Selbst kochen oder Essen gehen?

Da wir in den letzten Wochen feststellen durften, dass es kaum einen Unterschied macht, ob wir selbst kochen oder essen gehen, gehen wir öfters auch mal zum Essen aus. Hier in Encarnación ist es sogar noch häufiger, als noch in Asunción. Woran das liegt? Wenn ich ganz ehrlich bin, ich kann es nicht begründen. Wir lernen dadurch aber auch einiges über die Ernährung der Paraguayer. Sehr gerne essen die Paraguayer Pizza, Hamburger, Milanesa (eine Art paniertes Fleisch, meistens mit einer Scheibe Käse und Tomate drauf), Empanadas oder Pasta. Oder sie essen gegrilltes Fleisch. Von einem Stand an der Strasse, oder in einer Churrascaria. Ein Grill Restaurant, in dem Fleisch an Spiessen gegrillt wird und dann in vielen Restaurants direkt am Tisch für den Kunden abgeschnitten wird.

In einer solchen Churrascaria waren wir nun auch am Dienstag. Mit dem Unterschied, dass das Fleisch dort nicht am Tisch abgeschnitten wird, sondern vor dem Grill. Wir waren mit der ersten Runde beschäftigt, als vor der Tür des Restaurants einige Fahrzeuge mit Blaulicht vorfuhren. Spontan sind einige Angestellte zur Tür gelaufen und alle Gäste haben sich zur Tür umgedreht. Herein kamen Polizisten und Militärs aus Paraguay und Argentinien, welche sich zu einem gemeinsamen Mittagessen getroffen haben. Nachdem diese Gruppe, beziehungsweise die „Chefs“, mit dem Essen fertig waren, wurde noch eine kleine Fotosession gemacht und so schnell wie sie kamen, sind sie wieder weg gewesen.

Warum schreibe ich nun von schlechtem Essen? Nun, in Europa haben wir in jeder Woche mindestens drei bis vier fleischlose Tage gehabt. Dies fällt uns nun hier verdammt schwer, da wir auf den Wochenmärkten oder in den Supermärkten bis auf Mais, Paprika, Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln wirklich keine anderen Gemüse finden können. Und wenn Du jetzt zufällig Vegetarier bist, dann würden wir uns freuen, wenn Du uns aus diesen Gemüsen ein paar tolle Rezeptvorschläge machen kannst. Aber in der Summe ist dies keine wirklich ausgewogene Ernährung.

Am Sonntag sind wir in einem Pastarestaurant gewesen. Zu Fuß dort hin, Pasta gegessen und danach für fast zwei Stunden am Strand im Sand gelegen, weil wir aufgrund dieser enormen Menge Weissmehl gar nichts mehr konnten. Wenn man das nicht gewohnt ist, dann schlägt das absolut auf den Magen, beziehungsweise das Verdauungssystem. Schön war das nicht.

Endlich wieder Regen und Wind

Total fasziniert sind wir von diesem Wind. Als Nordlichter, die wir nun einmal unbestritten sind, sind wir schon einiges in Sachen Wind gewohnt. Aber, dass der Wind durch die Häuser pfeifft, eisig kalt, ohne Heizung und ohne Widerstand, dass ist für uns echt ungewohnt. Und so schön unsere aktuelle Unterkunft auch ist, mit dem Blick auf den Fluss und die tolle Abendbeleuchtung, so hatten wir auch schon Wasser in der Unterkunft durch den starken Regen. 

Und was macht man bei Regen? Richtig, man arbeitet. Der Blog will geschrieben werden, die Fotos wollen sortiert werden, die Videos wollen gesichtet werden und wenn das erledigt ist, dann soll daraus auch noch ein neues Video entstehen. Und wer keine Lust auf Arbeiten hat, der bildet sich weiter. Entweder lernen wir also Spanisch, oder wir lernen wie man mit den Schnittprogrammen, oder den Bildbearbeitungsprogrammen besser umgehen kann. Oder wir bereiten weitere, noch geheime Projekte vor. Denn auch das sind Aufgaben, die einfach erledigt werden müssen.

Mit dem Colectivo durch die Stadt

Wir haben uns diese Woche dafür entschieden, dass wir uns die Stadt ein wenig genauer anschauen wollen.  So sind wir einfach in einen Bus eingestiegen und haben uns mitnehmen lassen, bis er nicht mehr weiter fährt. In Encarnación kostet die einfache Fahrt übrigens nur 2500Gs. Das sind umgerechnet ca. €0.36. Und auch hier spielt es dann keine Rolle, ob Du nur ein paar Meter fährst, oder aber von der Startstation bis zu Endstation. Unsere Unterkunft ist ziemlich in der Mitte einer Linie, also sind wir einfach mal los in Richtung argentinischer Grenze. In diesem Bereich von Encarnación sind sehr viele kleine Geschäfte, die allesamt ihre Waren anpreisen. Die Preise sind mehrheitlich in Peso angeschrieben, so dass wir nicht wirklich sagen konnten wie günstig oder teuer es ist. Aus der Schweiz kennen wir ja nun den extremen Einkaufstourismus, weil eine Zeit lang der Wechselkurs von CHF zu EUR extrem günstig für die Schweizer stand. Hier in Paraguay setzen die Grenzregionen anscheinend sehr auf die reicheren Argentinier, jedoch haben wir auch an den Wochenenden sehr wenige Autos mit argentinischem Kennzeichen gesehen. Es scheint fast so, als wäre der grenzübergreifende Einkauf hier nicht so weit verbreitet wie in Europa.

Als offensichtliche Touristen wurden wir folglich auch an jeder Ecke von Einheimischen angesprochen und uns wurden kleine Zettelchen vor die Nase gehalten. Werbende – in Hamburg auf dem Kiez sagt man Koberer – die ihre Provision erhalten, sofern wir mit dem Zettel in der Hand in das Geschäft gehen, für das geworben wird. Dabei wollten und wollen wir doch gar nichts kaufen. Wir haben alles bei uns was wir gerade benötigen. Eigentlich sogar noch immer etwas zu viel. Daran arbeiten wir aber bei jedem Koffer packen und unglücklicherweise auch bei jeder Wäsche. Das Phänomen der fehlenden Socken ergreift uns hier regelmässig. Dabei schauen wir immer sehr genau in der Waschmaschine nach, ob auch wirklich alles raus ist. 

Das Tereré-Experiment

Es heißt, man ist nicht in Paraguay gewesen, wenn man nicht wenigstens ein mal Tereré oder Mate aus einer typischen Guampa mit dem dazu passenden Trinkrohr, der Bombilla, getrunken hat. Wir wollten uns also diese Prozedur nicht nehmen lassen, haben verschiedene Anleitungen gesichtet, den Einheimischen dabei zugeschaut und es dann im Geheimen, in unserer Unterkunft, auf einen Versuch ankommen lassen.

Eine Tatsache ist, dass die Paraguayos sehr wenig bis gar nicht Rauchen, obwohl Zigaretten hier vergleichsweise günstig sind. Nachdem wir also alles vorbereitet hatten, den Tee nach Anleitung mit Wasser übergossen haben, kam der Moment der Wahrheit. Vorsichtig am Trinkrohr gesaugt und den ersten Schluck auf der Zunge verlaufen lassen. Die einstimmige Reaktion von uns beiden war: „Dann kann ich auch Rauchen. Wäh, schmeckt das nach Zigarette.“

Ich habe dann, mutig wie ich bin, noch ein paar mal nachgefüllt. Besser wurde es nicht, aber auch nicht schlimmer. Für uns steht jedenfalls fest, dass dieser paraguayische Trinkgenuss nicht in unser Repertoire der Rituale aufgenommen wird. Und wo wir schon bei Tee sind, so sind die verschiedenen Tee Sorten hier in Paraguay eher nicht mit denen vergleichbar, die wir aus Europa kennen. Ein, in großer Not, gekaufter Earl-Grey-Tee schmeckte mit einem Schuss Kuhmilch ungefähr genau so wie pure Hafermilch. Für die eingangs erwähnten Vegetarier ist das möglicherweise eine willkommene Abwechslung. Wenn aber sonst auch immer nur das gleiche Gemüse auf dem Teller liegt, dann ist es auch damit schnell wieder vorbei.

 

Die weitere Planung

Was wir wirklich unterschätzt haben: die Reiseplanung. Natürlich wussten wir vorher schon sehr genau, dass wir eine Weltreise machen möchten und nicht eine Paraguay Reise. Aber selbst hier in Paraguay Unterkünfte zu finden, die einen nicht das halbe Vermögen kosten, dazu noch so liegen, dass man auch mal etwas unternehmen kann, ist schon kompliziert genug. Hinzu kommt der, hier in Paraguay, beinahe übermäßig strapazierte Ausspruch: Hüte Dich vor Sturm und Wind, und Deutschen, die im Ausland sind. Geht es nur nach diesem Ausspruch, darf man keinem Deutschen trauen, der im Ausland sein Geschäft machen möchte. Möglicherweise gibt es hier in Paraguay jedoch einen Schlag Menschen, die sich so gut vernetzt haben, dass immer die gleichen Empfehlungen ausgesprochen werden, damit ein paar kleine Provisionen fliessen können. Beweisen können wir das nicht.

Wir haben also ganze zwei Tage damit verbracht, um zu schauen, wohin wir als nächstes reisen möchten. Denn ein paar feste Termine haben wir in Europa; was dazwischen kommt, wissen wir immer noch nicht genau. Bestimmt finden wir noch heraus, wohin es gehen soll. Es ist wirklich auch Arbeit, die da zu erledigen ist, für die wir nicht bezahlt werden.

Neben den ganzen mittel- und langfristigen Planungen haben wir uns dann auch noch um die kurzfristigen Dinge gekümmert. In der nächsten Woche werden wir definitiv mit einem Auto umher fahren und ein paar touristische Orte ansteuern. Lass Dich überraschen, was es alles zu sehen gibt in Paraguay.

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