Warum sind wir schon wieder krank?

Es ist Winter auf der Südhalbkugel. In Paraguay heißt das, dass es nicht mehr jeden Tag über 25°C sind. Wir haben hier durchaus Tage mit nur 6°C, die sich für uns, durch den eisigen Südwind anfühlen wie -15°C. Hier merken wir einmal mehr, wie wichtig der warme Golfstrom für Europa ist. Die extrem kalte Luft aus Argentinien sorgt dafür, dass wir wieder mal krank im Bett liegen. Denn wir haben nicht dir richtige Bekleidung für dieses Wetter mitgenommen. Daher für jeden, der über den Winter in Südamerika sein möchte, der Tipp: nehmt Eure Winterbekleidung aus Europa mit. Auch wenn das eventuell heißt, dass Ihr einen zusätzlichen Koffer mitnehmen müsst; es lohnt sich, der eigenen Gesundheit zu Liebe.

In unserer zweiten Unterkunft, direkt in Asunción, waren wir sehr verwundert, als die Eigentümer bei 15°C bereits im Haus mit einer Jacke saßen. Dort hatten wir noch keinen Südwind, er hätte aber jederzeit kommen können. Und er ist gekommen. In unserer jetzigen Unterkunft ist es noch einmal extremer, weshalb ich auf die Unterkunft in Asunción nicht weiter eingehe. Hier in Encarnación leben wir, wir schon einmal erwähnt, direkt am Fluss, also ohne andere Häuser auf der Südseite. Und der kalte Wind pfeift nur so durch das Gemäuer.

Dieses Haus ist, wie die meisten Häuser in Paraguay, nur mit einer einfachen Mauer gebaut. Keine Doppelmauer mit Luftkammer, keine Plastikverpackung (Wärmedämmung) vor der Betonschale, keine Glas- oder Steinwolle oder Dampfsperre im Dach. Die Fenster sind einfache Glasscheiben in einer Holz- oder Metallführung, ohne Dichtgummi. Dazu sind es häufig Schiebefenster, so dass die zwei Scheiben, eine feste und eine zum schieben, mit einem Abstand von 5mm zueinander gebaut sind. Durch diesen Abstand weht der Wind ohne wirklichen Widerstand. Die Fenster schließen nach oben zum Dach mit einer Holzleiste ab, jedoch hat diese Holzleiste in diesem Haus einen Abstand von bis zu 2cm zum Dachbalken. Auch hier weht es eisig kalt hindurch.

Eine Heizung mit Radiatoren oder Heizschleifen im Boden suchten wir vergebens. Warum auch, wenn es 10 von 12 Monate im Jahr so warm ist, dass eine Klimaanlage sinnvoller ist als eine Heizung. Aus diesem Grund leben die Paraguayos damit, dass im Winter im Haus eine warme Jacke und Winterstiefel angelegt werden. Für uns ist das total neu und im ersten Moment unverständlich. Nach etwas Reflektion aber absolut nachvollziehbar. Also haben auch wir die Jacke an, manchmal auch zwei. Und statt einem dünnen Shirt dann auch mal zwei oder drei übereinander. Zwiebeltechnik funktioniert hier sehr gut. Bei den Socken in den Schuhen wird es dann schon enger, im wahrsten Sinne des Wortes.

Da unsere Zeit in Encarnación langsam zu Ende geht, wir aber noch ein paar Highlights erkunden wollten, zogen wir los, um uns ein Auto zu mieten, da der Nahverkehr hier wirklich ein Nahverkehr ist. Ich hatte es ja in der letzten Woche schon geschrieben. Es gibt in der ganzen Stadt genau eine Autovermietung, die wir dann auch aufgesucht haben. Zu unserer Freude spricht man dort sogar recht gut Englisch. Mit einem strahlenden Lächeln erzählt uns Cyndia, dass sie überhaupt keine Fahrzeuge vor Ort hat. Ein Kollege aus Asunción bringt aber heute eines, welches reserviert ist. Sie meldet sich via WhatsApp bei uns, wenn wieder ein freies Auto bei Ihnen steht. Bis heute ist dies leider nicht passiert. Also bleiben die Besuche der Jesuiten Ruinen leider aus, sofern wir nicht von der nächsten Stadt aus dort hin fahren.

Hunger!

Dann beschäftigen wir uns lieber damit, was wir oder die Paraguayos am liebsten machen, nämlich Essen. Wer geht nicht gerne Essen? Und immer wieder beobachten wir, wenn wir hier durch die Gegend gehen, dass es so kleine Straßenstände gibt. Eigentlich sieht das eher aus wie ein Vorgarten, wo ein riesiger Grill drin steht und ein paar Tische stehen und Du denkst: „Aha, ist das jetzt ein Vorgarten oder doch eines von diesen kleinen Straßenrestaurants?“ Und Du siehst dann ein kleines Schild, manchmal auch etwas größer, selbst beschrieben, was darauf hinweist, dass Du hier typisch traditionelle paraguayische Speisen bekommst. Fleischspiesse, Würstchen, Rippchen und all die anderen Dinge, die Du auf dem Grill findest. Dann hält plötzlich ein Auto an, während Du immer noch darüber denkst, ob es wirklich ein Restaurant ist oder nicht doch der Garten einer Familie, denn es sitzen schon so viele große und kleine Menschen und essen. Dann ist da noch ein Tisch frei und man denkt sich, warum er nicht auch noch benutzt wird. Aus diesem kleinen Auto steigen dann viel zu viele Menschen aus, was in Europa gar nicht zulässig wäre, hier aber niemanden stört und sie gehen ganz zielstrebig auf das Grundstück zu, setzen sich an den Tisch und wenn noch ein paar Stühle fehlen, dann werden die von den Nachbartischen genommen, sofern sie denn frei sind.

Das Essen beginnt damit, das sich viel unterhalten wird, bis einer oder zwei zu dem riesigen Grill gehen und mit dem Grillmeister sprechen. In Windeseile werden viele verschiedene Dinge vom Grill auf Teller verfrachtet und dann auf dem Tisch verteilt. Alsdann wird das Fleisch im Kreise der Familie gegessen, ja förmlich zelebriert. Dies passiert natürlich auch in regulären Restaurants, sofern der Tisch nicht von den Mitarbeitern zugewiesen wird, werden in Windeseile von den gefühlten drei Autoladungen Menschen, die zu einer Familie gehören, die Tische zusammengeschoben und andere besorgen bereits die ersten Teller mit Essen, wenn es sich denn um Selbstbedienungsrestaurants handelt. In beiden Fällen dauert das Essen gefühlt mehrere Stunden, da immer wieder etwas neues zu Essen und zu Trinken auf den Tischen Platz findet. Dies ist der ganz normale Wahnsinn hier in Paraguay, dass die Familien, durchaus auch mit Zehn bis 14 Personen, sitzen und essen.

In den großen „Patio de Comidas“ in den Einkaufszentren, ein Bereich in den Shoppingcentern mit mehreren 100 Tischen und bis zu 15 verschiedenen Restaurants, wird es ganz genau so gehandhabt. Eine Familie mit 15 Mitgliedern überfällt die Fressmeile, sucht sich einen Bereich aus, wo sie gerne sitzen möchten und verteilt sich dann auf die verschiedenen Bestellbereiche, um sich dort individuell das Essen zu bestellen. Jeder also so, wie es es gerne möchte, der eine mag lieber Empanadas, der andere lieber Pasta und der nächste hat am liebsten ein großes Milanesa. Am Ende sitzen alle gemeinsam beim Essen. Für das Trinken ist meistens einer verantwortlich und besorgt dann Flaschenweise Softdrinks oder Saft in einer großen Karaffe.

In den Restaurants, in denen man einen Tisch zugewiesen bekommst, gibt es dann auch Tische für 20 oder mehr Gäste. Und dort kann es Dir passieren, dass Du an einen Tisch platziert wirst, an dem bereits eine große Familie speist. Das ist aber weder für die Paraguayos, noch für die Bedienungen ein Problem, also lass es nicht zu Deinem Problem werden und geniesse die Situation einfach. Möglicherweise kannst Du dort schon die ersten Kontakte zu den Einheimischen knüpfen, während Ihr vielleicht gemeinsam am Dessertbuffet steht. All dies funktioniert allerdings auch sehr gut, wenn das Essen à la carte bestellt wird. Und versuche nicht es mit Deutschland zu vergleichen, denn Du wirst sicherlich nicht das gleiche Ambiente erleben. Das Zelebrieren des Abendessens, wie es hier in Paraguay stattfindet, gefällt uns persönlich sehr viel besser, als das sterile  Pärchenessen in deutschen Restaurants.

Und dann war da noch…

…diese Reiseplanung. Eigentlich sitzen wir jede Woche erneut zusammen und gucken, wie und wo es für uns weitergeht. Ich glaube, ich freue mich wahnsinnig auf ein eigenes Fahrzeug, da wir dann nicht permanent erneut schauen müssen, wo wir gerne nächtigen möchten und vor allem wie wir dort hin gelangen.

Und so schweben wir dann immer wieder zwischen Unterkunftsuche und „wie kommen wir da hin“, wie weit entfernt ist es vom Busbahnhof, benötigen wir ein Taxi oder können wir laufen und dem „Lass uns mal nach einem eigenen Fahrzeug suchen“ hin und her. Zugegeben, bei schlechtem Wetter und gutem Internetzugang ist dies eine erfreuliche Abwechslung zueinander immer wieder zwischen mobile.de oder ebay.de oder den lokalen Onlinebörsen und airbnb, den Onlinepräsenzen der Buslinien oder sogar den Flugsuchmaschinen  hin und her zu wechseln. Auf die Dauer ist dies jedoch extrem anstrengend.

Wenigstens geht es nächste Woche dann weiter in Richtung Ciudad del Este, der Stadt des Ostens. Dort haben wir ein Hotelzimmer gebucht, da die Airbnb Unterkünfte deutlich teurer waren. Also, lasst Euch überraschen, was wir nächste Woche anschauen werden und Euch berichten wir natürlich darüber.

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