Die leere Altstadt

Am Sonntag war in Paraguay „Dia del Padre„, also Vatertag. Von unserem Gastgeber bin ich in der Küche mit einem großen Strahlen begrüsst worden. „Alles Gute zum Vatertag für Dich und für mich“ hat er mir entgegen geschmettert. Selbstverständlich auf Spanisch, was Sandra und ich inzwischen immer besser verstehen. Das Gefühl für die Sprache kommt mit jedem Tag mehr.

Wir haben uns für den heutigen Tag in der Altstadt mit einem Paar verabredet, welches wir kürzlich kennenlernen durften. In dieser Woche war für uns wieder einmal ein Wohnungswechsel angesagt. Da wir von Asunción nach Encarnación reisen wollten, mussten wir uns also auch noch ein Busticket kaufen. Die Fernbusse sind, im Gegensatz zu den Stadtbussen, nämlich nicht direkt im Bus zu bezahlen. Es ist quasi wie in Deutschland mit der Fernbahn. Das Ticket wird am Schalter gekauft und gilt dann für diese bestimmte Fahrt.

Ein Taxi stand – wie unsichtbar bestellt – bereits vor der Türe parat. Unsere Vermieter haben Besuch bekommen. Wir haben also dieses Taxi belegt und uns zum Terminal de Busses fahren lassen. Ein ganz normaler Busbahnhof, wie ihn die meisten Großstädte auch haben. Die Fahrkarte ist ähnlich groß, wie ein Flugticket, nur nicht ganz so stabil. Sie ist ja auch nicht aus leichtem Karton, sondern aus dünnem Papier. Und man verliert sie besser nicht, denn es gibt nur diese eine. Ob sie irgendwo registriert ist, weiß ich nicht. Könnte schon sein, denn sie wird von einem Computer gedruckt. Interessanterweise wird dann die Sitzplatznummer von Hand auf dem Ticket vermerkt. Manchmal darf man sich wirklich wundern. 

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: es gibt ca. 20 verschiedene Busunternehmen, von denen wenigstens die Hälfte die Verbindung Asunción-Encarnación bedient. Jetzt ist also die Frage, welches Unternehmen wir wählen sollen. Sandra hat sich vorher via Internet das notwendige Wissen über die möglichen Unternehmen angeeignet und die, zeitlich, für uns beste Verbindung heraus gesucht. Da hier in Paraguay sehr vieles, sehr teuer ist, bin ich einfach nach dem Motto verfahren: Wenn das Unternehmen sich vier Schalterplätze leisten kann, dann sind die Busse auch gut.

Der Busbahnhof

Vom Busterminal sind wir dann mit dem nächstbesten Bus in Richtung Altstadt gefahren. Dummerweise haben wir den Bus direkt an der Ampel anhalten wollen, was der Fahrer mit einem leicht grimmigen Gesichtsausdruck quittiert hat. Keine 20 Meter weiter ist doch die Bushaltespur, wo er so oder so angehalten wäre.

Die Fahrt ging weiter und wir waren sehr erstaunt über die fast leeren Straßen. So kannten wir die Stadt bisher noch nicht. Also mit wenigen Autos schon, aber so ganz ohne Autos? Ja, ist auch nicht ganz richtig, aber es fühlte sich so an. Wir konnten auf den Straßen gehen ohne Angst zu haben, dass ein Autofahrer uns anhupt. Habe ich schon erzählt, dass ich über die Hupe in Paraguay noch einen separaten Bericht machen möchte?

Also haben wir uns ein Restaurant gesucht – ja, wirklich gesucht – um etwas zum Mittag zu bekommen. Dies war dann nämlich doch nicht so einfach wie gedacht. An jedem Tag bekommt man an jeder Ecke etwas zu Essen, nur am Vatertag ist fast alles geschlossen. So haben wir also eine große Runde gedreht, um zu sehen, was alles geöffnet hat. Und es war nicht viel. Von den bekannten Burger-Ketten abgesehen, haben wir kaum ein anderes Restaurant gefunden. Also sind wir in ein Burger-Restaurant gegangen, welches keiner der in Europa ansässigen Ketten angehört. Und was soll ich euch sagen, das Essen war sehr gut. 

Der Sonnenuntergang

Unser ursprüngliches Motiv für diesen Ausflug war ja der versprochene Sonnenuntergang am Fluss. Wir hatten uns also mit dem befreundeten Pärchen getroffen, einen Kaffee getrunken und sind zur rechten Zeit herunter zur Costanera, der Uferstraße am Fluss, gegangen. Gemäß unserem Reiseführer wird diese Straße am Sonntag Abend für den Fahrzeugverkehr gesperrt und es gibt einen Haufen Verkaufsstände für alle möglichen Leckereien. Kurz gesagt, die Autos sind noch gefahren und die Leckereien beschränken sich auf Churros und Popcorn. Diese dafür dann alle paar Meter, also verhungern wird man bestimmt nicht, sofern man auf Süßes steht. Aber Fotos, wie sie von anderen Blogs bekannt sind, konnten wir nicht machen. Dafür war es viel zu bewölkt in Argentinien. Argentinien? Ja natürlich. Denn von Asunción aus ist man in nur 30 Minuten Autofahrt in Argentinien. Einmal schnell über den Rio Paraguay, dann links abbiegen und über die Grenze fahren.

Am Dienstag sind wir zum Shopping Mariscal gefahren, da dort ein Wochenmarkt in der Tiefgarage stattfinden sollte. Und tatsächlich, auf dem Parkdeck war ein kleiner, feiner Wochenmarkt mit ca. 50 Ständen, die alles verkauft haben, was benötigt wird. Obst, Gemüse, Fleisch, Backwaren, Medikamente, Getränke, einfach alles. Die Qualität von Obst und Gemüse ist auf diesem Wochenmarkt übrigens sehr viel besser als in den üblichen Supermärkten. Wenn Du also in Paraguay frisches und gutes Obst und Gemüse haben möchtest, dann auf einem Wochenmarkt und nicht im Supermarkt. Das waren wir aus der Schweiz anders gewohnt. Jetzt, da wir es wissen, können wir anders planen.

Cirque du Soleil

Kaum, dass wir aus dem Shoppingcenter heraus gekommen sind, haben wir von der Straße schon laute Musik gehört. Wir haben auf dem Wochenmarkt etwas zu Essen gekauft und wollten dieses dann auch bald verzehren. So sind wir in Richtung der Musik gewandert und haben einen langen roten Teppich gesehen. Einige Menschen standen davor oder darauf und die Musik kam von genau dort. Auf einer Bank waren noch Plätze frei, diese haben wir dann genutzt um zu essen. Wir waren gerade fertig mit essen, als die Musik eine Pause gemacht hat und eine kleine Gruppe Menschen einen Kreis formiert hat. In der Mitte ein Tänzer mit einer Break-Dance Show, die Gruppe war am klatschen. Und dann fing die Musik wieder an. Die kleine Gruppe hat sich neu aufgestellt und fing an zu tanzen. Von den Seiten sind weitere Tänzer hinzugekommen und wir haben eine sehr tolle Choreografie angeschaut. So beschlossen wir noch etwas zu bleiben. Diese Show durften wir etwas später nochmals sehen. Und nach einer gefühlten Ewigkeit ist ein Bus angehalten und ein paar Artisten vom Cirque de Soleil hat auf dem roten Teppich ein paar Kunststücke präsentiert. Wir waren unverhofft in einer Werbeaktion gelandet. Was für ein tolles Erlebnis.

Der Reisetag

Mittwoch war nun endlich unser Reisetag. Wir haben all unsere Dinge in den Koffern und Rucksäcken verstaut, das Zimmer aufgeräumt und unser Geschirr gewaschen. Unsere Gastgeber sind leider bereits am Montag nach Argentinien verschwunden, so dass wir uns nicht einmal mehr verabschieden konnten. Ihr House-Keeper hat uns dann die Last des Schlüssels abgenommen und uns ein Taxi zum Busterminal bestellt. Viel zu früh waren wir um 9 Uhr schon dort. Und der Bus fuhr erst um 12 Uhr. Irgendwer hat vergessen an der Uhr zu drehen. Wir konnten also die Busse beobachten, die dort alle 30 Minuten abfuhren. Fast neue, waren selten, oder deutlich ältere Busse fuhren dort von den 25 Bussteigen ab. Was für ein Bus erwartete uns also?

Mit meiner Theorie, dass ein Busunternehmen mit vier Schalterplätzen auch mehr Geld hat, lag ich absolut richtig. Es kam ein fast neuer Doppelstock Bus mit vier Achsen an den angegebenen Halteplatz. Das Gepäck verstaut und ab in das Oberdeck. Die Plätze 3 und 4 waren unsere. Also direkt vorn an der Scheibe. Zum Glück, und zum Leidwesen von Sandra. Das Fahren in Paraguay macht manchmal durchaus Angst. Zum Beispiel dann, wenn auf der zweistreifigen Straße, bei Tempo 90Km/H, bis auf zwei Meter aufgefahren wird, um dann, mit einem Geschwindigkeitsüberschuss von 5Km/H, am Berg, mit Gegenverkehr in 700 Metern, an einem 21 Meter langen LKW vorbei zu schleichen. Kurz gesagt: wir haben überlebt und die Kamera auch. Nach ziemlich genau 6 Stunden Fahrtzeit sind wir dann in Encarnación angekommen. An Board gab es Verpflegung und einen Kinofilm. Keinen aktuellen, aber einen auf Englisch mit Spanischem Untertitel, ein paar Deutschsprachigen Sätzen und etwas Spanisch, was jeweils in Englisch untertitelt wurde.

Mit dem Taxi wollten wir dann zu unserer neuen Unterkunft fahren. Doof ist, wenn weder Du, noch der Taxifahrer wissen, wie man da hin kommt. Unser Navi wusste es schon, der Taxi Fahrer konnte damit jedoch nichts anfangen. Und auch auf unser Gestikulieren hin, konnten wir ihn nicht zum Weiterfahren überreden. Also habe ich den Host angerufen und den Taxifahrer mit ihm sprechen lassen. Danach ist er dann genau so gefahren, wie das Navi es auch wollte. Da er das Taxameter nicht angeschaltet hatte, war ich schon auf Verhandeln eingestellt. Er hat das Gepäck ausgeladen und nannte einen Preis, der für mich angemessen war. Auch Sandra hat nicht widersprochen, sondern bezahlt.

Enrique, unser neuer Host

Ich habe dann noch eine Nachricht von Enrique bekommen, dass er in 30 Minuten zu Hause sein wird. Seine Eltern würden uns jedoch hineinlassen. Sie sprechen nur kein Englisch, geschweige denn Deutsch. Für uns war das absolut ok, denn wir sind Gast und wollen hier lernen. Also lernen wir auch Spanisch, um die Menschen zu verstehen. Wir sind, wie auch schon zuvor, sehr höflich und freundlich empfangen worden. Uns wurde die Unterkunft gezeigt und wir haben uns sogar schon unterhalten können. Zugegeben, echter Small-Talk umfasst mehr Worte, aber ich denke, dass es darauf nicht ankommt. Wir dürfen die komplette obere Etage für uns beanspruchen. Sogar den Grill dürften wir benutzen, wenn wir wollten.

Ca. drei Stunden später war Enrique dann auch da und hat gefragt, ob alles okay wäre. Dies konnten wir bestätigen und hofften, dass er keine weiteren Fragen mehr stellen würde, denn wir waren müde und wollten nur noch schlafen. Unser gelerntes vom Tag: 30 Minuten können auch mal 3 Stunden sein. Völlig normal in Paraguay.

Am nächsten Tag sind wir zu Fuß in Richtung Supermarkt, um uns mit den Notwendigkeiten des Lebens zu versorgen. Da wir in Asunción gelernt haben, dass es auf Wochenmärkten das bessere Obst und Gemüse gibt, sind wir am Nachmittag noch zum Wochenmarkt gefahren. Und hier ist es wie scheinbar überall in Paraguay, eine Bushaltestelle ist dort, wo Du gerade stehst, beziehungsweise aussteigen möchtest.

Dieser Wochenmarkt war jedoch bei weitem nicht so schön – optisch, wie auch olfaktorisch – und hatte auch nicht die beste Auswahl. Dafür war er sehr günstig. Wir haben Zutaten für eine komplette Mahlzeit für nicht einmal €1.50 gekauft. Im Supermarkt hätten wir mehr bezahlen müssen dafür.

Der Sonnenuntergang

Auf dem Heimweg hatten wir einen brennenden Himmel, alle Hände voll mit Tragetaschen und nur die Telefone zum Fotografieren dabei. Und so haben wir uns dann vorgenommen, dass wir am nächsten Abend zum Fluss gehen und ein paar tolle Fotos machen werden. So war dann der Freitag, mal wieder ein Arbeitstag und am Abend sind wir hinaus, um Fotos und Videos zu machen. Hier eine kleine Auswahl.

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