschen an Board, neben dem Schiffspersonal. Kaum an Board hat man uns dann vom Deck 4 auf Deck 11 geschickt, denn die Kabinen waren erst um 16:00 Uhr bereit für uns. Selbstverständlich haben wir die Treppen genommen – nahezu die komplette Cruise über. Oben angekommen, haben wir die Bar gefunden und einen Softdrink genommen, denn das normale Wasser war sehr stark gechlort, was für Sanny natürlich eine Herausforderung ist – auch beim Duschen, dazu aber später noch mehr. In unserer Villa hatten wir leider kein Frühstück mehr, dieses ist uns am Vortag ausgegangen und wir wollten nicht extra noch für eine Mahlzeit etwas einkaufen gehen. Wir waren also entsprechend hungrig an Board gegangen. Dass das nicht immer eine gute Idee ist, liegt nahe. Besonders dann, wenn uns dann ein Selbstbedienungsgrill vorgesetzt wird, an dem wir uns nach Lust und Laune bedienen können. Also hieß es Futter fassen und geniessen. 

Geniessen? Naja, geht so. Burger, Pommes, Hot Dogs und jede Menge frischer Salate fällt nicht unter die Kategorie Genuss, aber es langt zum satt werden. Schon am Boarding-Tag konnten wir ziemlich viele spannende Gespräche führen und entsprechend auch interessante Nomads kennenlernen. Einige davon sind schon seit Jahren ohne festen Wohnsitz unterwegs, andere fangen mit dieser Cruise damit an. Wir sind also irgendwo mitten drin. Nachdem alle 1500 Passagiere an Board waren, ging es dann gegen 18:00 Uhr endlich los in Richtung Alicante. Nachdem wir unsere Rucksäcke ausgepackt und uns in unserer Kabine eingerichtet haben, ging es auch schon zum ersten Dinner der Cruise. 

Essen mit Ansage

Punkt 19:15 Uhr wird per Durchsage darauf aufmerksam gemacht, dass doch bitte jeder seinen Tisch aufsuchen solle. Die Tische waren nämlich, wie Du oben sehen kannst, bereits zugewiesen. Feste Sitzordnung für Nomads? Geht das überhaupt? Wir sind rechtzeitig im Restaurant angekommen und sind an „unseren“ Tisch begleitet worden. Dort saßen schon 5 weitere deutsch sprechende Kreuzfahrer. Ein weiterer sollte noch dazu kommen. Es wurde Chlor-Wasser serviert und wir durften aus drei verschiedenen Weinen, Softdrinks oder Bier auswählen, was wir trinken wollten. Danach wurde die Bestellung für das 3-Gänge-Menü aufgenommen. „So soll das jetzt jeden Abend sein?“ schoß es mir durch den Kopf. Abwarten!

Fertig gegessen ging es für uns dann in die Disco, denn dort war die Eröffnungsveranstaltung für unsere Nomad-Cruise. Die Disco kannten wir schon, denn dort wurden wir mit Namensschildern, T-Shirt und Goodie-Bag versorgt. Eine kleine Ansprache, die Regeln der Nomads erklärt und weiter ging es in Richtung Pool-Bar. Zumindest für die meisten anderen. Wir gingen ins Bett, denn der Schlaf in der Villa war nicht so erholsam.

Eine Nacht später sind wir natürlich viel zu früh wach geworden und haben uns dann in den Wave-Club begeben und dort ein feudales Frühstück zu uns genommen. Instant-Kaffee mit Omelette und Bacon, dazu etwas Müsli und ein paar Früchte. Als es dann ein wenig gerumpelt hat, kam die Durchsage, dass wir im Hafen von Alicante festgemacht haben und wir uns auf den Landgang vorbereiten durften. Wir haben Dir ein paar Impressionen von Alicante mitgebracht, so dass Du selbst entscheiden kannst, ob Du da einmal hinmöchtest, oder nicht.

 

Alicante/Spanien

Um 13:00 Uhr sollte es eine große Landestypische Paella für alle Nomads geben. Immerhin waren wir 493 Nomads, so dass es wirklich eine riesige Pfanne gewesen sein muss. Wer meine Vorliebe für Fisch kennt, der weiß, dass ich die Paella nicht gekostet habe, Sanny sagte jedoch, dass sie ganz gut war. Der Landtag ging insgesamt sehr schnell vorrüber und es war Zack schon 19:15 und wir wurden gebeten ins Restaurant zum Dinner zu erscheinen. Nomads wie wir sind, sind wir dann einfach an neue Tische gegangen, damit wir neue Nomads kennenlernen können. Denn dies ist einer der Gründe, weshalb wir dort waren. Vernetzen und Workshops beiwohnen. Die Mitarbeiter vom Restaurant haben das zwar erst nicht verstanden, sind dann aber recht schnell damit klar gekommen.

Wir setzen Segel in Richtung Teneriffa, wo wir an Tag 5 erst ankommen sollen. Uns standen also 2 Seetage mit reichlich Programm bevor. Nach einem Besuch der Pool-Bar sind wir dann ins Bett und haben einigermaßen gut geschlafen. Ohne Wecker aufstehen klappt immer besser, so dass wir am Morgen ganz entspannt in den Wave-Club zum Frühstück gegangen sind. Instant-Kaffee, Rührei mit Bacon, etwas Müsli und ein paar Früchte (hast Du grad ein Deja-Vu?) wurden vernascht und wir haben bereits jetzt anregende Unterhaltungen geführt. Ja, ich werde jetzt mit diesem Frühstücksprozedere aufhören, denn es zog sich durch die ganzen 13 Tage. Stopp, Sanny hat später noch leckere Bananen-Pancakes entdeckt. Welch eine Abwechslung.

So standen also Key-Note-Speeches am Morgen, ein Mittagessen am Buffet und kleinere Workshops am Nachmittag auf dem Programm. So ging es fast jeden Tag. Außer wir waren in einem Hafen, denn dann haben wir versucht an Land zu essen. 

Teneriffa/Spanien

In Santa Cruz de Tenerife haben wir uns dann eine Apotheke gesucht, denn es gab einen akuten Anfall von Klimaanlagen Husten. Wir waren nicht die einzigen, die davon betroffen waren, so dass wir auch in der Apotheke nicht die einzigen Nomads waren. Noch ein wenig Sight-Seeing und wieder zurück zum Schiff. Wir brauchten Erholung und die Medikamente sollten wirken können. Mit dem gewohnten Programm (19:15 Dinner, Pool-Bar, Schlafen, Frühstück, etc.) setzten wir die Segel in Richtung Kapverdische Inseln, wo wir an Tag 8 festmachen sollten. Bis zu diesem Tag hat sich an der Lebensmittelqualität und der Menüauswahl beim Dinner auch nichts geändert. Es gab immer viel (zu viel) zu essen, ausreichend Alkohol und vor allem gab es alles mit extrem viel Zucker. Wir haben gehört, dass auf der Reise pro Tag ungefähr 800kg Zucker verbraucht werden. Bei insgesamt 3300 Personen an Board ist das echt ziemlich viel.

So viele Menschen

Die Anzahl frischer Kontakte nahm von Tag zu Tag zu, so dass wir bald schon Schwierigkeiten bekommen sollten, uns alle Geschichten zu merken. Dank der Namensschilder war dieser Punkt (Name) ja noch einfach. Selbst nach einem ausufernden Abend an der Bar, in der es jegliche Alkoholika gratis gab. Nein, keine Angst, wir haben nicht jeden Abend einen Reset gemacht. Andere hingegen schon. Hauptsächlich waren dies aber „normale“ Kreuzfahrtgäste. 

Endlich in Mindelo/Cabo Verde angekommen, haben wir die Chance zum Landgang ausgenutzt, sind zum Strand und wollten dort ein wenig Baden gehen. Wie Du im Video sehen kannst, war das gar nicht so einfach. Dafür haben wir Insta-Husbands bei der Arbeit beobachten können. Sehr lustig, wie die ganzen tollen Instagram Bilder entstehen. Da gehen die jungen Damen bis zu 30 mal denselben Weg im Sand und hüpfen ein wenig umher, damit das Foto auch möglichst natürlich aussieht. Ich hätte das ja gerne gefilmt, aber so indiskret wollte ich dann doch nicht sein.

Baden im Meer

Nach diesen lustigen Erlebnissen am Strand, dem für Sanny erholsamen Bad im Meerwasser, gingen wir also wieder zurück an Board der Sovereign und ich beschloss dem Jacuzzi einen Besuch abzustatten. Die Feststellung des Tages dabei war dann, dass es sich bei dem Wasser um nicht gechlortes Meerwasser handelt. In den Pools war das auch so. Hätten wir das nicht schon vorher wissen können? Also war ab dem Moment klar, dass der Pool für Sanny geöffnet war. Und ich wurde umgehend zum Insta-Husband befördert.

Ganz so schlimm ist es jetzt nicht geworden, aber für einen kurzen Moment hatte ich eben dieses Gefühl. 

Auf geht’s nach Brasilien

Es folgten drei weitere Tage und Nächte an Board, wobei die grundlegendste Änderung die war, dass unser Dinner-Menü in der Auswahl stark eingeschränkt worden ist. Statt vorher 6 Vorspeisen, 10 Hauptgängen und bis zu 6 Desserts gab es ab Cabo Verde nur noch 3 Vorspeisen, 4 Hauptgänge und 3 Desserts zur Auswahl. Wir wollen nicht jammern, das ist immer noch wahnsinnig viel, verglichen mit den Menschen, die wirklich nur drei Löffel Reis pro Mahlzeit bekommen. Dazu gab es ja auch noch das Abendbuffet im anderen Restaurant, so dass wirklich noch ausreichend Auswahl gegeben war. 

Außerdem wollten wir uns auf dieser Südamerika Reise ja im Minimalismus üben, warum nicht auch beim Essen. Aus diesem Grund haben wir während der Reise so richtig zugeschlagen und werden später dann eher so Essen, wie es die Einheimische Bevölkerung macht.

Minimalismus?

Ebenso minimalistisch ist auch unser Reisegepäck. Waren wir im April noch jeder mit einem großen Koffer plus Rucksack unterwegs, so haben wir dieses mal den Koffer weggelassen und sind nur noch mit dem Rucksack unterwegs. 25 Liter für mich und 40 Liter für Sanny. Darin sind alle elektronischen Geräte untergebracht, der Badezimmer-Bedarf und unsere Wäsche. Klar, wer in den Sommer fährt, der braucht keine warme Jacke und keine lange Hose mitschleppen. Aber was ist bei unserer Rückreise? Wie warm/kalt wird es dann sein? Geplant ist, dass wir im Februar nach Deutschland zurück kommen, damit ein paar Termine abgearbeitet werden können, die wir gerne wahrnehmen wollen. Februar? Da liegt meistens Schnee in Europa und die Temperaturen sind so zwischen +5°C und -15°C. Ideales Wetter für unsere kurzen Hosen und die T-Shirts. Alle übereinander!

Doch jetzt haben wir die Nomad Cruise abgesehen vom Husten ohne Seekrankheit überlebt und haben es in den 13 Tage nicht geschafft mit allen Nomds in Kontakt zu kommen, dafür waren es einfach zu viele. Und auch hier in Brasilien könnten wir, wenn wir wollten, uns auf den Weg machen und weitere Nomads kennenlernen. Nun erkunden wir Recife und freut Euch auf neue Busfahrgeschichten in der nächsten Woche.

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