Busfahren für Anfänger

So hatten wir also die Idee mit dem Bus nach Areguá zu fahren. Eine Stadt, direkt am Lago Ypacarai, ca. 30km von Asunción entfernt. Mit dem Bus soll diese Strecke in ca. einer Stunde zu schaffen sein. Nachdem wir aus einem Reiseführer wussten, dass die Linea 11 nach Areguá fahren soll, haben wir uns den nächsten 11er angehalten und sind einfach mal losgefahren. Dies haben wir ja in der letzten Woche so gelernt. Nach ungefähr einer Stunde fahrt sind wir vom freundlichen Busfahrer mit einem Lächeln im Gesicht gebeten worden, jetzt auszusteigen. Die übrigen Fahrgäste fingen an zu lachen und wir standen da, wie der Ochs vorm Berg und wussten nicht, wie uns geschah. Der Busfahrer hatte Pause und ist zu seinem Haus gefahren. In Capiatá. Busfahrchallenge Nummer 2 – durchgefallen. Unser neu erworbenes Wissen von diesem Tag: Lese immer das kleine Schild in der Windschutzscheibe vom Bus.

Wir standen also inmitten der Pampa Capiatás, ohne Plan, ohne ausreichend Wasser und mit einer kleinen Portion Frust. Schnell das Telefon herausgeholt, etwas Internet gebucht und mittels einer Karten-App versucht, einen Weg aus diesem Irrsinn heraus zu finden. An der Ruta 1 angekommen, haben wir wieder jede Menge Colectivos gesehen und sind, nach einer kurzen Orientierungsphase, in einen Bus in Richtung San Lorenzo eingestiegen. Sowohl Sandra, als auch ich, waren nun echt genervt von uns und der Situation, dass wir es nicht nach Areguá geschafft hatten. So sind wir in ein uns bekanntes Shopping-Center gegangen und haben eine Frust-Pizza bestellt. Diese Frust-Pizzen sind immer extrem lecker, unabhängig von Belag und Preis.

Die folgenden Tage vergingen recht unspektakulär, da es immer wieder einmal geregnet hat und wir dementsprechend nichts in der Natur unternommen haben. Wir haben ja Zeit und müssen nicht jeden Tag gestresst nutzen.

Oh Du schönes Areguá

Mit dem Wissen, dass man auf verschiedene Dinge an einem Colectivo achten muss, haben wir uns dann doch noch auf den Weg nach Areguá gemacht und sind dort auch angekommen. Als allererstes wollten wir in Richtung Lago Ypacarai gehen und haben den alten Bahnhof gefunden. Die Bahnlinie von Paraguay wurde 1990 eingestellt und seit dem wird alles irgendwie anders genutzt. Die Überreste sind jedoch deutlich zu erkennen.

Diese wirklich alten Wagen und Wagenteile sind leider total dem Verfall überlassen und werden zusätzlich als Unterkunft bzw. Abfallzwischenlager genutzt. Und es gibt eines an diesem Ort im Überschuss. Ameisen, kleine, beissende Ameisen. Es scheint, als wollten diese nicht, dass man den alten Bahnhof besuchen soll. Der weitere Weg zum See blieb uns versperrt, so dass wir die Straße zurück gingen und uns einen kleinen Mittags-Snack gegönnt haben.

Nach einem kurzen Blick in unseren Reiseführer haben wir dann entschieden den Weg zu den Gesteinsformationen zu Fuß zu nehmen. Dabei sind wir an einer sehr schönen Kirche vorbei gegangen, die wir leider nicht betreten durften.

Cerro Koi

Nach der Kirche gingen wir die Hauptstraße, auf der auch die Buslinie nach Asunción fuhr, weiter in Richtung Cerro Koi. Nach einer gefühlten Ewigkeit in der Sonne, mit wenig Schatten sind wir schliesslich an einem Ort angekommen, der uns die Sprache verschlagen hat. Gesteinsformationen, die der Natur entwachsen sind und nicht von Menschenhand geformt wurden. So etwas haben wir vorher noch nie gesehen. Wie auch? Diese Steinformationen gibt es nur an drei Orten auf der ganzen Welt. In Kanada, in Südafrika und hier in Areguá. Die Wege durch den Park sind definitiv nicht für Sommerschuhe (Flip-Flops) gedacht. Auch bei Turnschuhen solltest Du darauf achten, dass diese wirklich gut sitzen und einen guten Halt geben. Ideal sind wohl Trecking- oder Wanderstiefel, die wir leider nicht mit auf unsere Reise genommen haben.

Auf dem Weg durch den Park haben wir eine Touristengruppe inkl. Parkführern getroffen. Und obwohl unser Spanisch wirklich noch nicht gut ist – noch nicht einmal im Ansatz gut – hat uns einer der Guides an die Hand genommen und ist mit uns durch den Park gegangen. Die Gruppe hatte schließlich noch zwei weitere Guides dabei. Er hat uns Orte gezeigt und Tipps gegeben wie wir dort noch näher an die Steine gelangen konnten. Wir sind jedenfalls aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Wer uns auf Facebook folgt, der hat schon die ersten Bilder gesehen. Hier kommen nun noch weitere.

Wenn es erst mal regnet

Bevor nun der Wochenbericht schon wieder zu Ende geht, noch kurz der Freitag dieser Woche. Wir waren sehr froh, dass wir nicht erst heute zum Cerro Koi gefahren sind. Denn es hat den ganzen Tag über geregnet. So sehr, dass die Straßen beinahe Flüsse waren. Für das nächste Wochenende – Achtung Spoiler – steht ein Unterkunftswechsel an, aus diesem Grund haben wir bereits am Freitag den Kühlschrank leer gehabt. Irgendwann bekamen wir nun doch ein wenig Hunger und mussten uns auf die Jagd begeben. Erst war es nur ein wenig Hunger, also haben wir ein paar Empanadas an der Straßenecke gekauft. Günstig, lecker, satt machend.

Gegen Abend hatten wir dann doch wieder Hunger. Und zwar großen. Da es den ganzen Tag über geregnet hat, haben wir uns den Tag mit Wäsche waschen und ein wenig Arbeiten eingerichtet. So haben wir vom Regen wenig mitbekommen. Leider aber auch nicht, dass die Sonne dann auf einmal weg war. Und dann war da noch der Hunger. Also ein paar Klamotten gesucht, die etwas Wasser abhalten und los zum nächsten Restaurant. Mit nassen Füßen und durchnässten Shirts haben wir es dann geschafft und konnten etwas Essen. Nur mussten wir ja auch noch wieder zurück zur Unterkunft. Merkt Ihr etwas? Genau, wir haben es auch gemerkt. Wir waren wieder einmal Pitsche-Patsche-Nass. Ja, das kann es auch geben auf einer Reise. Es ist eben nicht jeden Tag Sonnenschein, zumal es hier auf den Winter zu geht.

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